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Blitzmarathon in Bonn: Mittags macht der Blitzer schlapp

Blitzmarathon in Bonn : Mittags macht der Blitzer schlapp

Donnerstagmorgen funktionierte das Blitzgerät noch, mittags an der Bundesstraße 56 in Beuel nicht mehr. Ein technischer Defekt war der Grund für die Panne. Es gab aber noch sieben weitere Stellen, an denen die Polizei beim Blitzmarathon Verkehrsteilnehmer kontrollierte.

Bei der achten Auflage hatten die Beamten der Bonner Polizeidirektion "schwierige Verkehrspunkte für Radfahrer" ausgesucht, sagte Polizeihauptkommissar Alexander Neuhaus. Insgesamt 15 Vorschläge gab es, für die die Bürger im Internet zehn Tage lang abstimmen konnten. Die Beteiligung war gering: Nur 64 Teilnehmer machten mit, insgesamt riefen die Internetseite rund 2600 Menschen auf. "Warum nicht mehr abstimmten, können wir nicht sagen", so Polizeisprecherin Ruth Braun. Es hätten sich aber viele Bürger per Telefon oder in persönlichen Gesprächen zu den Messstellen geäußert. Landesweit gab es 2600 Blitzer, insgesamt wurden 10 000 Stimmen abgegeben.

"Die Messpunkte waren von vornherein so ausgewählt, weil sie für Radfahrer neuralgischen Stellen darstellen", sagte Alexander Neuhaus. Darunter waren unter anderem die Adenauerallee, die Endenicher Straße und die Dollendorfer Straße in Oberpleis. Auf der Sankt Augustiner Straße (B 56) gilt Tempo 50, auf zwei Fahrspuren müssen sich Radler, Straßenbahn, Autos und Lastwagen zurechtfinden. "Gefährlich ist hier, dass die Radfahrer von einem abgetrennten Radweg auf die Straße wechseln müssen", erklärte Neuhaus. Da werde es nicht nur im Berufsverkehr eng. Im Idealfall gäbe es für die Fahrräder einen "baulich abgesetzten Radweg". "Das ist aber immer eine Konsenssache", so Neuhaus. Eine Straßensanierung koste viel Geld, zudem würde der Verkehrsfluss beeinträchtigt, weil auf der B 56 schlichtweg nicht genug Platz sei. "Dann wäre es wie auf der Kennedybrücke, dass es nur noch eine Spur für Autos gibt."

Der Streckenabschnitt ist kein Unfallschwerpunkt, trotzdem wählten ihn die Beamten aus, um präventiv tätig zu werden. In der jährlichen Unfallstatistik ist die Zahl der schweren Verkehrsunfälle mit verletzten Personen in Bonn um elf Prozent zurückgegangen, im Gegenzug sind die Unfälle mit Radfahrern gestiegen. "Gerade dabei machen schon geringe Tempoüberschreitungen viel aus", begründet Neuhaus den Radlerschwerpunkt. Nicht nur die Verletzungen seien schwerer, sondern auch die Zeit, in der Autofahrer auf brenzlige Situationen reagieren könnten, verringere sich. Durch das Blitzen, die mediale Präsenz und "verkehrsdidaktische Gespräche", die die Polizisten mit den Autofahrern führten, erhoffe sich die Polizei mehr Rücksicht im Straßenverkehr.

Radfahrer Frank Bertzen, der gestern Mittag auf der B 56 Richtung Innenstadt unterwegs war, bezweifelte, dass diese Maßnahmen den gewünschten Effekt brächten. Echte Sicherheit würde nur ein abgetrennter Radweg bringen. Er empfand die Verkehrssituation aber auch nicht als gefährlich. "Auf dem Fahrrad ist man immer der Schwächere, da muss man den gesamten Verkehr im Blick haben", sagte er.