Demonstration vor dem Eingang: Müllverbrennungsanlage in Bonn öffnete ihre Türen

Demonstration vor dem Eingang : Müllverbrennungsanlage in Bonn öffnete ihre Türen

Vorbei an Messanzeigen und Drehventilen, Verbrennungskesseln und Wäschern: Die Bonner Müllverbrennungsanlage lud am Samstag zum Tag der offenen Tür. Auch Demonstranten folgten der Einladung.

Das Inferno auf der anderen Seite des dicken Sichtfenster war ehrfurchtgebietend. Jenseits der Stahlwand, vor der die Besucher der Bonner Müllverbrennungsanlage (MVA) standen, herrschten 1000 Grad Celsius Hitze, dort brannte der Abfall aus Bonn und vier benachbarten Kreisen vor sich hin. Am Ende bleibt Asche übrig, erklärte Manfred Becker. „Da kann man noch viel herausfiltern“, so der MVA-Chef, der am Tag der offenen Tür am Samstag die presse und einige besondere Gäste durch das metallene Innenleben der Anlage führte.

Es ging vorbei an Messanzeigen und Drehventilen, Verbrennungskesseln und Wäschern, in denen Kohlenwasserstoff, Schwefeldioxid, Stickstoffoxide, Quecksilber und andere Schadstoffe, die bei der Verbrennung entstehen, herausgefiltert werden. Man erhielt Einblick in die Leitwarte, in der auch mehreren Monitoren Messwertkurven, Sicherheitsanzeigen und dergleichen mehr von Mitarbeitern beobachtet werden. Von dort aus konnte man in die großen Lagerhallen blicken, in denen sich tonnenweise Müll stapelt, der von Greifern ins Feuer transportiert wird. „Es ist immer noch viel Plastik im Müll“, meinte Becker. Sein Appell an die Verbraucher: weniger Verpacktes kaufen!

Die Tour ging auch aufs Dach, von dem aus man das Heizkraftwerk der Stadtwerke sehen konnte, die Papiersortierung der RSAG und natürlich das benachbarte Gelände des ehemaligen Schlachthofs, auf dem gebaut werden soll. Becker deutete auf den Schornstein der veraltten Kläranlage am Salierweg, der in der Ferne zu sehen war. „Der käme dann weg“, sagte er. Und zwar dann, wenn in der MVA auch Klärschlamm verarbeitet würde. Bekanntlich ist das eine von mehreren Optionen zur künftigen Klärschlammentsorgung, aus der ab 2029 auch Phosphor gewonnen werden soll. Das Thema kocht derzeit vor allem in Endenich hoch, und vor dem Eingang zur MVA demonstrierten am Samstag auch mehrere Menschen mit der Forderung: „Kein Klärschlamm in der Umweltzone.“

Nicht alle Besucher konnten die Anlage besichtigen

Becker blickte nach unten auf das MVA-Gelände, wo viel Betrieb herrschte - vor allem vor der Anmeldung zu den Führungen wurde die Schlange nicht kürzer, auch bei der Anmeldung zu Rundfahrten mit Müll- oder Kehrwagen von bonnorange war einiges los. Die Führung endete vor einem großen Festzelt, in dem die Besucher Essen von einigen Imbisswagen verzehren konnten. An diese Stelle käme laut Becker die Klärschlammentsorgung, „und viel mehr Platz brauchen wir dafür auch nicht“.

Drinnen konnte man sich über die Vorteile der Entsorgung in Bonn informieren. Nachteile wurden da nicht genannt, bemängelte Besucher Jürgen Kasten. Der Endenicher hätte gerne bei der Demonstration mitgemacht, hatte diese aber verpasst. Er war der Ansicht, dass der gesetzliche Rahmen, der die Emissionsrichtwerte festlegt - die die MVA laut der Information um rund 80 Prozent unterschreitet -, zu hoch angesetzt sei. „Die Gase, die da rauskommen, sind immer noch schädlich“, meinte er. „Wo bleiben die Untersuchungen zur Schädigung von Anwohnern bei West- oder Ostwind?“ Man solle einen Standort für die Klärschlammentsorgung finden, an dem weder Anwohner noch Umwelt belastet würden.

Nicht alle Besucher, die sich für das Schicksal ihres Restmülls interessierten, konnten die Anlage besichtigen. Jasmin Mangold hätte zwar die Führung mitmachen können, dafür aber zwei Stunden warten müssen. Was sollte sie in der Zeit mit ihren drei Kindern machen, nachdem die Hüpfburg wegen Nieselregens frühzeitig abgebaut wurde? Die Kids hatten wenigsten Spaß bei der Fahrt mit dem Papiermüllwagen.