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Stadtwerke planen neue Ladepunkte: Mehr Ladesäulen für Elektroautos in Bonner Parkhäusern

Stadtwerke planen neue Ladepunkte : Mehr Ladesäulen für Elektroautos in Bonner Parkhäusern

Die Bonner Stadtwerke planen in Bonn weitere Strom-Tankstellen für Elektroautos. Aktuell betreiben die Stadtwerke 75 öffentliche Ladesäulen in Bonn. Doch reicht das für die Zukunft?

Milde Winter, trockene Sommer, Fridays for Future und das Pariser Abkommen: Die Klimadebatte ist nicht nur in aller Munde, sondern auch sichtbar auf den Straßen. Der Umstieg vom Diesel oder Benziner auf ein emissionsfreies Auto ist gerade so in Mode wie noch nie – auch weil die Bundesregierung den Absatz von schadstofffreien Fahrzeugen mit Kaufprämien fördert. Doch ist in Bonn die Infrastruktur für einen Umstieg auf Strom überhaupt gegeben? Können die Bonner an öffentlichen Parkplätzen in der Beethovenstadt ihre E-Autos aufladen?

Allein die Bonner City Parkraum GmbH (BCP), ein Tochterunternehmen der Stadtwerke, stellt gemeinsam mit städtischen Geschäften zurzeit sieben Parkhäuser. Mit der Unigarage, dem Parkhaus Rabinstraße und der Bahnhofgarage sollen noch dieses Jahr drei weitere öffnen. „Die drei neuen Parkhäuser werden mit Ladesäulen für E-Autos ausgerüstet“, teilt Veronika John, stellvertretende Pressesprecherin der Stadtwerke mit. So sollen in der Unigarage zehn, in der Rabinstraße vier und in der Bahnhofgarage drei Ladepunkte entstehen. Aktuell betreiben die Stadtwerke 75 öffentliche Ladesäulen in Bonn.

In den Parkgaragen der BCP können zurzeit acht Ladepunkte genutzt werden. Vier Sogenannte „Wallboxen“ gibt es in der Marktgarage im dritten Untergeschoss. Jeweils zwei Ladesäulen sind im Parkhaus des Stadthauses und in der Beethoven-Tiefgarage nutzbar. Beide Ladestationen befinden sich nahe den Ausfahrten. Bisher konnten die Säulen die Nachfrage decken, wie John sagt. „Die Auslastung der Ladestationen in den Parkhäusern der BCP entspricht etwa der durchschnittlichen Auslastung unserer gesamten öffentlichen Ladeinfrastruktur.“

Zusätzliche Pauschale

Doch reicht das für die Zukunft? Die Zahlen des Kraftfahrzeug-Bundesamtes (KBA) alarmieren: Bundesweit wurden im Januar genau 7492 Elektro-Autos zugelassen. Das waren 1744 mehr als im Dezember (5748). Darüber hinaus verzeichnete das KBA im Januar 30 805 Zulassungen für Hybrid-Fahrzeuge. Im Vergleich zum Januar 2019 entspricht das einem Plus von 103,1 Prozent. Darunter waren auch 8639 Plug-in-Hybride.

Professor Roman Suthold vom ADAC bereitet dieser Trend Sorgen. „In der Stadt sind Ladesäulen gut erreichbar. Im ländlichen Raum stellen wir hingegen fest, dass nur wenig bis gar keine Infrastruktur gegeben ist“, so der Fachbereichsleiter für Verkehr und Umwelt. „Dadurch, dass die Marktdynamik so zunimmt, wird sich die Situation in den nächsten Monaten verschärfen“. Im Moment sei die Netzabdeckung in der Stadt noch gegeben, aber zu Stoßzeiten seien attraktive Standorte durchgehend belegt, berichtet Suthold. „Das beobachte ich auch.“ So müssten Autofahrer an Ladestationen gerade samstags mit langen Wartezeiten rechnen, so der Mobilitätsexperte. „Die Parkhäuser sollten mehr Ladesäulen anbieten, wenn wir nach Frankreich schauen, sind die schon weiter als wir.“

Ob noch mehr Ladepunkte nach Bonn kommen, werde „flexibel und kurzfristig“ geplant, sagt John. Eine Kostenfalle sieht Suthold hingegen in den „regionalen Lösungen“, denn die seien intransparent. „Es gibt bundesweit so viele unterschiedliche Anbieter und ein Preisvergleich ist oft nicht gegeben. Beim Spritpreis wissen wir, was wir zahlen müssen, bei E-Ladesäulen oft nicht. Wir fordern daher eine flächendeckende Preispolitik, die sich an Kilowattstunden orientiert.“

An Kilowattstunden orientieren sich auch die Preise der Stadtwerke, allerdings mit einer zusätzlichen Pauschale. „Das Laden an den Ladestationen in den Parkhäusern der BCP kostet wie an unseren anderen öffentlichen Ladestationen 0,59 Euro Startpauschale sowie 0,39 Euro pro geladener Kilowattstunde Energie“, erklärt John.

Stadtwerke treiben Mobilitätsausbau voran

Für Fernfahrer seien die bisherigen Lösungen eine aufwendige Odyssee, denn je nach Region gibt es, laut Suthold, unterschiedlichste Apps und Bezahlsysteme. „80 Prozent der Ladegänge finden zu Hause statt, doch bei Fernfahrten werden diese Insellösungen zum Problem. Nicht Ortskundige sind meist aufgeschmissen, weil sie die regionalen Anbieter nicht kennen und auch nicht genau sehen können, wo die nächste Ladestation ist“, erklärt der Experte. Die Bonner Stadtwerke arbeiten mit der „TankE-Netzwerk-App“, die Ladepunkte im Rheinland abbildet. Aber: „In Hamburg kennt man die App wiederum nicht“, so Suthold.

Eine Lösung könnte hier der Ausbau von Schnellladesäulen an Autobahnen sein. Das sei laut dem Elektromobilitätsexperten noch das kleinste Problem. „Wenn die deutschen Autohersteller ernst machen und nur noch auf Elektromobilität setzen, reichen die Kapazitäten bei Weitem nicht. Das Stromnetz müsste dann grundlegend angepasst werden“, sagt der Kölner.

In Bonn treiben die Stadtwerke den Mobilitätsausbau voran. Zurückhaltender sind da private Unternehmen. So zeigte sich nach Recherche des GA, dass nur eines von sechs öffentlichen Parkhäusern eine Ladestation anbietet. So bietet das Parkhaus an der Museumsmeile noch bis Mitte Februar seinen Nutzern die kostenlose Aufladung ihrer E-Autos an. Danach sollen die zwei Säulen aber vermietet werden, so ein Ansprechpartner der B+B Parkhaus GmbH. „Es werden aber noch weitere Ladepunkte hinzukommen.“ Schlechter sieht es hingegen in Beuel und Bad Godesberg aus. Im Parkhaus am Konrad-Adenauer-Platz und auch in der Contipark-Tiefgarage im Brückenforum sind keine E-Ladestationen vorhanden. In Letzterer seien auch auf lange Sicht keine Ladepunkte geplant, so eine Angestellte. „Ich habe von nichts gehört.“ Dabei sei in der Garage genügend Platz vorhanden und auch die Nachfrage gegeben. „Hier parken schon häufiger E-Autos, das würde sich schon lohnen“, berichtet sie.

Sowohl in Parkhäusern beim Kinopolis als auch unter den City Terrassen sind in Bad Godesberg keine Ladepunkte installiert. Auch in der zentral gelegenen Stiftsgarage hat die Mobilität noch keinen Einzug gehalten.