Anbieter Tier Mobility und Lime: Nachfrage nach E-Scootern in Bonn steigt

Anbieter Tier Mobility und Lime : Nachfrage nach E-Scootern in Bonn steigt

Die Verleiher von E-Scootern bauen ihre Angebote in Bonn kontinuierlich aus. Nachdem Tier Mobility im Juni als Erster gestartet war, zieht nun Lime nach.

Die Anzahl elektrisch betriebener Roller ist in Bonn von anfangs 200 auf insgesamt rund 800 gewachsen – und soll noch weiter steigen. Neben dem Anbieter Tier Mobility ist nun auch Lime in der Bundesstadt vertreten.

Heißt allerdings auch: Auf und an Straßen im Stadtgebiet sorgt das zunehmend für Probleme, weil E-Scooter und Leihfahrräder von Nextbike auch mitten auf Geh- und Radwegen abgestellt werden. Die Anbieter wollen gegensteuern und die Nutzer dazu animieren, sich an die Regeln zu halten.

Geht einem E-Scooter der Saft aus, muss der Akku an die Steckdose. Jeden Abend machen sich deshalb Sammler in Bonn auf den Weg, um die Roller in Lagerhallen zu transportieren. Bei Tier sind das sogenannte „Ranger“, die in Kleinbussen jede Nacht bis zu 40 Gefährte von der Straße holen und nach einigen Stunden wieder ausliefern.

Zudem werden sie dabei überprüft und gewartet. „So stellen wir eine möglichst lange Lebensdauer sicher, die bei unserem aktuellen Modell bei rund 14 Monate liegen sollte“, sagt Tier-Sprecher Bodo von Braunmühl.

Keine Obergrenze

Während sein Unternehmen auf eigene Sammler setzt, wirbt Konkurrent Lime um „Juicer“ – Privatleute, die für eine Provision arbeiten. Nach dem Start vor wenigen Tagen sucht Lime auch in Bonn nach solchen Helfern. „Wir haben standardmäßig ein eigenes Team vor Ort, dass die Grundversorgung sicherstellt“, erklärt Lime-Chef Jashar Seyfi.

Mittlerweile hat Lime das Angebot von 50 auf etwa 300 E-Scooter ausgebaut. Man wolle die Stadt nicht planlos mit Elektrorollern fluten, sondern „mit der Nachfrage wachsen“. Eine Obergrenze wie in Stuttgart, die bei 800 Stück pro Anbieter liegt, gibt es in Bonn nicht. „Aber wir stehen in engem Kontakt mit der Stadtverwaltung“, sagt Seyfi.

Dabei geht es nicht nur um die reine Menge, sondern auch um Nutzungszonen. Tier hat sein Gebiet zuletzt von der Bonner Innenstadt auf ganz Bonn inklusive Beuel und Bad Godesberg ausgeweitet. Außerhalb einiger Sperrflächen, wozu beispielsweise das Rheinufer oder die Kennedybrücke gehören, darf man die E-Scooter überall parken – sofern sie nicht im Weg stehen und öffentlich erreichbar sind. Lime konzentriert sich bislang auf den Bonner Stadtkern zwischen der Autobahn 565, Rhein und B9 sowie das Zentrum von Beuel. „Es ist auch möglich, die E-Scooter außerhalb dieses Bereichs zu fahren, sie können aber nur innerhalb des Betriebsgebietes abgestellt werden“, so Seyfi. Theoretisch ist es möglich, mit dem Lime-Roller nach Köln zu fahren – die Reichweite wird mit rund 50 Kilometern angegeben.

Ein Problem, auf das GA-Leser immer wieder aufmerksam machen, sind falsch geparkte E-Scooter und Nextbikes: Sie versperren Radfahrern und Fußgängern den Weg. „Wir sind dabei auch auf den gesunden Menschenverstand angewiesen“, sagt Seyfi. Lime verspricht sich Besserung durch eine spezielle Funktion in der App: Wer den Roller parkt, wird aufgefordert, ein Foto davon zu schießen. Die App erkennt dann, ob er richtig oder falsch steht.

Einsatz von künstlicher Intelligenz

„Dahinter steckt eine künstliche Intelligenz, die immer weiter dazulernt und die Nutzer unterstützen soll“, sagt Seyfi. Sie lernt durch ein Spiel: In der App kann man bei einem Bilderquiz entscheiden, ob E-Scooter ordentlich geparkt wurden. „Auf diese Daten greift die KI zurück.“ Strafen gibt es bei Lime nicht – schließlich könne man nicht sagen, ob der Nutzer selbst den Tretroller falsch abgestellt habe oder ihn jemand nachträglich beiseite geschoben habe.

Tier geht einen anderen Weg, wie von Braunmühl erläutert: „Aktuell arbeiten wir dazu an Maßnahmen, um ordnungsgemäßes Parken zu belohnen.“ Denkbar wären beispielsweise Freifahrten. Zudem gebe es engen Kontakt zu Ordnungsamt und Polizei, die Umpark-Aktionen veranlassen können. Auch einen anderen häufigen Beschwerdegrund geht Tier gerade an: So bemängeln andere Verkehrsteilnehmer zu hoch strahlendes Licht. „Unser Team arbeitet gerade daran, die Einstellung zu optimieren.“

Auch in Sachen Sicherheit versuchen die Anbieter, E-Scooter-Fahrer aufzuklären und zu erziehen. Bevor man einen Roller das erste Mal fahren darf, müssen sich die Nutzer die Gebrauchsanweisung durchlesen. Lime will in Bonn sogar kostenlose Fahrsicherheitstrainings anbieten und Helme verteilen. „In anderen Städten wurde das sehr gut angenommen. Über Termine wird man in der App informiert“, sagt Seyfi.

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