Studie belegt Intelligenzverlust: Luftverschmutzung beeinträchtigt kognitive Fähigkeiten

Studie belegt Intelligenzverlust : Luftverschmutzung beeinträchtigt kognitive Fähigkeiten

Die geistigen Fähigkeiten des Menschen degenerieren durch Luftverschmutzung. Eine groß angelegte Studie kommt zu diesem Ergebnis und alarmiert. Auch in Bonn liegt die Schadstoffbelastung über den Grenzwerten.

Laut einer am Sonntag in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlichten Studie hat Luftverschmutzung einen erheblichen Einfluss auf die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen – insbesondere bei bildungsschwachen Männern ab dem 64. Lebensjahr.

Wie das Forschungsteam gegenüber dem Guardian verriet, werde das individuelle Bildungsniveau einer Person durch erhöhte Schadstoffbelastung um durchschnittlich ein Jahr zurückgeworfen. Bei über 64-Jährigen erhöhe sich dieser Wert um ein Vielfaches, vor allem bei männlichen, bildungsschwachen Probanden.

Im Zuge der Panelstudie, die zwischen 2010 und 2014 erhoben wurde, haben Wissenschaftler die linguistischen wie arithmetischen Fähigkeiten von 20.000 Menschen analysiert und mit Messwerten der Schadstoffbelastung im direkten Umfeld der Probanden verglichen.

Das Ergebnis der Studie: Je länger Menschen hoher Luftverschmutzung ausgesetzt sind, desto stärker leidet ihre geistige Leistungsfähigkeit.

Männer sind stärker betroffen als Frauen

Laut der Studie werden die sprachlichen Fähigkeiten stärker in Mitleidenschaft gezogen als die mathematischen. Wie die Wissenschaftler außerdem schlussfolgern, haben Frauen weniger Auswirkungen zu befürchten als Männer.

Auch wenn die Studie ausschließlich in China umgesetzt wurde, habe sie laut Xi Chen, ein Mitglied der Forschungsgruppe, universelle Gültigkeit: „Das gilt für alle Menschen, unabhängig von ihrem Lebensort.“

Derrick Ho von der Polytechnischen Universität Hong Kong sagte dem Guardian, dass der Schaden durch die Schmutzpartikel keine Begleiterscheinung sei, sondern „potentiell im Zusammenhang mit oxidativem Stress, neuralen Entzündungen und neuralem Zerfall“ stehe.

Grenzwerte in Bonn werden überschritten

Auch die Bundesstadt mit ihrer Kessellage und ihren erheblichen Pendlerströmen hat ein Problem mit hoher Schadstoffbelastung. Wie Messungen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz belegen, verfehlt Bonn die EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid – einem Abgas, das vor allem bei der Verbrennung von Diesel-Treibstoff entsteht – teilweise deutlich.

Eine Auswertung der Messstationen an der Bornheimer Straße und an der Reuterstraße hatten 2017 ergeben, dass an 41 beziehungsweise 49 Tagen das geforderte Jahresmittel von maximal 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten wird.

Dass die Luft in Bonn vermutlich viel verdreckter ist als amtliche Messungen glauben machen, legt außerdem das Ergebnis einer Langzeitstudie des Bonner Meteorologen Karsten Brandt nahe. Brandt hat in einer Messreihe während des Schuljahrs 2016/17 auf Nasenhöhe von Kindern dramatisch hohe Werte von Feinstaub nachgewiesen.

An 25, 72 und 86 Messtagen lagen die Kontrollwerte von Partikeln mit einer maximalen Größe von 2,5 Mikrometern (PM2,5), die bis in die Lungenbläschen eindringen können, an drei unterschiedlichen Standorten über dem maximal zulässigen EU-Jahresmittelwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Berücksichtigt man den Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Feinstaubbelastung (zehn Mikrogramm pro Kubikmeter), fällt das Ergebnis entsprechend gravierend aus. 95 Prozent der Weltbevölkerung atmen laut WHO-Richtlinie unsaubere Luft ein – täglich auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit oder zum Supermarkt.

Das enthält die Bonner Luft