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Missbrauch am Ako in Bad Godesberg: Kritik an Leitung des Aloisiuskollegs

Opfergruppe erhebt Vorwürfe : Wie läuft die Aufarbeitung zehn Jahre nach Missbrauch am Ako?

Im Januar 2010 wurden Missbrauchsfälle am Aloisiuskolleg (Ako) in Bad Godesberg öffentlich. Zehn Jahre später gibt es geteilte Meinungen zur Aufarbeitung. Die Opfergruppe Eckiger Tisch kritisiert die Ako-Leitung.

Genau zehn Jahre ist es her, dass der Missbrauchsskandal vom Berliner Canisiuskolleg der Jesuiten auf seine Bonner Partnerschule, das Aloisiuskolleg (Ako), überschwappte und dass alsbald Dutzende ehemalige Schüler ihre seit den 1950er Jahren erlittenen, auch strafrechtlich relevanten Gewalterfahrungen öffentlich machten. Zwei Rektoren- und Schulleiterwechsel, zwei Aufklärungsberichte und zwei Ako-Präventionsleitfäden später gegehen die Bewertungen des aktuellen Ako-Leitungsteams sowie des Vorstands der Opfergruppe Eckiger Tisch Bonn weit auseinander.

Das Ako stelle sich konsequent seiner auch von Machtmissbrauch geprägten Vergangenheit und ziehe die nötigen Konsequenzen, und zwar in Verantwortung auch für die aktuellen Schüler und Mitarbeiter auf möglichst unaufgeregte Weise, sagt Rektor Pater Martin Löwenstein. Ein fester Verhaltenscodex sei installiert. Alle Beschäftigten müssten sich regelmäßig entsprechend fortbilden. „Hilfekonferenzen“ behandelten jegliche Problemfälle im Schulalltag.

Und über den neuen Präventionsleitfaden sei man im Austausch mit allen Schülern und Eltern, erläutern Schulleiter Walter Odekerken, Internatsleiter Torsten Liebscher und die Kinderschutzbeauftragte Annalena Scholz im Detail. „Die Grundsätze, die Persönlichkeit der Schüler zu stärken, Grenzen zu achten und keine Gewalt zu dulden, sind fest in unserem pädagogischen Alltag installiert“, sagt Pater Löwenstein. Wobei der Rektor, der seit 2017 im Amt ist, zugibt, dass dem Kolleg in den letzten zehn Jahren dann doch „verletzende Fehler im Umgang mit Opfern“ unterlaufen seien.

„Ako leistet keine umfassende Aufarbeitung“

10 Jahre nach dem Ako-Missbrauchsskandal (von links): Ako-Rektor Pater Löwenstein, Anna-Lena  Scholz, Torsten Liebscher und Walter Odekerken. Foto: Axel Vogel

Heiko Schnitzler und Christian Brüser vom Eckigen Tisch halten dagegen: „Die letzten zehn Jahre haben uns gezeigt, dass die Jesuiten und das Ako entweder nicht willens oder nicht dazu in der Lage sind, eine umfassende Aufarbeitung zu leisten.“ Das Kolleg habe noch immer nicht die Gründe des jahrzehntelangen Versagens ihrer Institution, eben die den Machtmissbrauch begünstigenden Strukturen, benannt und daraus öffentlich nachvollziehbar Konsequenzen gezogen, betonen die Opfervertreter. „Zudem gingen bislang alle nennenswerten Initiativen zur Aufarbeitung von den Betroffenen und unter Druck der Öffentlichkeit aus.“

Doch für den Präventionsleitfaden von 2019 sei dann noch nicht einmal die Expertise der Betroffenen eingeholt worden. Man fordere auf jeden Fall eine weitere Untersuchung: Denn laufend meldeten sich neue Opfer, die in keinem Bericht erfasst seien. Und das Thema Suizide sei noch gar nicht angepackt worden.

Früherer Ako-Rektor „Vertuscher und Mitwisser“

Zum Dissens trägt auch der Anfang Februar 2010 zurückgetretene Rektor bei. „Warum gab es bislang keine Konsequenzen für den Vertuscher und Mitwisser Pater Theo Schneider?“, fragt Patrick Bauer, der sich als Sprecher des Betroffenenbeirates im Erzbistum Köln und Mitglied beim Eckigen Tisch engagiert. „Dass Pater Theo Schneider, der über Jahrzehnte für viele der Hauptrepräsentant des Kollegs gewesen ist, sich dem öffentlichen Gespräch konsequent bis heute verweigert, ist eine ärgerliche Hürde für jeden Dialog“, sagt Pater Löwenstein dazu. Und wann beende das Ako die Vermietung der vormaligen Internatsvilla Stella Rheni „für Tanz- und Vergnügungsveranstaltungen, eines Orts des hundertfachen Missbrauchs“, fragen Schnitzler und Brüser weiter.

Rektor Pater Löwenstein sagt: „Für die heutigen Schüler brauchen wir Einnahmen aus Immobilien, die nicht mehr selbst genutzt werden, auch wenn für manche, die auf der Stella Gewalt erlebt haben, es schwer erträglich ist, wenn in demselben Haus Feste gefeiert werden.“ Weitere Ziele seien jedoch, erneut in den Dialog zu kommen, sagt Pater Löwenstein, und endlich einen „Erinnerungsort an Gewalttaten durch Jesuiten und Mitarbeiter“ auf dem Ako-Gelände zu installieren, benennen es Schnitzler und Brüser. „Dieser Ort sollte aber nicht nur ein rückwärtsgewandtes Denkmal sein, sondern im Kolleg in ein pädagogisches Konzept eingebettet werden“, wünscht sich der Rektor.