Prozess in Bonn: Mann soll elf Mal auf Ex-Freundin eingestochen haben

Prozess in Bonn : Mann soll elf Mal auf Ex-Freundin eingestochen haben

Ein 24-Jähriger steht wegen Mordversuchs an seiner Ex-Freundin vor Gericht. Bevor die Frau in den Zeugenstand tritt, wird der Angeklagte aus Sorge um die Gesundheit der 23-jährigen Auerbergerin aus dem Saal entfernt.

Der jungen Frau im Zeugenstand vor dem Schwurgericht geht es schlecht. So schlecht, dass sie es nicht ertragen würde, den Mann wiederzusehen, der sie am 23. Juli 2018 fast tötete. Elf Mal hat der Bundeswehrsoldat auf die 23-Jährige in Auerberg eingestochen und sie lebensgefährlich verletzt. Aus Sorge um die Gesundheit der jungen Frau wird der 24-jährige Angeklagte, dem versuchter Mord vorgeworfen wird, an diesem Tag aus dem Saal entfernt, bevor sein Opfer eintritt. In einem Saal nebenan muss er, bewacht von zwei Justizbeamten, ihre Aussage per Videoübertragung verfolgen.

Stundenlang muss sich die Krankenschwester bis nachmittags den Fragen von Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger stellen, und immer wieder bricht sie in Tränen aus, als sie schildert, wie sie mit dem 24-Jährigen im Mai 2018 zusammenkam, wie schön es anfangs war, und was dann geschah. Denn was sie für Fürsorglichkeit gehalten hatte, habe sich bald zu einem Alptraum aus Eifersucht und Kontrolle entwickelt: „Er wollte mich nur noch für sich allein, hat mich ständig kontrolliert. Ob bei der Arbeit oder meinen Eltern, überall hat er mich angerufen oder Nachrichten geschickt. Er hat mir keine Luft mehr zum Atmen gelassen“, berichtet sie weinend.

Ständig habe sie ihm Beweisfotos schicken müssen, wo sie gerade war. Sie habe ihn angefleht, damit aufzuhören und erklärt: „Sonst machst du alles kaputt.“ Doch es habe sich nichts geändert, und nach ihrem Geburtstag Mitte Juni habe sie die Beziehung beendet. Zuerst habe er geweint, gefleht, mit Blumen vor der Tür gestanden. Doch als sie hart geblieben sei, sei alles „gekippt“. Er habe angefangen, sie zu beschimpfen und zu bedrohen. „Ich hatte Angst“, sagt sie, „es war für mich wie Stalking.“ Überall sei er aufgetaucht. Zwar habe er schon während der Beziehung gesagt, wenn sie Schluss mache, bringe er sie um. „Aber das habe ich nicht ernst genommen.“

Kurz vor der Tat eskalierte die Situation: Er schickte Nacktbilder von ihr per Handy an alle, die sie kannte – auch an ihre Eltern. Für sie das Schlimmste, wie sie sagt: Sie komme aus einer sehr strengen Familie, in der man nicht einfach einen Freund haben könne. Man dürfe nur mit dem Mann zusammen sein, den man auch heirate. „Hätten meine Eltern gewusst, dass ich einen Freund habe, wäre ich für sie gestorben“, sagt sie.

Laut Anklage wollte sie den Angeklagten am Tattag bei der Polizei anzeigen. Doch als sie das Haus verließ, soll er da gestanden und sie mit dem Messer attackiert haben. Nur durch eine Notoperation wurde sie gerettet und ist heute nicht nur seelisch, sondern auch körperlich beeinträchtigt.

Der Angeklagte hat hingegen am ersten Prozesstag vor Gericht behauptet, sie sei furchtbar eifersüchtig gewesen und habe auch ihn kontrolliert. Und am Tattag habe sie plötzlich das Messer, das er ihr gekauft habe. gezogen, und er habe es ihr entwunden. Dass er auf sie eingestochen habe, könne er nicht begreifen. Doch die 24-Jährige beteuert als Zeugin: Auf keinen Fall habe sie ein Messer gehabt, sie habe nie etwas mit Waffen zu tun haben wollen. Selbst jetzt noch nicht.

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