Stadtteilverein Dransdorf: „Man kennt sich und schätzt sich“

Stadtteilverein Dransdorf : „Man kennt sich und schätzt sich“

Klaus Stüer ist Leiter des Stadtteilvereins Dransdorf, bei dem Multikulti Programm ist. Der Verein feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen.

Multikulti ist Programm. „Interkulturelle Kompetenz ist hier keine leere Worthülse, sondern sie wird Tag für Tag gelebt. Hier bildet sich Kultur immer wieder neu“, sagt Klaus Stüer. Für ihn hat das Wohnviertel zwischen der Lenau-, Hölderlin- und Mörikestraße in Dransdorf einen ganz besonderen Charme. „Die Vielfalt ist eine wirkliche Bereicherung“, erklärt der Geschäftsführer des Stadtteilvereins Dransdorf, der sich um Beratung, Bildung und Begegnung der Nachbarn kümmert und nun sein 20-jähriges Bestehen feiert (siehe Infotext).

Menschen aus 32 Nationen leben in den gesichtslosen Hochhäusern am Ortsrand Bonns. Das Durchschnittsalter liegt bei Anfang 30, Arbeit haben allerdings nur die wenigsten. Und dennoch: „Hier gibt es keinen Neidfaktor. Alle leben unter ähnlichen Bedingungen. Das schweißt zusammen und fördert das soziale Miteinander. Man kennt sich, und man schätzt sich.“

Die meisten Mieter sind auf Transferleistungen angewiesen. Für sie ist das Angebot des Stadtteilvereins geradezu ideal. Denn das Team von Klaus Stüer bietet mit Unterstützung von rund 40 ehrenamtlichen Helfern Projekte und Veranstaltungen an. Im Nähcafé wird zugeschnitten und gesäumt, mehrmals in der Woche wird für den gemeinsamen Mittagstisch frisch gekocht, Hausaufgaben können unter Anleitung erledigt werden.

Eine Bereicherung für den Alltag

Für viele Bewohner des Stadtteils ist die Begegnungsstätte eine wichtige erste Anlaufstelle bei alltäglichen Fragen und Problemen. Dort erhalten sie praktische Unterstützung – beispielsweise beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen – oder werden direkt an die zuständigen Fachstellen, Ämter oder Institutionen weitergeleitet.

Aber auch Freizeit-, Kultur- und Unterhaltungsangebote kommen nicht zu kurz. So wird das Zuckerfest zum Ende des Ramadans genauso gefeiert wie Karneval. Die somalische Buchmesse stößt auf ebenso großes Interesse wie die Spielnachmittage. „Gerade die kulturellen Angebote werden ganz besonders gut angenommen“, weiß Stüer aus der Vergangenheit. Dazu gehörten beispielsweise auch Projekte in Kooperation mit Museen oder der Brotfabrik. Besonders beliebt sind der indische Tanzkurs und das Frauencafé.

Dort treffen sich Nachbarinnen verschiedener Nationen zum gemeinsamen Frühstück und sprechen über alles, was sie berührt und beschäftigt. „Dann herrscht oft ein Sprachengewirr. Doch die Verständigung klappt bestens“, sagt der Geschäftsführer des Vereins und lacht.

Ein Modell für die Zukunft?

Mittlerweile hätten auch viele alteingesessene Dransdorfer erkannt, dass die neuen Nachbarn eine Bereicherung sind. Immer öfter würde man sie bei Veranstaltungen sehen, beispielsweise bei Informationen und Kursen speziell für Senioren. „Die Grenze zwischen Alt- und Neudransdorf verschwindet zunehmend“, beobachtet Stüer.

Natürlich ist das Thema Beschäftigung allgegenwärtig. „Hier ist niemand arbeitsunwillig. Jeder würde gerne etwas tun. Aber es gibt zu wenig niedrigschwellige Angebote. Die meisten Bewohner sind zum Nichtstun verdonnert“, beklagt er. Die Nachfrage nach einfachen Jobs sei hoch, ein Angebot so gut wie nicht vorhanden. Die Hürden für geringe Beschäftigungen seien zudem viel zu hoch. Gerade im Zusammenhang mit Integration erziele „gelebte Gemeinsamkeit Vorteile, die über Programme nicht zu erreichen sind“, ist er überzeugt.

Der Stadtteilverein arbeitet im Auftrag der Stadt Bonn und wird unter anderem durch das Amt für Soziales und Wohnen gefördert. Auch nach 20 Jahren weiß Stüer ganz genau, wie er die Menschen im Quartier erreicht und einbindet. Deshalb hat er für die Zukunft nur einen Wunsch. „Es wäre schön, wenn wir eine langfristige Planungssicherheit hätten.“

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