Junges Paar in Bonn angeklagt: Mann in Liebesfalle gelockt und überfallen

Junges Paar in Bonn angeklagt : Mann in Liebesfalle gelockt und überfallen

Die Bonner Staatsanwaltschaft klagt ein junges Paar wegen Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes an. Die beiden sollen einen 28-Jährigen in eine Liebesfalle gelockt und überfallen haben.

Was aussah wie eine verführerische Verabredung, entpuppte sich als Falle: Ein 28-jähriger Mann war von einer damals 19-Jährigen über soziale Netzwerke zu einem Treffen am 19. Februar 2016 eingeladen und dann in deren Wohnung von zwei Maskierten überfallen, gefesselt, misshandelt und ausgeraubt worden. Nun hat die Staatsanwaltschaft die heute 21-Jährige und deren 26-jährigen Freund angeklagt, wie Behördensprecher Sebastian Buß mitteilte und erklärte: „Wer der zweite Maskierte war, ist unbekannt.“

Die Anklage wirft dem Paar Freiheitsberaubung, gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung und schweren Raub vor. Laut Buß sollen die beiden einen perfiden Plan ausgeheckt und in die Tat umgesetzt haben. Demzufolge machte sich die junge Frau am 17. Februar vergangenen Jahres unter einem falschen Profil auf Facebook und per Whatsapp an den 28-Jährigen heran und lud ihn schließlich zwei Tage später zu einem Mittagessen in ihre Wohnung nach Bonn ein. Der Mann ließ sich laut Anklage auf das Angebot ein, erschien zum verabredeten Zeitpunkt und wurde von der jungen Frau freundlich in das Einzimmerappartement gebeten.

Dort hatte er gerade Platz genommen, stürmten laut Anklage zwei Männer mit Sturmhauben über den Gesichtern und großen Messern in den Händen aus der Küche in das Zimmer. Sie schlugen der Anklage zufolge auf den 28-Jährigen ein, bedrohten ihn mit den Messern, zwangen ihn, sich bäuchlings auf das Bett zu legen und fesselten ihm die Hände mit Kabelbindern und Klebeband auf den Rücken. Dann nahmen sie ihm sein Smartphone weg.

Der 28-Jährige schaffte es, sich loszureißen, ins Bad zu flüchten und sich dort einzuschließen. Und dort rief er von einem zweiten Handy, das die Täter nicht entdeckt hatten, die Polizei an. Er schaltete den Lautsprecher ein, um die vor der Tür Tobenden wissen zu lassen, dass er mit der Polizei sprach. Derweil soll die damals 19-Jährige vor der Badezimmertür geschrien haben, sie werde ihn abstechen, wenn er nicht sofort herauskomme und die Wohnung verlasse. Als der 28-Jährige merkte, dass die beiden Männer nicht mehr in der Wohnung waren, öffnete er die Tür und flüchtete.

Als die Polizei eintraf, war nur noch die junge Frau da und speiste die Beamten den Ermittlungen zufolge tränenreich mit einem filmreifen Auftritt ab: Ihr Ex-Freund sei bei ihr aufgetaucht und ausgerastet. Er sei aber schon wieder weg, und alles sei wieder in Ordnung. Die Beamten glaubten ihr und rückten wieder ab. Das Opfer, das diverse Prellungen an Kopf, Schulter und Fuß erlitt, begab sich zunächst nach Hause und suchte abends die Polizei auf. Gegen Mitternacht rückten Beamte erneut in der Wohnung an, überraschten das Paar im Bett, nahmen die Frau und ihren Freund fest und stellten Beweismittel wie Kabelbinder und Klebeband sicher.

Die beiden Angeklagten sind laut Staatsanwalt Buß wegen Drogendelikten vorbestraft. Der 26-Jährige hat insgesamt zwölf Eintragungen in seinem Strafregister, auch wegen Gewaltdelikten. Er befindet sich zurzeit wegen einer anderen Tat, die ihm drei Jahre und drei Monate Haft einbrachte, hinter Gittern. Zu den Vorwürfen hat er sich laut Buß nicht geäußert, die 21-Jährige bestreitet laut Anklage die Tat und ist auf freiem Fuß. Demnächst muss sich das Paar vor dem Bonner Landgericht verantworten.