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Verein für Gefährdetenhilfe: Mehr Lebensbetreuung vonnöten

Verein für Gefährdetenhilfe : Mehr Lebensbetreuung vonnöten

Der Bonner Verein für Gefährdetenhilfe verstärkt ambulant betreutes Wohnen. Derzeit 39 Kunden in Bonn: Job- oder Partnerverlust, eigene Erkrankungen, Schulden, Suchtprobleme oder eine Mischung davon werfen immer wieder Menschen aus der Bahn.

"Oft sieht man das nach außen gar nicht", sagt Tobias Christli. Der Sozialarbeiter hat etwa den Fall einer älteren Frau vor Augen, die in einem medizinischen Beruf tätig war. Doch ihr Privatleben lag längst in Trümmern, und die Wohnung war stark verwahrlost. "Die Welt wird immer komplexer. Damit wächst leider auch die Zahl derjenigen, die damit nicht Schritt halten."

Christlis Arbeitgeber, der Bonner Verein für Gefährdetenhilfe (VfG), hat deshalb sein seit zwei Jahren bestehendes Angebot für ambulant betreutes Wohnen für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten aufgestockt. Von neuen Räumen an der Endenicher Allee 130 aus betreuen Christli und vier Kolleginnen seit Anfang März 39 Kunden in der Stadt.

Die Kosten dafür übernimmt fallweise der Landschaftsverband Rheinland. "Unser Ziel ist es, die Kunden so lange zu betreuen, bis sie wieder eigenständig leben können", erklärt VfG-Geschäftsführerin Nenny Grunwald. Dabei sei es unerheblich, ob die Menschen aus einer stationären Betreuung kämen oder von anderen Sozialberatungsstellen vermittelt würden.

Bis zu zwei Stunden pro Woche suchen Sozialarbeiter ihre Kunden auf, schaffen Ordnung und helfen beim Aufbau eines festen Tagesablaufs. Auch bei Arztbesuchen oder Behördengängen begleiten sie, damit die Kunden ihre Interessen besser artikulieren können.

"Das Besondere sind die viele Zeit, die wir uns nehmen können, und die langfristige Perspektive", sagt Christli. So wird die Betreuung meist für ein Jahr bewilligt und oft auch verlängert. Die Betroffenen bewahrt das im Zweifelsfall vor Räumungsklagen, Obdachlosigkeit oder einer stationären Behandlung. Auch Menschen, die zeitweise obdachlos waren, gehören zur Klientel.

Die Fälle seien sehr unterschiedlich. So kann die Unterstützung von der Anleitung beim Wäschewaschen bis zur Jobsuche und zur Vermittlung geeigneter therapeutischer Angebote reichen. Dem LVR spart es viel Geld für stationäre Versorgung. Ob die ambulante Betreuung die Kunden dauerhaft fit für den Alltag macht, vermögen die VfG-Mitarbeiter indes nicht zu sagen. "Man sieht sie danach ja meist nicht wieder", erklärt Grunwald. Wiederholer gebe es fast nie. Die Warteliste für das Angebot dagegen sei lang.