Anklage in Bonn: Mutmaßlicher Umsatzsteuer-Betrüger steht vor Gericht

Anklage in Bonn : Mutmaßlicher Umsatzsteuer-Betrüger steht vor Gericht

Ein 54-jähriger Mann soll 13 Millionen Euro hinterzogen haben und steht deswegen nun vor dem Bonner Landgericht. In den USA war er schon wegen Geldwäsche verurteilt.

Wegen bandenmäßigen Steuerbetrugs in großem Stil muss sich seit Montag ein 54-Jähriger vor dem Bonner Landgericht verantworten. Dem Mann wird vorgeworfen, in den Jahren 2011 und 2012 insgesamt rund 13 Millionen Euro Umsatzsteuer hinterzogen zu haben beziehungsweise dies versucht zu haben.

Laut Anklage hatte der Angeklagte dazu im Oktober 2011 mit einem Kompagnon aus Swisttal eine GmbH gegründet. Geschäftszweck der Firma, bei der der 54-Jährige offiziell als Händler angestellt war, die er jedoch wie ein Geschäftsführer leitete, war der „Handel mit Waren aller Art“. 18 750 Euro, und damit der größten Teil des Stammkapitals von insgesamt 25.000 Euro, stammten von dem im pakistanischen Karatschi geborenen Deutschen.

Geflecht an Scheinfirmen

Das Unternehmen soll vornehmlich mit Kupferkathoden gehandelt haben und fungierte bis Mai 2012 als zentrale Schnittstelle in einem Geflecht von Scheinfirmen, deren einziger Zweck darin bestanden haben soll, mittels einer gefälschten Lieferkette die Finanzbehörden an der Nase herumzuführen und die Erstattung von nicht gezahlten Umsatzsteuern zu erwirken. Insgesamt 13 Betrugsfälle werden dem Angeklagten vorgeworfen, bei drei davon blieb es bei dem Versuch, weil das Finanzamt dem Antrag nicht stattgab.

In Bonn lebt der Mann aber schon seit mehreren Jahren nicht mehr. Weil wohl ein interner Alarm-Mechanismus angeschlagen hatte, war schnell aufgefallen, dass der Angeklagte schon im Jahr 2012 „unbekannt verzogen“ war. Das Verfahren gegen den Swisttaler wurde bereits gegen eine Geldauflage eingestellt.

Offenbar ist Steuerhinterziehung aber nicht die einzige Straftat, die dem 54-Jährigen vorgeworfen wird. Schon im Jahr 2001 war der gebürtige Pakistani von einem britischen Gericht wegen Geldwäsche in Verbindung mit Drogen zu acht Jahren Haft verurteilt worden. 2015 tauchte der Gesuchte dann in Spanien wieder auf, wo ihn die dortigen Behörden noch im selben Jahr nicht nach Deutschland, sondern in die Vereinigten Staaten auslieferten.

Nach Deutschland ausgeliefert

Dort wurde er im Juli 2018 wegen Geldwäsche sowie Drogen- und Waffendelikten und der Verbindung zu einer Terrororganisation zu fünf Jahren Haft verurteilt. Davon hatte er bereits drei Jahre in US-Untersuchungshaft abgesessen und konnte so Anfang des Jahres nach Deutschland überstellt werden.

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