GA-Serie "Bonner Kopf": Andrew Triebe: Mittler zwischen Kunst und Kommerz

GA-Serie "Bonner Kopf": Andrew Triebe : Mittler zwischen Kunst und Kommerz

Andrew Triebe organisiert die Messe „Strich & Faden“. In seinem Geschäft in der Altstadt bietet er Produkte Bonner Designer an.

Aus einem kleinen Lautsprecher ertönt blechern „Empire State of Mine“. Alicia Keys singt darin von New York, der Weltstadt, in der Träume wahr werden. Einen Meter weiter, auf den T-Shirts an einem der vielen Kleiderständer, sind untereinander die Städtenamen Paris, London, Tokyo zu lesen. Und Bonn. In diesem Moment, in einem 50-Quadratmeter-Laden der Altstadt, kann Bonn sich mit den Großen messen.

Hier hat Andrew Triebe vor zwei Jahren sein Geschäft eröffnet, das Kleidung, Schmuck, Essen und Einrichtungsgegenstände von Bonner Künstlern und Designern verkauft. Nur an einer Wand hat er Dinge ausgestellt, die von außerhalb kommen.

„Weil mir manches einfach so gut gefällt, dass ich es anderen zeigen will.“ Mehr als zehn Prozent am Gesamtbestand dürften die Waren aber nicht einnehmen. „Denn ich will hier die lokale Szene unterstützen und Machern eine Plattform bieten.“

Der 36-Jährige ist Idealist – aber mit dem Wissen, dass eine gewisse Kommerzialität nötig ist, um sich auf dem Markt zu behaupten. Er trägt Vollbart, der Schritt seiner dunklen Jeans hängt auf Höhe der Kniekehlen.

Wenn seine Eltern hier wären, sie würden wohl sagen, dass er die Hose hochziehen soll. Die Kappe, die er sonst immer trägt, hat er für den Fototermin ausgezogen. Er wuschelt mit der Hand durch die platt gedrückten aschblonden Haare. „Toll“, murmelt Triebe, der durch den locker umgeworfenen grauen Schal wie ein junger Skater wirkt, der erwachsen geworden ist.

Bis er elf Jahre alt war, lebte er in Saudi-Arabien, zog dann mit seinen Eltern nach Weeze am Niederrhein und machte eine Ausbildung als Mediengestalter. „Irgendwann wurde es mir zu eng.“ Es folgten Jobs in Düsseldorf und Köln, schließlich landete er 2002 in Bonn, wo er viele Jahre für ein großes Modehaus in der Kreativabteilung arbeitete.

Zu dieser Zeit hatte er schon viele Aufträge als Selbstständiger, entwarf Logos, Plakate und Internetseiten. „Ich lernte schnell viele Künstler in Bonn kennen und baute ein Netzwerk auf“, erzählt er. Ein Problem begegnete ihm immer wieder: Die Kreativen konnten ihre Produkte nicht vermarkten.

Zwar gab es große Messen in der Umgebung, die auch Tausende potenzielle Kunden lockten. „Die Standmiete von 300 bis 400 Euro ist aber gerade in der Anfangsphase viel Geld.“ Mit Bekannten organisierte er 2015 die erste eigene Designmesse „Strich & Faden“. Das Konzept mit kostenlosem Eintritt und Standgeldern um die 40 Euro hatte Erfolg. Aus elf Ausstellern sind mittlerweile 24 geworden.

Zum Wendepunkt seines Berufslebens wurde dann eine Aussage seiner Frau. „Sie meinte, ob ich mich damit nicht komplett selbstständig machen wollte, auch im Hinblick auf die Geburt unseres Sohnes.“ Danach ging es ganz schnell. In der Nachbarschaft in der Breite Straße zog ein Hochzeitsausstatter aus, dessen Laden Triebe übernehmen konnte. Zunächst teilte er den Raum in der Mitte, um neben der Auslage auch Platz für eine Bürogemeinschaft zu haben, damit er nicht die kompletten Mietkosten zahlen musste.

Doch der Umsatz steigt. Zwei Mitarbeiter unterstützen ihn jetzt. Die Büros, in denen er auch selbst noch als Mediengestalter für seine Werbeagentur arbeitet, sind in die erste Etage gezogen. „Ging nicht anders, 40 Künstler und Designer bieten jetzt ihre Produkte an.“

Früher musste Triebe um sie werben, heute stellen sie sich von alleine vor. Sie machen Bonner Fotos, die auf Holzklötze gedruckt sind. Shirts mit dem zierlich geschnörkelten Schriftzug „Die Rheinländerin“; bunte Ohrringe, die aus abgeplatzten und geschliffenen Bonner Graffitis bestehen. In das Sortiment nimmt er nicht alles auf. „Meist, weil es nicht kommerziell genug ist und sich eher für ein Museum eignet.“ Wie die geschweißten Skulpturen aus alten Einkaufswagen.

Bald will Andrew Triebe sein Geschäft umbenennen und sich noch mehr auf Lokales konzentrieren. Aus „Schni!“, das für schnieke steht, wird „Love your Local“. Die nächste Idee für eine Marke hat er auch schon. „53ONN“ könnte als Schriftzug gut bei den Kunden ankommen. „Wichtig ist, dass man die Ideen umsetzt, sonst bleiben es nur Ideen.“ Vor zwei Jahren hat er mal gesagt, dass hinter Paris, London, Tokyo und Bonn irgendwann New York kommen könnte. Die Chancen dafür stehen gut.

Die Messe „Strich & Faden“ ist am Samstag, 25. November, von 11 bis 18 Uhr in der Fabrik 45, Hochstadenring 45, geöffnet. Der Eintritt ist frei.