Christlich-jüdisches Café in der Kreuzkirche: Neue Kippa-Aktionen in Bonn geplant

Christlich-jüdisches Café in der Kreuzkirche : Neue Kippa-Aktionen in Bonn geplant

Pfarrer Joachim Gerhardt wird sich als neues Vorstandsmitglied vorstellen. Einmal im Monat kommen die rund 60 Vereinsmitglieder und weitere Interessierte zum Gedankenaustausch zu wechselnden Themen zusammen.

Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Bonn wird auch im kommenden Jahr mit Kippa-Aktionen auf die Anfeindungen jüdischer Mitbürger in der Stadt reagieren. Die genauen Termine stehen noch nicht fest, berichtete der ehemalige Pfarrer Ulrich Thomas am Donnerstag beim christlich-jüdischen Café im Gemeindehaus der Kreuzkirche.

Einmal im Monat kommen die rund 60 Vereinsmitglieder und weitere Interessierte zum Gedankenaustausch zu wechselnden Themen zusammen. Pressepfarrer Joachim Gerhardt stellte sich als neues Vorstandsmitglied vonseiten des evangelischen Kirchenkreises Bonn vor. Ihm zur Seite stehen Oleg Goloborodsky als jüdischer Vorsitzender und Pastor Elmar Struck als katholischer Vorsitzender. Gerhardt hat verschiedene Länder des Nahen Ostens bereist und interessiert sich seit Längerem für den interreligiösen Dialog. Mit ihrem Begegnungsprogramm, aber auch mit einem Austausch unter christlichen und jüdischen Religionslehrern unter dem Titel „Weißt du, wer ich bin?“ sowie mit gemeinsamen Israel-Reisen will die 1954 in Bonn gegründete Gesellschaft für gegenseitiges Verständnis der Religionen eintreten.

Unerwartete Gemeinsamkeiten

Nachdem die großen Kirchen während des Nationalsozialismus überwiegend versagt hätten, sei die theologische Aufarbeitung bis heute nicht abgeschlossen, betonte Thomas, der sich seit Jahrzehnten in der Gesellschaft dafür engagiert. Erst zum 500. Jubiläum von Luthers Thesenanschlag habe sich die evangelische Kirche von dessen Anti-Judaismus förmlich distanziert. Eine latente antisemitische Israel-Feindschaft machen Thomas und Gerhardt in Bonn bis heute aus. Man werbe dagegen für ein normales Verhältnis unter befreundeten Staaten, das auch sachliche Kritik durchaus einschließe.

Gerhardt besucht mit seiner Konfirmandengruppe jedes Jahr die Bonner Synagoge. Die wenigsten Jugendlichen hätten zuvor ein jüdisches Bethaus gesehen, berichtet er. Der Polizeischutz wirke auf viele befremdlich. Andererseits entdeckten sie auch unerwartete Gemeinsamkeiten.

So haben nicht nur viele Bonner am vergangenen Sonntag die erste Kerze am Adventskranz entzündet. Andere entflammten die erste Kerze am jüdischen Chanukka-Leuchter. Das Fest zur Erinnerung an die Weihe des Tempels in Jerusalem ist in diesem Jahr vom 2. bis zum 10. Dezember. Das nächste christlich-jüdische Café ist am 3. Januar.