Bebauung am Einkaufszentrum: Möbel Boss weicht Wohnhäusern in Tannenbusch

Bebauung am Einkaufszentrum : Möbel Boss weicht Wohnhäusern in Tannenbusch

Beim Bewohnerdialog zur Zukunft des Areals in Tannenbusch gibt es Kritik an der Bebauung mit 91 Wohnungen. Auch zum Verkehr gibt es viele Fragen.

„Die einzigen Menschen, für die Nachverdichtung kein Schimpfwort ist, sitzen in den Stadtplanungsämtern.“ Mit diesen Worten ließ ein Anwohner seinem Unmut freien Lauf: Der Bewohnerdialog zur Entwicklung des ehemaligen Standorts von Möbel Boss in Tannenbusch hatte am Dienstagabend um die hundert Interessierte in den Saal des Bildungszentrums Haus Vielinbusch neben dem Tannenbusch-Center gelockt. Die meisten Fragen und Wortmeldungen drehten sich um den möglicherweise zunehmenden Verkehr durch die geplante Wohnbebauung. Insbesondere der Knotenpunkt Oppelner/Pommernstraße stand im Fokus.

Auf dem Gelände sollen 91 Wohnungen und zwölf Reihenhäuser entstehen, außerdem eine Sparkassenfiliale und weitere Dienstleistungsflächen an der Oppelner Straße. Die vorhandenen Gebäude müssen dazu vollständig abgebrochen werden. Wie viele Parkplätze die Planer für Reihenhäuser oder Geschosswohnungen vorgesehen hätten und welche Auswirkungen auf den Verkehr zu erwarten seien, wollten einige Tannenbuscher wissen. Dass Nachverdichtung für ihn kein Schimpfwort sei, gab Michael Isselmann als Leiter des Stadtplanungsamtes nicht nur zu, sondern bestätigte es ausdrücklich: „Dazu sind wir sogar gesetzlich verpflichtet“, erwiderte er. Es sei die Aufgabe seiner Behörde, Planungen vorzulegen, wie man der Wohnungsknappheit begegnen könne, ohne wertvolle Freiflächen außerhalb geschlossener Bebauungsareale zu opfern.

Für ein intensives Interesse der Anwohner an dem Gelände im Herzen des Ortsteils sprach neben der hohen Beteiligung auch der klare Wunsch nach einem baldigen Abriss des ehemaligen Möbelhauses: Die Ankündigung von Martin Kliem als Vertreter der Deutschen Reihenhaus AG – neben ProBonnum GmbH einer der beiden Eigentümer des Geländes – nun zügig die Abrissgenehmigung einholen zu wollen und das Gebäude spätestens im kommenden Frühjahr niederzulegen, wurde mit Applaus bedacht. Die Deutsche Reihenhaus AG hatte Ende 2016 das Gelände gekauft. In Abstimmung mit der ProBonnum, die für die Sparkasse Köln-Bonn tätig ist, hat das Unternehmen im Mai 2017 einen städtebaulichen Wettbewerb ausgelobt.

Anhand von Stellwänden und fachlichen Erläuterungen über die Pläne des Siegerentwurfs hatten die Besucher Gelegenheit, sich bereits vor Beginn der Podiumsveranstaltung zu informieren. Neben der Kritik am Verkehr bemängelten einige Teilnehmer die ihrer Meinung nach zu hohe Bebauung im Süden. Alle Anregungen wurden protokolliert und sollen nun in den neuen Bebauungsplan einfließen, mit dessen Umsetzung die Stadt zügig beginnen will. Die ersten Wohnungen sollen Ende 2020 bezugsfertig sein.

Die Pläne liegen bis 21. November im Stadtplanungsamt im Stadthaus in Etage 8 C aus. Es gibt sie auch unter www.bonn.de/@6223-2

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