Konzert in Bonn: Michael Patrick Kelly trotzt auf KunstRasen dem Regen

Konzert in Bonn : Michael Patrick Kelly trotzt auf KunstRasen dem Regen

Der Regen konnte ihm und den 6000 Zuschauern nichts anhaben: Michael Patrick Kelly begeisterte am Freitagabend seine Fans auf dem KunstRasen in der Bonner Rheinaue.

Die Stille ist bedrückend und befreiend zugleich. Inmitten eines Rockkonzerts kann eine Minute des Schweigens schon lang wirken – und doch legt Michael Patrick Kelly auf diese kleine Zeitspanne ganz besonders großen Wert. Der Musiker, der auf dem KunstRasen dem Dauerregen trotzt und ihm mit leidenschaftlichem und zugleich kreativem Pop begegnet, will das Publikum zumindest für einen Moment herausnehmen aus dem Partystreben und ein kollektives Zeichen für Frieden setzen.

Mit dem Schlagen einer Glocke aus alten Kriegswaffen von der Schlacht um Verdun läutet er zum Innehalten, und 6000 Zuschauer folgen seinem Beispiel. 60 Sekunden muss es auch mal ohne Johlen und Jubeln gehen, ohne die Titel von Kellys aktuellem Album „iD“, während auf der Bühne die Rampensau endgültig zum Prediger mutiert und daran erinnert, dass in den beiden Weltkriegen Glocken eingeschmolzen und zu Kanonen verarbeitet wurden. Der 41-Jährige kehrt das um, hat in Anlehnung an die alttestamentarische Forderung „Schwerter zu Pflugscharen“ Gewehre zur 300 Kilo schweren Peace Bell verwandelt und dafür gesorgt, dass die Gronau den Atem anhält. Eine bewegende Geste. Und eine, die eindrucksvoll zeigt, dass Kelly durchaus etwas zu sagen hat. Mit Pop und ohne.

Dabei ist auch der Rest des mehr als zweistündigen Konzerts von Botschaften durchdrungen. Häufig geht es in Kellys Liedern um Gott, Liebe und Hoffnung – kein Wunder angesichts eines Künstlers, der beinahe für den Rest seines Lebens im Kloster geblieben wäre. Doch die Musik liegt ihm nun einmal im Blut, und auch wenn „Paddy“ nicht mehr gemeinsam mit der Kelly Family auftritt, deren Gesicht und später auch musikalischer Leiter er vor einem Vierteljahrhundert war, so kann er seine Vergangenheit nicht leugnen. Viele im Publikum kennen und lieben ihn schließlich noch aus genau jener Zeit, als er inbrünstig „An Angel“ sang und mit seinen langen Locken als Teenieschwarm galt.

Kelly liefert musikalisch ab

Den Balladen und Hymnen ist er denn auch zum Teil treu geblieben. Dazwischen tummeln sich aber etliche Gute-Laune-Stücke mit ordentlichem Drive: Schon der Opener „Lazarus“ hat ganz schön Kraft, später bekennt er sich sogar lyrisch zur Rückkehr zum Rock 'n' Roll. Gut, letzteren hat er zuvor nie gelebt, so dass man diese Aufforderung ebenso wenig ernst nehmen kann wie so manche andere Phrase, die sich zwischen den Halleluja-Gesängen verbergen. Andererseits liefert Kelly zumindest musikalisch ab, mäandert mal in Richtung Indie-Pop, groovt bei „A Little Faith“ mit eindeutigen Deep-Purple-Bass-Zitaten und greift in „iD“ auf Reggae-Rhythmen zurück. Dazu kommt mit Johannes Oerdings „Heimat“ ein deutscher Song, den Kelly mit Blick auf die jüngste Staffel von „Sing meinen Song“ noch einmal interpretiert.

Das Publikum nimmt all diese Lieder begeistert auf, zumal Kelly immer wieder auf die Menge ein- und auf sie zugeht, sie aus dem Regen auf die Bühne holt, Hände schüttelt und alles versucht, damit das Wetter nicht zu sehr aufs Gemüt schlägt. "Ich wollte ja sagen, ihr seid wie die Iren, aber eigentlich seid ihr einfach nur irre. Ihr habt mich einfach geflasht", lobt er angesichts der klatschnassen, aber ausgelassenen Menge. Die wiederum bedankt sich bei einem Pop-Künstler, der sich als überaus vielseitig erweist und trotz mancher pathetischer Verse mit seiner Friedensbotschaft und seiner Energie die Menschen zu berühren versteht.

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