Zirkus Flic Flac: Nach Chemotherapie zurück in die Manege

Zirkus Flic Flac : Nach Chemotherapie zurück in die Manege

Umjubelter Auftritt im Zirkus Flic Flac: Artistin Laura Miller kämpfte sich nach Krebs-Diagnose zurück ins Leben und hat jetzt wieder ein festes Engagement im Zirkus Flic Flac.

Verführerisch räkelt sich eine Artistin in einem Reifen, der an einem Drahtseil unter der Spitze des Zirkuszelts an der Beethovenhalle hängt. Unter ihr steht ein Wassertank, um dessen Rand ein Feuer lodert. Plötzlich lässt sich die Artistin aus ihrem Reifen fallen und taucht durch die Flammen in das kühle Nass. Als sie wieder an die Oberfläche kommt, triumphierend ihre Arme in die Luft wirft und über das ganze Gesicht strahlt, tobt das Publikum im Zirkus Flic Flac. Doch kaum ein Zuschauer weiß: Hinter dem Lächeln der gefeierten Artistin verbirgt sich die rührende Geschichte einer Frau, die sich nach einer schockierenden Diagnose zurück ins Leben gekämpft hat.

Der Name der Frau ist Laura Miller. Vor knapp drei Jahren wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. „Ich kam gerade von einer Aufführung in Puerto Rico, als ich in meiner rechten Brust einen Knoten entdeckte“, sagt die 37-Jährige Britin. „Ich bin daraufhin zum Arzt gegangen.“

Was folgte waren eine Vielzahl von Eingriffen, eine Therapie und eine lange Genesungsphase. Dreimal musste sie operiert werden, bis alle Krebsgeschwüre entfernt waren. Dazu kamen drei weitere Operationen zur Wiederherstellung ihrer Brust und eine nervenaufreibende Chemotherapie. „Ich verlor meine Haare, nahm zehn Kilogramm zu und erkannte mich im Spiegel selbst nicht mehr wieder“, erzählt Miller. „Viele Nächte lang konnte ich nicht schlafen und musste mich wegen der starken Medikamente mehrmals übergeben.“

Den Verlauf ihrer Krankheit dokumentierte sie im Internet. Auf Facebook fand sie andere Betroffene, tauschte sich mit ihnen aus und veröffentlichte Fotos ihrer Genesung. „Ich fand dadurch viele neue Freunde“, sagt Miller. „Einige von ihnen konnten den Krebs jedoch nicht besiegen und sind inzwischen verstorben.“ Der offene Umgang mit ihrer Krankheit zeigte bald seine Schattenseiten. „Viele in der Zirkusbranche haben mich nach Bekanntwerden der Diagnose abgeschrieben“, so Miller. „Nur wenige konnten sich vorstellen, dass ich eines Tages wieder in einer Manege auftreten werde.“

Zirkus FlicFlac in Bonn

Doch Stück für Stück erkämpfte sie sich ihren Weg zurück auf die Bühne. So begann sie schon während der Chemotherapie ihr Training und ging mehrmals die Woche Joggen. Als es ihr langsam besser ging, setzte sie ihr Training im Fitnessstudio fort. „Vier bis fünfmal die Woche“, so Miller. Dazu kam die Unterstützung durch ihre Familie. „Mein Lebensgefährte und ich wohnten während meiner Krankheitsphase bei meinen Eltern in Sussex. Meine Mutter begleitete mich oft zum Arzt und mein Freund half mir bei der Reha“, sagt Miller.

Nach zwei Jahren hatte sie es geschafft und die Krankheit endgültig aus ihrem Körper verbannt. Jetzt betrachte sie jeden Tag wie ein Geschenk, meint Miller, die pure Lebensfreude ausstrahlt. Und auch die Rückkehr in die Manege gelang ihr. „Im Februar trat ich anlässlich des 40. Jubiläums beim Zirkusfestival in Monte-Carlo auf“, so Miller. „Dies war das Highlight meine Karriere und gilt unter Artisten als Ritterschlag.“

Ihr erstes festes Engagement nach ihrer Genesung bekam sie jetzt beim Zirkus Flic Flac. Dort, wo für sie vor 13 Jahren alles begann. „Mein Lebensgefährte holte mich 2003 von meiner Stelle als Tänzerin in einem englischen Ferienpark zu Flic Flac, wo wir die Nummer mit dem brennenden Wasserbecken erfanden.“

Ihr Wunsch für ihre Zukunft: „Ich möchte so lange weiter als Artistin auftreten wie es geht!“ Und danach? „Vielleicht mache ich als Trainerin weiter“, sagt Miller lachend.

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