Konzerte des BOB im Bonner WCCB: Musiker unfreiwillig auf Wanderschaft

Konzerte des BOB im Bonner WCCB : Musiker unfreiwillig auf Wanderschaft

Das WCCB ist mehr und mehr gefragt. Das Beethoven Orchester muss ab der nächsten Saison in die Oper ausweichen. Das Karnevalskonzert feierte Premiere im Kongresszentrum.

Das traditionelle Karnevalskonzert des Bonner Beethoven Orchesters (BOB) hat am Freitagabend zum ersten und wohl auch zum letzten Mal vor großem Publikum im Kongresssaal des World Conference Center Bonn (WCCB) stattgefunden. Das Orchester wird in der neuen Spielsaison bis zur geplanten Wiedereröffnung der Beethovenhalle voraussichtlich im November 2018 die Oper als Interims-Spielstätte nutzen. Grund: Die Nachfrage von Tagungsveranstaltern hat so rasant zugenommen, dass im WCCB entgegen ursprünglicher Planung für das BOB nach der Sommerpause kein Platz ist.

Eigentlich haben sich die gut 100 Musiker des Orchesters im WCCB gut eingelebt. Anfängliche Skepsis ist bei vielen Musikern inzwischen Erleichterung gewichen, sagt Orchester-Direktor Michael Horn. Seit der Schließung der Beethovenhalle im vergangenen Herbst gastiert sein Orchester für die großen Freitagskonzerte im Saal „New York“, der sich mit einem Konzertzimmer – eine Art hölzerner Schuhkarton de Luxe – in einen Konzertsaal verwandelt. „Das klappt mittlerweile sehr gut, und auch mit der Akustik sind wir sehr zufrieden“, sagt Horn.

Zehn Mal spielen die Orchestermusiker in dieser Saison im WCCB auf. Für die Orchesterwarte ist das jedes Mal ein logistischer Kraftakt. Die während der Sanierung der Beethovenhalle im Brückenforum geparkten Orchesterstühle, Podeste und großen Instrumente, etwa Kontrabässe und Harfen, müssen für Konzerte im WCCB, aber auch für Auftritte in anderen Sälen, stets hin- und her gekarrt werden. Bei Gastspielen im WCCB kommen der Aufbau der Bühne und des Konzertzimmers dazu. Die 14 mal 24 Meter große und neun Meter hohe Holzkonstruktion sorgt dafür, dass die Musiker sich untereinander besser hören können und zudem die Akustik in einem eigentlich nur für Kongresse vorgesehenen Saal hörbar verbessert wird.

Wie gut die Teams des Orchesters und der WCCB-Management GmbH, die BonnCC, inzwischen Hand in Hand arbeiten, zeigte sich beim G 20-Treffen vor anderthalb Wochen. Noch während das Treffen der Außenminister unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen lief, musste das Konzertzimmer aufgebaut werden, weil am Freitagabend ein Konzert im „Saal „New York“ auf dem Programm stand. Alles klappte wie am Schnürchen. „Da haben uns aber schon die Schweißperlen auf der Stirn gestanden“, räumt Horn ein, als er Freitagnacht nach dem Karnevalskonzert recht entspannt den Abbau der Bühne im WCCB beobachtet. „Die Musiker und Solisten konnten an jenem Abend sogar noch ein Stündchen vor Beginn des Konzerts proben.“

Fix ging der Abbau auch nach dem Karnevalskonzert: Kaum waren Musiker, Solisten, Ludwigschor, Oberbürgermeister sowie Prinz und Bonna von der Bühne abgetreten, fuhren die Lastwagen vor. Ratzfatz waren die Orchesterstühle gestapelt, die Pulte und Notenständer eingesammelt und alles auf die Wagen verladen. „Der Umzug in die Oper vereinfacht die Sache etwas“, sagt Horn. Denn in der Oper ist das BOB schon regelmäßig zu Gast, weil es dort die Opernaufführungen begleitet.

Bei eigenen Konzerten wird es aber auch in der Oper ohne Konzertzimmer nicht auskommen. „Das war ja von vornherein geplant, dass das Konzertzimmer kompatibel für die Oper sein muss“, erklärt der Orchester-Direktor. Mithin seien die 2,1 Millionen Euro, die der konzerttaugliche Umbau des großen Saals „New York“ gekostet hat, auch keine „Wegwerf-Investition“. Zum einen, weil das alte Konzertzimmer in der Oper aus den 1950er Jahren nicht mehr brauchbar sei und ohnehin hätte ersetzt werden müssen. Zum anderen soll das WCCB auch nach wie vor bis zur Wiedereröffnung der Beethovenhalle Spielstätte für das Beethoven-Festival bleiben.

Über die Spielort-Änderung für das BOB informiert Kulturdezernent Martin Schumacher die Politik in einer Vorlage für den Kulturausschuss am 16. März. „Wir befanden uns als Stadt in dem Spannungsfeld, dass das Konferenzzentrum nun mehr und mehr dafür genutzt werden kann, wofür es gebaut wurde, wir aber anderseits eine Interims-Spielstätte für das Beethoven Orchester haben müssen“, sagt Schumacher dem GA.

Nachdem nun absehbar sei, dass das WCCB nicht mehr zur Verfügung steht, habe man sich in Abstimmung mit dem künftigen Generalmusikdirektor Dirk Kaftan darauf verständigt, ab der Spielsaison 2017/18 für die großen Freitagskonzerte der Abonnentenreihe in die Oper auszuweichen. Mit 1076 Sitzplätzen hat diese rund 100 Plätze weniger als das WCCB. Das und auch der erhebliche Sanierungsbedarf der Oper sieht Schumacher aber nicht als Hindernis. „Die Sanierung machen wir in kleinen Schritten in den Spielpausen.“ Die Nutzung der Oper durch das BOB sei von Generalintendant Bernhard Helmich vorsorglich berücksichtigt worden, versichert er.