Musikwissenschaftler der Universität Bonn: Mit "Pop-Formeln" zum Nummer-eins-Hit

Musikwissenschaftler der Universität Bonn : Mit "Pop-Formeln" zum Nummer-eins-Hit

Manche haben es schon immer geahnt: Ob ein Pop-Song zum weltweiten Hit wird, lässt sich am Reißbrett konstruieren. Nachgewiesen hat das jetzt der Musikwissenschaftler Volkmar Kramarz von der Universität Bonn.

Er hat erfolgreiche Popsongs musiktheoretisch analysiert - darunter die Jahres-Nummer-Eins-Singles in Deutschland und Großbritannien sowie alle Siegerstücke des "Eurovision Song Contest" (ESC) der Jahre 2007 bis 2013. Der Experte fand heraus: Die weitaus meisten erfolgreichen Hits beruhen im Kern auf jeweils nur einer von drei Akkordfolgen, die Kramarz "Pop-Formeln" nennt.

Kramarz wollte aber auch experimentell beweisen, woran das liegt. Deshalb rief er die Bonner Kollegen von der Abteilung "Differentielle und Biologische Psychologie" der Uni mit ihrem Magnetresonanztomografen (MRT) zu Hilfe. 40 Probanden - der jüngste Popmusik-affine 20, der älteste immerhin 72 Jahre alt - ließ Kramarz im Hirnscanner durchleuchten, während er ihnen selbstkomponierte Musikstücke vorspielte: Teilweise enthielten sie die "Pop-Formeln" im Original, teilweise verfremdet im schrägen Stil zeitgenössisch-elitärer, aber nicht hitparadentauglicher Tonsetzer wie Karlheinz Stockhausen.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Musik, die auf "Pop-Formeln" aufbaut, regt im Denkorgan Bereiche an, die für "besonderes Wohlgefühl" zuständig sind. Auch das "Belohnungssystem" wird aktiv - eine Hirnregion, die uns anstachelt, Dinge, die wir schön finden, auf der Stelle zu kaufen. "Originell" und "lukrativ" sind also nicht dasselbe. Schade eigentlich. Aber das kannten wir ja auch schon von außerhalb der Musik.

Mehr von GA BONN