Kommentar zur Verkehrssicherheit: Mit Regeln und Rücksicht

Kommentar zur Verkehrssicherheit : Mit Regeln und Rücksicht

Unfälle mit Radfahrern häufen sich. 2016 sind in Bonn so viele Radler verunglückt wie nie zuvor.

Wer bremst, hat verloren. Nach diesem Motto scheinen viele Radfahrer auf den Straßen, Plätzen, Fußwegen und in den Parks der Stadt unterwegs zu sein – und das gilt beileibe nicht nur für berufsbedingt rasende Fahrradboten. Schon erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit manche Leute mit ihren Rädern an einer roten Ampel von der Fahrbahn auf das Trottoir ziehen und über die Fußgängerfurt brettern, als gäbe es kein Morgen. Wie formuliert es der Bonner Polizist Alberto Copolla so schön: „Anhalten ist unpraktisch.“

Überflüssig zu betonen, dass Radfahrer ebenso verpflichtet sind, die Verkehrsregeln zu akzeptieren, wie es Kraftfahrer sind. Unter denen, das ist die andere Seite, gibt es allerdings auch genügend schwarze Schafe, die durch ihre Rücksichtslosigkeit die Radler bedrängen und in Gefahr bringen. Und die werden, anders als Autofahrer, durch keine Knautschzone geschützt.

Die Rekordzahl von 115 schwer verletzten Radfahrern im vergangenen Jahr ist ein echtes Alarmsignal – ganz egal, wer im Einzelfall den Unfall verschuldet hat. Möglicherweise könnte die Stadt Bonn mehr für die Verkehrssicherheit tun, indem sie Radwege und -spuren stärker ausbaut (und besser in Schuss hält). Wirksamen Schutz bieten aber nur kreuzungsfreie Radschnellwege, die von der Bundesregierung neuerdings verstärkt gefördert werden sollen. In Bonn wird es sie jedoch aus räumlichen und finanziellen Gründen wohl auf absehbare Zeit nicht geben.

Bleibt also nur eins – gegenseitige Rücksichtnahme. Dass das funktioniert, sieht man auf der Viktoriabrücke. Dort teilen sich Fußgänger und Passanten während der Bauarbeiten den verbreiterten Fußweg. Am Anfang hatte die Radler-Lobby noch protestiert, weil die Stadt die verengten Fahrspuren den Autos überlassen und die Radfahrer „verdrängt“ habe. Jetzt zeigt sich: Es läuft besser als vorher.

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