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Prozessauftakt in Bonn: Mutmaßlicher Doppelmörder steht vor Gericht - und schweigt

Prozessauftakt in Bonn : Mutmaßlicher Doppelmörder steht vor Gericht - und schweigt

Er soll im Februar vergangenen Jahres zwei Männer getötet haben, die er nicht kannte. Seit Dienstag muss sich der mutmaßliche Doppelmörder wegen zweifachen Mordes vor der Bonner Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Josef Janßen verantworten.

Der 57-jährige Niederpleiser, der zuletzt keinen festen Wohnsitz hatte und in Rheinbach im Gefängnis sitzt, wirkt äußerlich ruhig, als Oberstaatsanwalt Robin Faßbender die Anklageschrift verliest. Nur der Kopf ist ständig, aber fast unmerklich in egung. Der Angeklagte selbst äußerte sich am Dienstag nicht. Er werde "keine Angaben zu Sache oder zu Person machen", sagte sein Verteidiger Carsten Rubarth. Allerdings stünde er für ein psychiatrisches Gutachten zur Verfügung.

Dem 57-Jährigen wird vorgeworfen, am 2. Februar 2011 einen 42-jährigen Verkäufer im Matratzengeschäft Concord am Belderberg erschossen zu haben. Zunächst habe er den Mann in ein vorgetäuschtes Verkaufsgespräch verwickelt. Als der Verkäufer die Kasse öffnete, soll er eine Schusswaffe mit Schalldämpfer gezogen haben.

Und nachdem das Opfer die Lade wieder geschlossen hatte, habe der 57-Jährige "zwei Schüsse in kurzer Folge abgegeben, um seine Identifizierung zu verschleiern", so Faßbender. Die Kugeln trafen den 42-Jährigen, der kurze Zeit später verstarb, in Kopf und Brust. Laut Faßbender wäre "jeder Schuss dazu geeignet gewesen, den Verkäufer zu töten".

Habgier und der Wunsch, eine weitere Straftat - sprich einen Raub - zu ermöglichen, sollen laut Anklage die Motive gewesen sein. Heimtücke sei beim zweiten Mord im Spiel gewesen. Am 22. Februar soll sich der Angeklagte dann am Ennertparkplatz aufgehalten haben. Dort wollte auch ein 49-jähriger Dernauer seine Mittagspause verbringen. Der Angeklagte "hat sein Opfer zehn Minuten lang beobachtet", führte Faßbender aus.

Durch die halb geöffnete Fahrertür schoss er dem 49-Jährigen in den Kopf, "um an das Auto und die darin enthaltenen Gegenstände zu gelangen". Der 57-Jährige wird verdächtigt, die Leiche in den Kofferraum gepackt zu haben. Anschließend soll er zunächst zu seinem damaligen Aufenthaltsort gefahren sein. Der Audi Q 5 wurde am 23. Februar an der Talsperre im belgischen Eupen gesehen - dort, wo drei Joggerinnen wenig später die Leiche entdeckten. Den Audi soll der Angeklagte am selben Tag in Siegburg abgestellt haben. Dort entdeckten ihn Zeugen am 27. Februar.

Der Niederpleiser saß in Bielefeld hinter Gittern, als ihn die Beamten als mutmaßlichen Täter ermittelten, hatten Polizei und Staatsanwaltschaft im März mitgeteilt. Der Grund: Er hatte 2007/2008 mehrere Versicherungen betrogen und dabei rund 670.000 Euro ergaunert. Eine Zeit lang war er flüchtig, saß in U-Haft, wurde wieder freigelassen. Im November 2010 wurde er dann wegen Betrugs zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Seine Strafe sollte er Monate später antreten.

Bis es so weit war, reiste er auf die Philippinen, wo er nach Angaben der Ermittler seinen zweiten Lebensmittelpunkt hatte. Dann soll er beschlossen haben, nach Deutschland zurückzukehren, um durch Raubüberfälle an Geld zu kommen.

Er wird verdächtigt, die dafür benötigte Waffe in einem Reiskocher nach Rumänien geschickt zu haben, wo er sie abgeholt haben soll. Anschließend soll er nach Österreich gefahren sein, um Munition zu kaufen. Anfang Februar dann sei er wieder nach Deutschland gekommen. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.