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Neue Intendantin der Bundeskunsthalle kommt aus Nürnberg

Kommentar zur neuen Intendantin der Bundeskunsthalle : Neustart an der B 9

Am 1. August 2020 wird Eva Kraus als Nachfolgerin von Rein Wolfs die neue Intendantin der Bundeskunsthalle in Bonn. Gegenwärtig leitet sie noch das Staatliche Neue Museum für Kunst und Design in Nürnberg.

Die Verantwortlichen haben schnell gehandelt: Kaum ist Bundeskunsthallenchef Rein Wolfs in Bonn durch die Tür und auf Heimatkurs, wo er bereits die Leitung des Amsterdamer Stedelijk Museums übernommen hat, ist die Nachfolge geklärt. Mit Eva Kraus erlebt das Haus an der B 9 nicht nur einen Generationswechsel, erstmals wird eine Frau Intendantin der Bundesinstitution, noch dazu ein in der Museumsszene relativ unbeschriebenes Blatt. Die Neue kommt nicht aus den großen Kulturzentren, sondern aus Nürnberg, wo sie das Staatliche Neue Museum leitet. Man fühlt sich etwas an Wolfs Start vor fast sieben Jahren erinnert. Denn ihn hatte damals auch kaum jemand auf der Liste, und er kam vom Kasseler Museum Fridericianum – auch keine Top-Ten-Adresse. Und wie gut hat der unkonventionelle Niederländer nach anfänglichen Schwierigkeiten der Bundeskunsthalle letztlich getan. Er brachte das Haus nach dem Finanzskandal von 2007 wieder in die positiven Schlagzeilen. Nicht zum ersten Mal wurde die Bundeskunsthalle 2019 von Kunstkritikern zum Haus des Jahres und attraktivsten Ausstellungsort in NRW gekürt. Mit Besucherzahlen zwischen 500.000 und 600.000 zählt die Institution zu den Spitzenhäusern der Republik.

Eva Kraus findet in Bonn große Fußstapfen vor. Und ein nicht gerade einfach zu bespielendes Haus. Der seit der Eröffnung vor mehr als 25 Jahren etablierte Mix aus Kunstausstellungen – Klassiker sowie Zeitgenossen –, kulturhistorischen Überblickspräsentationen sowie Schlaglichtern auf Wissenschaftsthemen und politische Inhalte ist in Deutschland einzigartig. Hier die Balance zu finden, ein heterogenes Publikum zu erreichen, immer wieder aufs Neue die Hallen zu füllen, ist eine Herausforderung. Wir erinnern uns, wie Wolfs, der von der Gegenwartskunst herkam, anfangs seine Abstimmungsprobleme hatte, dann aber neue, attraktive Formate („Pina Bausch“, „Gurlitt“, „Touchdown“, „Film in der Weimarer Republik“, „Von Mossul nach Palmyra“) fand.

Immer wieder zeigte sich, was es für eine Hypothek ist, ein Haus ohne eigene Kunstsammlung, ohne Basis zu führen, stets bei Null beginnen zu müssen: Fluch und Chance zugleich. Wie sagte Wolfs? „Mein Fazit ist: Wenn man mutig agiert, kann man Herausforderungen in Chancen verwandeln.“ Kraus trifft auf ein prächtig aufgestelltes Haus mit einem guten Renommee, einem mit rund 21 Millionen Euro ordentlichen Etat und einem treuen Publikum. Das kommende Jahr ist noch großteils von Wolfs geprägt. Dann beginnt die Ära Kraus. Man darf auf ihren Stil und ihre Handschrift gespannt sein. Eine neue Begrüßungsformel muss sie sich noch einfallen lassen. Wolfs pflegte mit einem „Schön sind Sie gekommen“ zu eröffnen.