Kommentar zum Kirschblütenfest: Misstöne ausräumen

Kommentar zum Kirschblütenfest : Misstöne ausräumen

Die Bezirksvertretung Bonn hat am Dienstagabend einen verkaufsoffenen Sonntag zum Kirschblütenfest abgelehnt. Akteure und Verwaltung sollen jedoch zu Gesprächen an einen Tisch geholt werden.

Seit Jahren macht die Kirschblüte in der Bonner Altstadt von sich Reden. Freilich auch mit Misstönen. Drei Wochen lang werden die Anwohner von zehntausenden Schaulustigen förmlich überrannt. Touristenbusse schieben sich durch die engen Straßen. Müll, Verkehr und Lärm bis spät in die Nacht sind eine Zumutung – wenn die Kirschblüte nicht so schön wäre und man sie nicht allen gönnen würde. Die Altstadt spricht ihre ihre eigene, weltoffene Sprache. Leider aber nicht immer mit einer Stimme.

Ein anderer Misston klingt in dem Vorwurf der Kommerzialisierung. Der Versuch, ein zentrales Kirschblütenfest professionell organisieren zu lassen, scheiterte nach dem ersten Mal an diesem Einwand. Dass Geschäftsleute von dem Menschenansturm profitieren möchten, ist selbstverständlich. So viele potenzielle Kunden kommen den Rest des ganzen Jahres nicht.

Dass es aus rechtlichen Gründen keinen verkaufsoffenen Sonntag geben kann, ist einzusehen. Vielleicht klappt es 2020 mit einer neuen „Konsensvereinbarung“. Seitens der Verwaltung aber damit zu argumentieren, dass eine Sonntagöffnung die Infrastruktur der Altstadt während der Kirschblüte überfordern würde, hat einen Zungenschlag von Ironie.

Wer profitiert eigentlich von der Kirschblüte? Der sollte auch Geld in die Hand nehmen, beispielsweise für die dringend benötigten mobilen Toiletten oder für mehr Sitzbänke. Die Stadt Bonn wirbt mit der Kirschblüte als Imagefaktor. Mit einer Unterstützung hält sie sich bedeckt. Die Tourismus und Congress GmbH bewirbt das Naturereignis auf großen Reisebörsen und verschärft im asiatischen Raum. Da muss doch sofort auch einmal über eine finanzielle Unterstützung vor Ort gesprochen werden.

Die Initiative der Bezirksbürgermeisterin, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, ist ein behutsamer Schritt, Dissonanzen auszuräumen.

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