Areal des früheren Autohauses Steinbach & Schäfer: Mikroanleger investieren in Lessenicher Kita

Areal des früheren Autohauses Steinbach & Schäfer : Mikroanleger investieren in Lessenicher Kita

Im August 2018 soll eine dreigruppige Einrichtung an der Bahnhofstraße öffnen. Der Bau hat bereits begonnen. Die Stadt sucht jetzt einen Träger.

An der Bahnhofstraße hat der Bau einer neuen Kindertagesstätte begonnen. Die in Leipzig ansässige Torin Kitas Bonn GmbH errichtet das Gebäude auf dem Gelände des Ex-Autohauses Steinbach & Schäfer. Der Kindergarten soll zum 1. August kommenden Jahres eröffnet werden.

Das Besondere ist die Finanzierung mit einer Gesamtinvestition von rund 1,8 Millionen Euro: 450 000 Euro dieser Summe bringen Privatinvestoren auf. Innerhalb weniger Tage war das Geld beisammen. Das Hamburger Unternehmen Zinsland beschäftigt sich mit solchen sogenannten Crowd-Investitionen schon seit der Gründung im Jahr 2006, es ist die 37. Investition der Online-Plattform. Nach Angaben von Zinsland-Geschäftsführer Carl-Friedrich von Stechow ist diese Form der Geldanlage, bei der Privatinvestoren Beträge ab 500 Euro anlegen können, in der Stadt Bonn allerdings neu.

Dass eine Kita auf diese Art finanziert wird, ist wiederum für Zinsland eine Premiere. Wie Lindemann sagt, ist die dahinter stehende Idee, Bürger auch an öffentlichen, regionalen Projekten zu beteiligen. Nicht nur die Rendite stehe im Vordergrund. In der Regel kämen 40 Prozent der privaten Geldgeber aus der lokalen Umgebung der jeweiligen Investitionsobjekte. Einer, der mit solchen Mikroanlagen Erfahrung gemacht hat, ist der Kölner Raik-Michael Meinshausen: „Das Reizvolle ist, dass man vor Ort investieren kann. Aber Immobiliengeschäfte sind immer auch mit einem Risiko behaftet.“

Lessenich mit hohem Betreuungsbedarf

Das Lessenicher Projekt, das im Zentrum eines Neubauviertels auf rund 1000 Quadratmetern zwischen den Bushaltestellen Lessenich Kapelle und Alter Heerweg umgesetzt wird, soll nach Fertigstellung an die Stadt Bonn weiterverkauft werden. „Bei dem Bauvorhaben für den Kindergarten auf dem Gelände der ehemaligen Firma Steinbach und Schäfer handelt es sich um ein Vorhaben eines Bauträgers/Investors. Die Stadt ist nicht Bauherrin und weder an der Umsetzung des Bauvorhabens noch an der Finanzierung beteiligt“, teilte Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann auf Anfrage mit.

Die Grundlagen für den Bau hat der Stadtrat im Jahr 2013 festgelegt: Die dreigruppige Tageseinrichtung für Ein- bis Sechsjährige soll vor allem die zu erwartenden Zuzüge auf dem Areal auffangen. Dort entstehen 70 Wohneinheiten in zwei- bis dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern und zweigeschossige Einfamilienhäuser. Den Betreuungsbedarf für Lessenich und Duisdorf schätzte die Verwaltung damals schon als hoch ein. Für jede Gruppe sind zwei Nebenräume vorgesehen: ein Ruhe- und ein Pädagogikraum. Zudem wird es einen großen Mehrzweckraum geben, der für den Kindersport und Elternveranstaltungen genutzt wird.

2015 habe der Bauträger, die Paeschke GmbH, die keine Erfahrungen mit dem Bau von Kindergärten habe, das für den Kindergarten vorgesehene Grundstück veräußert, so Hoffmann. Der Jugendhilfeausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, einen künftigen Träger für die Kita an der Bahnhofstraße über ein Interessenbekundungsverfahren zu suchen.

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