Grippewelle in Bonn: Nach Karneval droht ein Schub von Neuerkrankungen

Grippewelle in Bonn : Nach Karneval droht ein Schub von Neuerkrankungen

Ärzte und Apotheker rechnen nach Karneval mit einem Schub an Grippe-Neuerkrankungen. Bei der Zahl der Erkrankten ist zudem von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Triefende Nasen und quälender Husten: Erkältungen und Grippe grassieren in Deutschland. Auch in Bonn leiden wieder viele Menschen an Atemwegserkrankungen – und da ein bestimmtes Symptom nicht mehr zuverlässig für eine Unterscheidung sorgt, erscheint eine Differenzierung derzeit besonders schwierig.

„In der Regel gilt Fieber als ein Indiz für die klassische Influenza und dient als Abgrenzung von einer normalen Erkältung“, erklärt Martin Buchenroth, Chefarzt der Abteilung für Allgemeine Innere Medizin im Johanniter-Krankenhaus. „Aber in den vergangenen Wochen sind vergleichsweise viele Patienten zu uns gekommen, bei denen das nicht der Fall war. Diese Menschen hatten eine normale Temperatur, aber nachweislich Grippeviren im Körper. Das hat uns dann doch überrascht.“ Seit Anfang vergangener Woche werde daher auch ein entsprechender Schnelltest durchgeführt, „um auf Nummer sicher zu gehen“.

Hausarzt Jörg Köster verzichtet dagegen auf derartige Maßnahmen. „In diesem Jahr habe ich noch keinen Test auf Influenza durchgeführt. In der Regel wird ja ohnehin nach Symptomen behandelt. In meiner Praxis scheint die Anzahl der Patienten mit entsprechenden Krankheitsbildern aber auch im langjährigen Jahresdurchschnitt zu liegen. 2013/2014, bei der letzten großen Grippewelle, war das weitaus schlimmer.“

259 Influenza-Fälle in Bonn

6251 neue Grippefälle wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) in der zweiten Februar-Woche gemeldet. Eine Woche zuvor waren es knapp 4563 Fälle. Damit stieg die Zahl der bestätigten Influenza-Fälle auf 18.346. Die tatsächlichen Zahlen dürften höher liegen. Grund ist eine Dunkelziffer durch nicht im Labor bestätigte Infektionen.

Beim Bonner Gesundheitsamt weiß man bisher von 259 Influenza-Fällen in 2017. „Das sind mehr als im Vorjahr, aber immer noch keine dramatischen Entwicklungen“, sagt Isabel Klotz vom städtischen Presseamt. Auch der Bonner Rettungsdienst gibt sich entspannt. „Eine besondere Häufung von Grippefällen liegt bei uns nicht vor“, erklärt Feuerwehr- und Notdienstsprecher Martin Haselbauer. „Im Einsatzfall bringen wir die Patienten nach Möglichkeit in das nächste freie geeignete Krankenhaus. Normalerweise kommen Grippepatienten zunächst in einen speziellen Erstaufnahmeraum.“

Auch Buchenroth zeigt sich entspannt: „Im Vergleich zu der schweren Epidemie vor zwei Jahren, bei der nach Schätzungen des RKI 20.000 Menschen an der Grippe starben, haben wir zwar zumindest gefühlt mehr Erkrankungen, diese nehmen aber bei Weitem nicht so einen schweren Verlauf.“ Zudem sehe es so aus, als sei das Schlimmste überstanden. „Die Neuerkrankungen gehen derzeit zurück. Ich persönlich glaube nicht, dass es durch die Karnevalstage noch einmal einen starken Schub geben wird. Wenn wir Glück haben, hat sich ein Großteil der Bonner schon auf die ein oder andere Art mit den Influenza-Viren auseinandergesetzt.“

Abrupter Erkältungsschub

Selbst wenn dies zutreffen sollte: Klassische Erkältungen lassen sich davon nicht beirren. „Erfahrungsgemäß folgt nach Rosenmontag eine weitere Welle mit Betroffenen, die bei uns Medikamente gegen verschleimte Nebenhöhlen und kratzenden Rachen kaufen“, sagt Anja Istel, Leiterin der Einhorn-Apotheke in Bonn. „Erst steht man draußen im Regen, dann schunkelt man in der Kneipe, da ist das nicht überraschend.“ Doch schon jetzt gehe so einiges an Medikamenten über die Theke.

Laut Istels Mitarbeiterin Lisa-Marie Schöneck habe der aktuelle Erkältungsschub vergleichsweise spät und abrupt eingesetzt: „Man hat das Gefühl, dass alle auf einmal kommen.“ Ähnlich sieht es in Bad Godesberg aus. „Im Moment geht es ganz schön rund, viele kommen mit Rezepten“, sagt Meike Russ von der Burg-Apotheke. „Ich würde allerdings nicht sagen, dass die Situation extremer ist als in den vergangenen Jahren.“

Egal ob Grippe oder Erkältung, man sollte auf jeden Fall Vorsicht walten lassen, bekräftigt Susanne Glasmacher vom RKI. „Die Grippewelle wird wahrscheinlich noch einige Wochen anhalten. Zwar ist die Zahl der gemeldeten Neuerkrankungen bundesweit rückläufig, aber wir werden noch ein paar Tage abwarten müssen, um festzustellen, ob der Trend Bestand hat.“

Handhygiene ist besonders wichtig

Grundsätzlich sei vor allem auf eine gute Handhygiene sowie auf Abstand zu offensichtlich erkälteten Personen zu achten. Sehr viel mehr könne man aber kaum tun: „Das Leben besteht nun einmal aus Kontakten.“

Zumindest um das ein oder andere Bonner Großunternehmen scheint die Grippewelle einen Bogen zu machen. „Unsere Abteilung Gesundheitsmanagement kann derzeit keinen überproportionalen Krankheitsstand verzeichnen“, erklärt DHL-Pressesprecher Björn Troll. „Die Zahlen bewegen sich in dem für diese Jahreszeit üblichen Rahmen.“

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