Sperrung im Hauptgebäude: Mit dem Pendelbus zu Vorlesungen der Universität Bonn

Sperrung im Hauptgebäude : Mit dem Pendelbus zu Vorlesungen der Universität Bonn

Mehrere hundert Studenten und Dozenten der Universität Bonn müssen umziehen. Weil ihre Räume im Uni-Hauptgebäude mit sofortiger Wirkung gesperrt wurden, finden ihre Veranstaltungen an der Römerstraße statt. Dabei hätte der Lehrbetrieb wohl bis Februar weitergehen können.

Es ist ein Angebot, das bei manchen Studenten Appetit auf mehr machen könnte – besonders bei solchen, deren Fächerwahl zu weiten Wegen durch Bonn zwingt. Jene Busse, die derzeit vor dem früheren Sekretariat auf Fahrgäste warten, stellen indessen eindeutig eine Notlösung dar: Weil das Dachgeschoss des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses kurzfristig gesperrt werden musste, hat die Universität einen Pendelverkehr in die Ausweichquartiere eingerichtet. Die befinden sich im Bonner Norden, Römerstraße 164 lautet das Fahrtziel. Soweit in den vergangenen Tagen zu beobachten, fügen sich die Studenten klaglos – und zwangsläufig – der Situation.

Betroffen von der Sperrung sind fast 100 Räume, 150 Beschäftigte und mehr als 400 Studenten der geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Uni-Mitarbeiter sollen – soweit möglich – auf Heimarbeit umsteigen können. Wie berichtet, sind es die Anforderungen an den Brandschutz, mit denen der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW die drastische Maßnahme begründet hat. Zwar stand die Räumung für die nächsten Monate ohnehin auf der Agenda. Rund 200 Lehrveranstaltungen pro Woche sollten bis zum Semesterende – eigentlich – noch in den nun gesperrten Räumen stattfinden. Wenige Tage vor Weihnachten aber galt dies plötzlich nicht mehr: Nicht erst wie geplant nach dem Sommersemester, sondern unverzüglich müsse das Dachgeschoss geräumt werden, bestimmte der BLB.

Dass beispielsweise Decken und Wände nicht die nötige Feuerbeständigkeit aufwiesen, ließ für Elisabeth Wallrath, Leiterin der zuständigen BLB-Niederlassung in Köln, nur einen Schluss zu: „Eine weitere Nutzung des Dachgeschosses ist nicht zu verantworten. Vor allem geht es beim Brandschutz um die Sicherheit von Menschen. Das hat oberste Priorität!“, sagt sie. Die zweiwöchige Frist zwischen Information an die Uni und Umsetzung nennt ihre Behörde einen „frühzeitigen Hinweis“.

Ausschlaggebend für die Entscheidung waren die Bewertungen der internen Bauaufsicht des BLB und eines externen Sachverständigenbüros. Überdies beruft sich der BLB auf „mehrere Begehungen mit der Bonner Feuerwehr“. Die, so wird hingegen im Umfeld der Uni gemunkelt, habe die Räumung als nicht ganz so dringlich bewertet. „Der BLB sah dringenderen Räumungsbedarf als die Bonner Feuerwehr“, erklärt etwa der AStA – eine Darstellung, die die Stadt Bonn auf Nachfrage bestätigt: Am 22. Dezember sei die Feuerwehr vom BLB noch für denselben Tag zu einer Ortsbegehung gebeten worden und habe wegen des Einbaus einer Brandmeldeanlage die Situation als verbessert eingeschätzt, teilt die Stadtverwaltung auf Nachfrage mit. Markus Schmitz vom Presseamt: „Die Feuerwehr ist deshalb zu der Einschätzung gekommen, dass ein Weiterbetrieb bis zum geplanten Freizug der Etagen vertretbar ist. Dies wurde beim Termin auch so mitgeteilt. Man war beim Termin zwischen allen Beteiligten so verblieben, dass einschließlich der kurzfristigen Nachrüstung von Sicherheitsbeleuchtung so verfahren wird. Der Stadt Bonn liegen keine Informationen vor, warum im Anschluss dennoch die sofortige Einstellung der Nutzung erfolgt ist.“

Während die Verwunderung der Feuerwehr kaum zu überhören ist, wird die Einhaltung der Sperrung offenbar rigoros überwacht: „Die Räume sind mittlerweile verschlossen und nur noch in Ausnahmefällen in Begleitung des Uni-Sicherheitsdienstes betretbar – etwa um persönliche Dinge aus den geschlossenen Büros zu holen“, erklärt Uni-Sprecher Andreas Archut. Sollte doch ein Raum dringend für den Unibetrieb benötigt werden, bedürfe es einer befristeten Zustimmung des BLB.

Mehr Glück als die Angehörigen der philosophischen Fakultät hatten übrigens die beiden theologischen Fakultäten: Sie fanden in anderen Räumen innerhalb des Hauptgebäudes Unterschlupf.