Folge der Finanzaffäre: Münster-Carré schließt Tagungshaus

Folge der Finanzaffäre : Münster-Carré schließt Tagungshaus

Der Kirchenvorstand der Münster-Kirchengemeinde St. Martin schließt die zweite defizitäre Einrichtung. Nach dem Münster-Laden stellt zum 31. Dezember das Münster-Carré seinen Tagungsbetrieb ein.

Für kirchliche Zwecke sollen die Räume in den umgebauten Stiftsgebäuden weiter genutzt werden. „Der wirtschaftliche Betrieb als Tagungshaus ist unter den jetzt gegebenen Umständen nicht möglich“, erklärte Michael Bogen vom Kirchenvorstand am Donnerstag in einer Pressemitteilung. Die Gemeinde ist Eigentümerin des Münster-Carrés und hat ihren Entschluss „nach intensiven Erörterungen mit dem Generalvikariat des Erzbistums Köln als Aufsichtsbehörde“ gefasst.

Wie berichtet, ist das Substanzvermögen der kleinen Innenstadtgemeinde aufgebraucht, weil in den Jahren 2009 bis 2014 kirchliche Finanzmittel in Höhe von knapp zwei Millionen Euro unzulässig verwendet wurden, unter anderem für den Betrieb des Münster-Carrés. Stadtdechant Wilfried Schumacher, der im Mai im Zuge der Finanzaffäre von seinem Amt zurückgetreten ist, hatte die kirchliche Anlaufstelle mit Tagungshaus 2009 nach anderthalb Jahren Bauzeit eröffnet. Als „Foyer am Münster“ hatte die Gemeinde einen Neubau zwischen Basilika und Stiftsgebäude gesetzt. Er ist zugleich Zugang zu drei Sitzungsräumen, zum Gangolfsaal und zum Kapitelsaal. Diese Räume sowie der mittelalterliche Kreuzgang können für Veranstaltungen und Tagungen für bis zu 200 Personen gebucht werden.

Der Betrieb rechnet sich laut Gemeinde nicht. Zwar hätten sich die Geschäftszahlen unter der neuen Leitung zuletzt positiver entwickelt, „jedoch wurden bereits in der Konzeptionsphase bestehende Kosten nicht korrekt in die Kalkulation mit hineingenommen“, teilte der Kirchenvorstand mit. Nach erneuter Prüfung der Strukturen und Aufarbeitung der Zahlen durch Erzbistum und Kirchengemeinde sei klar, dass sich die Kosten mit dem bestehenden Tagungshaus-Konzept nicht erwirtschaften ließen.

Aktuell beeinträchtigt außerdem die Generalsanierung des Münsters den Betrieb, weil Kapitelsaal und Kreuzgang nur noch eingeschränkt nutzbar sein werden. Außerdem stört der Baulärm. „Um finanziellen Schaden von der Kirchengemeinde abzuwenden, hat sich der Kirchenvorstand daher zur Schließung des Tagungshauses Münster-Carrés entschlossen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Gemeinde will nun planen, wie sich die Räume während der Münster-Sanierung weiter sinnvoll für kirchliche Angebote nutzen lassen. Offenbar sollen dort zum Beispiel die Chöre weiter proben. Einzelne Räume werden außerdem als Ausgleichsflächen für Büros gebraucht, die während der Bauarbeiten nicht nutzbar sind. „Für die Zeit nach Abschluss der Münstersanierung wird ein tragfähiges Konzept für die Räumlichkeiten rund um die Basilika zu entwickeln sein“, kündigt der Kirchenvorstand an. Das Münster ist bereits seit einem Jahr geschlossen. Die Arbeiten sollen Ende 2020 beendet sein.

Derzeit wird geprüft, ob die beiden Mitarbeiter des Münster-Carrés innerhalb der Münsterpfarrei weiterbeschäftigt werden können. Sollte das nicht möglich sein, will das Erzbistum sie bei der Jobsuche in vergleichbaren Bistumseinrichtungen unterstützen.

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