Konzert in der Harmonie: Musik von Flüchtlingen für Flüchtlinge

Konzert in der Harmonie : Musik von Flüchtlingen für Flüchtlinge

"Das ist unser Nationalinstrument, der Krar", begrüßt Samson Kidane das Publikum. "Auf Deutsch heißt das Eierschneider", lacht der Sänger und Songwriter in Anspielung auf die Optik seines Instruments.

Wenn man in Bonn die Flüchtlingsproblematik beleuchtet, dann liegt der Fokus vor allem auf Endenich: Im Endenicher Paulusheim finden viele Flüchtlinge ihre erste Zuflucht. Am Tag der Deutschen Einheit gastierte die Band Mama Afrika im Rahmen eines Benefizkonzerts in der Endenicher Harmonie, und der Eritreer war einer von drei Gastmusikern.

Vor zehn Jahren floh Kidane nach Deutschland, um dem Bürgerkrieg zwischen seinem Heimatland und Äthiopien zu entkommen. Seine Musik verbindet afrikanische Einflüsse mit modernen Musikstilen wie Hip Hop, Reggae und Rock, ohne jemals ihre ostafrikanischen und arabischen Einflüsse zu verleugnen.

Der Top-Act, Mama Afrika, wurde bereits 1987 im Senegal gegründet und ist seit einigen Jahren eine der schillerndsten Percussiongruppen Deutschlands: Ein Blick in das begeistert mittanzende Publikum reichte, um zu sehen, dass die von den Gründungsmitgliedern um Malick Diouf in Köln wiedergegründete Band längst im Rheinland angekommen ist.

Davon zeugen auch die zahlreichen Gemeinschaftsprojekte mit der Crème de la Crème der kölschen Musikszene von den Höhnern bis zu den Bläck Fööss. Der treibende Rhythmus der Trommeln zog besonders den weiblichen Teil des Publikums unverkennbar in seinen Bann - zusammen mit den schiere Lebensfreude ausstrahlenden Tanzeinlagen und den bunten Kostümen ergab der Auftritt eine beeindruckende Melange aus Klang, Bewegung und Farbe.

An in Europa eher unbekannten Instrumenten, bekamen die gut hundert Zuhörer im Saal der Harmonie außer Kidanes Krar noch einige mehr zu sehen: Der in Barcelona lebende Syrer Safi Al-Hafez eröffnete den Abend mit seiner Oud genannten arabischen Kurzhalslaute: Der Musiker erzählte Geschichten aus seiner Heimat Damaskus und seiner Odyssee, die ihn über Istanbul und Barcelona nach Bonn geführt hat.

Der dritte Gastmusiker war Siriki Coulibaly aus Burkina Faso: Der Sohn einer Griot-Familie - so nennt man in Teilen Westafrikas Berufsmusiker - aus der zweitgrößten Stadt des Landes, Bobo-Dioulasso, ist mit Musik groß geworden und überzeugte mit seinem Können auf traditionellen Instrumenten wie dem Xylophon ähnlichen Balafon und der Ngoni, einer weiteren Spielart der Laute, diesmal mit langem Hals und aus Mali.

Zwei Euro von jeder verkauften Eintrittskarte kommen dem Paulusheim zugute.

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