Kommentar zum Bäderkonzept: Mit Mut zum Risiko

Kommentar zum Bäderkonzept : Mit Mut zum Risiko

Bei den Bonner Bädern weiter wursteln wie bisher oder einen Neuanfang wagen? Die Entscheidung des Stadtrats dazu ist gefallen, und sie ist richtungsweisend. Allerdings war sie auch eine schwere Geburt.

Das hat speziell in Bonn seine Gründe, die namentlich beim WCCB, der Beethovenhalle und dem Haus der Bildung zu suchen sind, die finanziell aus dem Ruder liefen, teilweise schon vor Baubeginn. Wer schon mal derart auf die Nase gefallen ist, mag für die Zukunft nicht mehr die Katze im Sack kaufen und Blankoschecks verteilen. Das ist verständlich. Im Rat sitzen viele gebrannte Kinder.

Aber es nützt nichts, man muss sich auch irgendwann bewegen. Die Entscheidung für ein neues Zentralbad und das Aus für zwei alte Badeanstalten beendet eine nervenzehrende Diskussion. Sie erforderte auch Mut, denn keiner weiß, ob hier nicht wieder ein Projekt in den Sand gesetzt wird. Skepsis ist angebracht, Hoffnung nötig.

Lieber ein modernes Bad als zwei marode

Wer sich allerdings schon beim Grundsatzbeschluss hinstellt und alle Kosten, Lasten, Betriebskonzepte und Nachnutzungen wissen will, vergisst: Hätte man sich stattdessen entschlossen, die alten Bäder zu sanieren, wäre das Risiko nicht minder groß gewesen. Schließlich weiß man auch da nie, ob die Kosten nicht explodieren und sich am Ende eine Wundertüte auftut. Es wäre nicht unwahrscheinlich, dass unter der Hülle der alten Bäder noch etliche Überraschungen warten.

Aus Sicht vieler Bürger, die heute einen Bogen um die alten Hündchen aus den 60er Jahren machen, hat der Stadtrat eine gute Entscheidung getroffen. Lieber ein modernes Bad als zwei marode. Das heißt: Neubau anstelle von Sanierung birgt neben Risiken auch Chancen. Der Beschluss des Rates war dazu erst der Anfang, nicht das Ende.

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