Entspannte Wissenstour im Wald: Naturdetektive erobern die Waldau in Bonn

Entspannte Wissenstour im Wald : Naturdetektive erobern die Waldau in Bonn

Noch bis 17 Uhr findet der Naturdetektivetag an der Waldau statt. Wer Lust hat, kann auf eine spannende Wissens- und Entdeckungstour durch den Wald gehen.

Das klopfende Geräusch dem Specht zuzuordnen, war für Inga kein Problem, und auch den Bussardruf erkannte sie zumindest als Greifvogelschrei. Nicht schlecht für eine Fünfjährige. Die Vogelstimmen von CD Bildern von Tieren zuzuordnen, war die Aufgabe an der ersten Station beim diesjährigen Naturdetektive-Tag im Wald an der Waldau, den das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Eifel und das Bundesamt für Naturschutz mit dem Bonner General-Anzeiger durchführte.

Mit ihrer Familie ging Inga die acht Stationen auf dem Waldlehrpfad ab: Sie lernte Bodentiere vom Regenwurm bis zum Maulwurf kennen, erfuhr einiges über Wildtiere im Wald und bewies ihre Treffsicherheit beim Zapfen-Zielwerfen. Auch ihre Geschwister Malte (12), Thekla (10) und Lasse (9) waren konzentriert bei der Sache. Thekla wusste nicht nur, welche Farben Feuersalamander haben, sondern auch, warum man sie nicht anfassen sollte. Das brennt auf der Haut. Die Familie, erzählte die Mutter, war früher oft auf der Waldau, als sie noch in Bonn wohnte. Jetzt ist sie nach Bornheim umgezogen, kommt aber trotzdem noch hin und wieder vorbei.

Den Naturdetektive-Tag fand Thekla spannend. „Ich mache mit, weil ich wissen will, was im Wald los ist“, sagte sie. Wurden ihre Erwartungen erfüllt? „Manche Fragen sind ein bisschen einfach“, fand die Viertklässlerin. Aber die acht Stationen finde sie gut. Und im Wald sei sie ohnehin gerne.

Auch Till (8) und Ben (5) machten begeistert mit, „weil es Spaß macht, etwas über den Wald zu erfahren, und weil es viele Dinge zu entdecken gibt“. Sie lernten, dass Dinge wie Flaschen und Thunfischdosen nichts im Wald verloren haben, und Ben war danach so umweltbewusst, einige abgenagte Wassermelonenschalen, die jemand ausgerechnet hinter dieser Station in den Wald geworfen hatte, aufzusammeln und in den nächsten Mülleimer zu werfen. Der Wald, fanden sie, sei ein richtig schöner Ort.

Dieses Bewusstsein wollten auch die Veranstalter beim Nachwuchs wecken. Es gab Stände unter anderem von der rollenden Waldschule, vom Landschaftsverband Rheinland und vom Museum Koenig, die den Kindern teils lebende Waldtiere zeigten und ihnen die Möglichkeit gaben, spielerisch zu lernen. Darum gehe es, sagte Forstwirt Manfred Hören vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Eifel, der einen großen Anteil an der Organisation hatte. Man wolle Kinder für Natur begeistern. „Das ist der Grundstein für ein weiteres Entdecken und Kennenlernen.“

Bewusstsein für den Wald zu schaffen, werde immer wichtiger, sagte er. Was man im offiziellen Waldzustandsbericht der Bundesregierung lesen kann – darin wird angezeigt, dass in Nordrhein-Westfalen nur noch 22 Prozent der Bäume gesund sind –, könne man im Kottenforst deutlich sehen: Große Fichtenbestände und viele alte Buchen sind abgestorben, es gibt große Kahlflächen. „Die Leute sprechen uns darauf an.“ Schuld sei das Hitzejahr 2018, das Bäume geschwächt und Schädlinge begünstigt habe.

Die Hitze beherrschte auch diesen Naturdetektive-Tag. 101 Kinder nahmen teil. „Im Vergleich zum letzten Jahr ist das die Hälfte“, sagte Thomas Gemein vom Bundesamt für Naturschutz. Viele Familien hätten sich bei der Hitze wohl für einen Freibadbesuch entschieden. Dort entging ihnen allerdings die Vorführung eines Rückepferdes, das auch heute noch eingesetzt wird, um gefälltes Holz aus dicht bewachsenen Waldstücken zu holen. Auch ein Falkner war dort, es gab Kinderschminken und einen Kletterbaum. Und dass nicht so viele Besucher da waren, hatte auch Vorteile: Es war ruhiger im Wald. „Und man hat die Möglichkeit, mit den Leuten längere Gespräche zu führen“, so Hören.

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