Ehrenamt in Bonn: Malteser helfen in Rom

Ehrenamt in Bonn : Malteser helfen in Rom

Bonner Sanitäter sind zur Feier des Heiligen Jahres in Italien im Einsatz. Wegen Temperaturen von um die 37 Grad wurden einige Pilger wegen Hitzschlags oder Dehydration behandelt.

Einen Beichtstuhl gibt es in fast jeder katholischen Kirche. In den Kathedralen Roms stehen derzeit sogar mehr als zehn Kabinen in Reih und Glied nebeneinander. Über jeder Kabine hängt ein Schild, in welcher Sprache gebeichtet werden kann. Wo eine rote Lampe leuchtet, dort bittet gerade ein Pilger um Vergebung für seine Sünden. Dieses Bild hat Julian Brückner und Alexander Schmitt beeindruckt.

Die beiden arbeiten ehrenamtlich bei den Maltesern Bonn und waren Teil des Teams, das vergangene Woche in Rom bei den Feierlichkeiten des Heiligen Jahres als Sanitäter half. Brückner, der als Referent für Katastrophenschutz arbeitet, und Schmitt, Student und Krankenpfleger, hatten sich im Frühjahr für den Dienst gemeldet. Wie alle Helfer mussten sie sich Urlaub nehmen, um freiwillig in Rom arbeiten zu können.

Das „Jahr der Barmherzigkeit“, das Papst Franziskus zum 50. Jahrestag des Abschlusses des zweiten Vatikanischen Konzils ausgerufen hatte, wird vom 8. Dezember 2015 bis 20. November 2016 gefeiert. Den Pilgern stehen dann die sonst verschlossenen „Heiligen Pforten“ offen. „Es heißt, jeder Katholik solle mindestens einmal im Leben pilgern und durch die Heiligen Pforten gehen“, sagt Schmitt. Dabei erhalte der Gläubige einen Ablass.

Damit für die zahlreichen Pilger gesorgt ist, kümmern sich die internationalen Malteser um die rettungsdienstliche Versorgung. Auch die Malteser Deutschland entsenden über das ganze Jahr hinweg wöchentlich ein Team nach Rom, das dort eine Wohnung bezieht.

Brückner und Schmitt waren vom 9. bis zum 16. Juli in der heiligen Stadt im Einsatz. Mit je zwei weiteren Maltesern aus Bonn und Euskirchen sowie zwei Bonner Ärzten bildeten sie ein Team, das im Schichtdienst eine der vier Sanitätsstationen in den großen Kathedralen betreute. Zehn Stunden am Tag wurde gearbeitet, verteilt auf zwei Schichten.

„Es sind immer ein Arzt, eine medizinische Fachkraft und zwei Helfer vor Ort“, erklärt Alexander Schmitt. Wegen Temperaturen von um die 37 Grad wurden einige Pilger wegen Hitzschlags oder Dehydration behandelt. „Ansonsten haben wir zum Beispiel häufig Oberschenkelfrakturen durch Stürze.“

Während immer zwei Kräfte in der Station seien, schauten die anderen in der Kathedrale nach dem Rechten. „Dabei wurden wir häufig von Pilgern angesprochen und waren auch Wegweiser und Zuhörer“, berichtet Schmitt. Die Kommunikation habe trotz verschiedener Sprachen immer funktioniert – zur Not mit Händen und Füßen. Der Kontakt zu den Menschen und deren positive Rückmeldung hat auch Julian Brückner beeindruckt: „Wir haben öfter ein 'Danke' gehört als in Deutschland.“

Neben dem Kontakt zu Pilgern und Einheimischen konnten sich die Bonner auch mit Maltesern aus Italien, der Schweiz und Amerika austauschen. „Diese Gelegenheit bietet sich natürlich nicht so oft“, sagen beide, die für ihr ehrenamtliches Engagement in Rom feierlich eine Verdienstmedaille vom Malteserorden bekamen.

Auch etwas Zeit für Sightseeing blieb den Bonnern. Den Papst gesehen haben sie allerdings leider nicht. „Die Berliner Gruppe vor uns ist ihm aber über den Weg gelaufen“, erzählt Schmitt. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Heiligen Jahr – das findet 2025 statt. Dort wieder ehrenamtlich zu helfen, können sich beide gut vorstellen.

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