Bonner Zauberwochen: Max gewinnt die Herzen des Publikums

Bonner Zauberwochen : Max gewinnt die Herzen des Publikums

Im Anno Tubac stehen Illusionen und Spaß im Vordergrund. Die Ablenkung des Publikums spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Ulf Bürger schien verzweifelt. Der smarte 45-jährige Moderator und Vorsitzende des magischen Zirkels Bonn steht bei der letzten Veranstaltung der Bonner Zauberwochen auf der kleinen Bühne des Anno-Theaters in der Kölnstraße und tröpfchenweise bahnen sich die Künstler des Abends einen Weg durch den voll besetzten Saal. Sie scheinen gerade erst eingetroffen zu sein. In Straßenkleidung oder Hamburger essend verschwinden sie hinter dem Vorhang der Bühne.

Sogar ein Kind ist dabei, dass in unverständlich breitem Bayrisch etwas auf Bürgers Vorwurf erwidert, dass die Show bereits begonnen habe. Locker, fast privat, spielt Bürger mit dem Publikum, von dem er später sagen wird: „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Inzwischen ist es richtig familiär geworden“.

Seit acht Jahren gibt es die Bonner Zauberwochen, die zwei Wochen lang mit nationalen und internationalen Künstlern in neun abendfüllenden, meist ausverkauften Vorstellungen auf zauberhafte Weise unterhalten. „Es gibt zwei Arten von Zuschauern“, zitiert Bürger seinen berühmten Zauberkollegen Hans Kock, „die einen entspannen sich und wollen einen schönen Abend genießen, die anderen sitzen konzentriert mit Notizblock da und versuchen, hinter die Tricks zu kommen. Den ersten wünschte Kock viel Spaß und den zweiten viel Glück“. Bürger weiß, dass die Show nur funktioniert, wenn man Spaß an der Illusion des Unmöglichen hat.

Und damit das funktioniert, verwickelt Bürger die Zauberfans in Geschichten, in denen scheinbar nebenbei gezaubert wird. Wie das funktioniert, wird dabei zur Nebensache. Es verblüfft und hinterlässt ein fasziniertes Publikum. So war auch der Showanfang zu verstehen, der das verspätete Eintreffen der Künstler nutzte, um mit einer scheinbaren Improvisation zwischen Bürger und dem amtierenden Europameister der Zauberkunst, dem Bonner Patrick Lehnen (34), auf charmant witzige Weise der gefühlt schon tausendmal gehörten Frage an das Publikum, „Wer hat mal einen 20-Euro-Schein?“, neue Seiten abzugewinnen. Unterhaltung und Bespaßung pur.

Dass sich die Gilde der Magier keine Sorge um den Nachwuchs machen muss, zeigt nicht nur das ungebrochene Vorhandensein von Zauberkästen in den Spielwarengeschäften, sondern auch das schon anfangs erwähnte Kind, das in der letzten Veranstaltung der Zauberwochen 2017 sein Publikum verblüffte.

Auch wenn Ulf Bürger ob des bayerischen Dialekts des aus Dachau stammenden, erst zehn Jahre alten Max Schmalhofers beklagte, dass seine Kunst leider auch ohne Untertitel auskommen müsse, war der kleine Bayer schon vom ersten Moment an Favorit des Abends. Seine Illusionsshow und Tricks haben bereits den Magischen Zirkel überzeugt, der ihn als jüngstes Mitglied in den erlauchten Kreis der besten Magier Deutschlands aufgenommen hat. Stilecht mit Tirolerhut, Weste und kurzer Lederhose verblüffte Max mit seiner Hütchenspiel-Geschichte, für die er natürlich nicht mit Würfeln, sondern mit echt bayrischen „Brezn“, oder zumindest Teilen davon, auftrat. Es ist nicht auszuschließen, dass das Bonner Publikum mit Max an diesem Abschlussabend den künftigen „deutschen Copperfield“ erlebt hatte. Zauberwochen „at its best“.

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