Abschiedsinterview mit Bonner Dezernent: Martin Schumacher träumt von einem Zweispartenhaus

Abschiedsinterview mit Bonner Dezernent : Martin Schumacher träumt von einem Zweispartenhaus

Der scheidende Dezernent Martin Schumacher sorgt sich um die Zukunft des Schulschwimmens in Bonn. „Wir müssen die Bäderfrage dringend lösen“, sagte der für Kultur, Sport und Wissenschaft zuständige Beigeordnete im Gespräch mit dem GA vor dem baldigen Ende seiner Amtszeit.

Die Infrastruktur der Bestandsbäder sei so in die Jahre gekommen, dass es schon ein Erfolg ist, dass wir die Funktionsfähigkeit unserer Hallenbäder aufrechterhalten konnten“. Ende November läuft die acht Jahre dauernde Amtszeit Schumachers aus; am Donnerstagabend hatte er seine letzte Ratssitzung, in der Stadtdirektor Wolfgang Fuchs ihm für sein Engagement zum Wohle der Stadt dankte.

In den verbleibenden Wochen will der Dezernent eine Verwaltungsvorlage für eine Bürgerbeteiligung an einem Bäderkonzept weiter vorantreiben. Eine solche Bürgerbeteiligung hatte die Jamaika-Koalition im September beschlossen. Spätestens Ende 2019 soll eine Entscheidung fallen, wie die künftige Bäderinfrastruktur aussehen soll. Schumacher bedauert, dass der Bau eines neuen Wasserlandbades am Bürgerentscheid gescheitert ist. Umso wichtiger sei es nun, im Laufe der Bürgerbeteiligung einen Konsens zu finden, „der auf politische und gesellschaftliche Akzeptanz stößt“.

Als Mammutaufgabe sieht er die Umsetzung des Sportentwicklungsplanes an, der laut Schumacher bis Ende des Jahres vorliegen wird. In ihm sollen sich nach Befragung der Bürger und Analyse der bestehenden Sportstätten die tatsächlichen Bedarfe spiegeln. „Ich bin sehr froh, dass wir zum Jahresende einen Sportentwicklungsplan haben, der uns Orientierung gibt und den Handlungsbedarf aufzeigt.“ Nach seiner Auffassung müssten zunächst diejenigen Sportanlagen in Schuss gebracht und erforderlichenfalls weiterentwickelt werden, die Kindertagesstätten und Grundschulen zur Sportausübung dienen. Dort werde „die Grundlage für Begeisterung am Sport“ gelegt. „Es liegt mit dem Plan ein Orientierungsrahmen vor, der die Stadt für Jahrzehnte beschäftigen wird, dabei ist eine klare Priorisierung erforderlich“, sagte Schumacher.

In den vergangenen Jahren sei nicht nur viel Geld in die Sanierung zahlreicher Sportstätten geflossen, „wir haben in meiner Amtszeit auch 16 Kunstrasenplätze neu gebaut“. Umso schmerzlicher empfinde er den immer wieder aus den Reihen von Sportfunktionären hervorgebrachten Vorwurf, er habe sich fast ausschließlich mit Kultur befasst. Rückblickend bezeichnet er es als Fehler, zu Beginn seiner Amtszeit bei einer spontanen Rede vor der Versammlung des Stadtsportbundes auf Nachfrage die Einführung einer Sportstättennutzungsgebühr als sinnvoll bezeichnet zu haben. „Danach war ich als Sportgegner verschrien, der ich überhaupt nicht bin“, so Schumacher.

Jubiläum könne nachhaltige Wirkung entfalten

In seinen letzten Wochen wird er für den Kulturausschuss eine Vorlage für die Zukunft von Opernhaus und Kammerspielen vorbereiten. „Nach jetzigem Stand halte ich es für realistisch, beide Gebäude instand zu setzen“, erklärte Schumacher. Es stünde allerdings noch nicht abschließend fest, ob ein Opernneubau nicht sinnvoller sei. Der Beigeordnete vertritt allerdings die Auffassung, ein Zweispartenhaus an der jetzigen Oper stünde der Stadt gut zu Gesicht. Allerdings sei der Umzug der Kammerspiele derzeit nicht machbar, weil man Bad Godesberg damit Schaden zufügen würde.

„Wenn ich träumen dürfte, würde ich mir eine zukunftsgerichtete Operninstandsetzung mit der Option eines modernen Ergänzungsbaus für das Schauspiel in einem zweiten Bauabschnitt wünschen.“ Eines seiner wichtigsten Projekte sei die Vorbereitung für ein gelungenes Beethoven-Jubiläumsjahr im Jahr 2020 zum 250. Geburtstag Beethovens gewesen. „Ich finde es toll, dass der Bund 27 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Das ist ein Bekenntnis zu Beethoven und der Stadt Bonn.“ Er sieht die Vorbereitungen auf einem guten Weg. Reibereien zwischen den teilnehmenden Kultureinrichtungen seien weitgehend beigelegt.

„Für die Jubiläums-Gesellschaft war und ist die Organisation aber ein Trampelpfad, auf dem es sicher immer wieder knirschen wird“, erklärte Schumacher. Dass die Koordination eines solchen Großevents zu Beginn „unübersichtlich“ sein könne, sei zu erwarten gewesen. Schumacher ist optimistisch, dass das Jubiläum eine nachhaltige Wirkung entfalten kann. Entsprechende Signale für eine weitere finanzielle Unterstützung habe die NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen gegeben. Die Umsetzung des kommunalpolitischen Beschlusses, 3,5 Millionen Euro jährlich beim Theater zu sparen, bezeichnete er als kontraproduktiv. „Warum sollten uns Land und Bund weitere Fördergelder geben, wenn wir unsere Kulturszene selbst kaputtsparen?“

Die Sanierung der Beethovenhalle mit einem Kammermusiksaal und Proberäumen hält der Kulturdezernent trotz Kostenexplosion und Bauverzögerungen für überzeugend. Dass sie im ganzen Jubiläumsjahr vermutlich nicht nutzbar sein wird, sei zwar ärgerlich. „Aber in 20 Jahren denkt daran kein Mensch mehr.“ Wichtig sei, dass dort ein geeigneter „Kammermusiksaal des 21. Jahrhunderts“ für bis zu 500 Besucher geschaffen werde, eine Größe, die Bonn gut brauchen könne. Zudem bekomme das Beethoven-Orchester einen Konzertsaal, der „ein sehr gutes Hörerlebnis verspricht“.

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