Verein für Gefährdetenhilfe (VfG): Lohnendes Geschäft mit Schrott

Verein für Gefährdetenhilfe (VfG) : Lohnendes Geschäft mit Schrott

Seit der Umweltprämie erhalten Autoverwerter vermehrt Fahrzeuge. Kritik von der Umwelthilfe.

Motoren ausbauen, Türen und Außenspiegel abnehmen und dann alles ins Lager - Friedrich Nettekoven und seine Kollegen haben derzeit alle Hände voll zu tun. Täglich kommen neue Dieselfahrzeuge auf den Hof der Autoverwertung des Vereins für Gefährdetenhilfe (VfG) in Bonn.

"Wir haben in den vergangenen Monaten mehr Dieselautos reinbekommen als im sonstigen Geschäftsbetrieb", sagt Nettekoven, der von insgesamt 300 angelieferten Fahrzeugen dieser Kraftstoffart seit vergangenem August ausgeht.

Dies entspreche einem Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Das ist aber bei Weitem nicht so viel wie bei der Abwrackprämie im Jahr 2009", ergänzt Nettekoven.

Dennoch - die im August des vergangenen Jahres von den Autoherstellern ausgelobte Umweltprämie für den Eintausch eines Diesel-Altfahrzeugs (Abgasnormen null bis vier) gegen einen Neuwagen beschert auch den Verwertern ein gutes Geschäft. Die zur Verschrottung bestimmten Fahrzeuge seien im Schnitt etwas jünger als sonst und hätten dadurch auch attraktivere Ersatzteile, so Nettekoven.

"Ich rechne aber damit, dass es so kommen wird wie damals nach der Abwrackprämie: Jetzt haben wir viel Arbeit und nach Ende der Umweltprämie wird es rapide weniger", prognostiziert Nettekoven. Bedeutet: Die Fahrzeuge, die der Betrieb jetzt mehr habe, werde er in den nächsten Jahren weniger haben.

Auf dem Hof Am Dickobskreuz stehen mindestens 250, höchstens aber 280 Fahrzeuge. Über ähnliche Kapazitäten verfügt auch die Autoverwertung Nitschke in Köln-Porz. Wie beim VfG sind auch dort die Folgen der Umweltprämie zu spüren.

"Wir haben einen Anstieg von 20 bis 30 Prozent", sagt Betriebsleiter Udo Frank, schränkt aber ein: "Es hat durch die Umweltprämie kein Boom eingesetzt." Er rechnet damit, dass diese erneut verlängert wird und so auch in den nächsten Monaten mehr Fahrzeuge als üblich auf den Hof kommen.

Ursprünglich hatten die Hersteller den 31. Dezember als Enddatum der Prämie genannt, einige weiteten den Zeitraum aber aus: VW und Audi haben das Angebot bis zum 31. März verlängert, Mercedes und BMW bis zum 30. Juni und Ford sogar auf unbestimmte Zeit.

Zwar liegen für die Region keine Zahlen der mittels der Umweltprämie eingetauschten Dieselautos vor, jedoch lässt sich anhand der zugelassenen Fahrzeuge zumindest ein Trend ablesen. So verringerte sich die Anzahl der Dieselfahrzeuge (inklusive Lkw) der Abgasnormen null bis vier in Bonn zwischen August und Dezember des vergangenen Jahres nur um drei Prozent.

Den prozentual größten Rückgang gab es bei der Abgasnorm Euro eins (6,3 Prozent). Deutlicher fielen die Zahlen im Rhein-Sieg-Kreis aus: Dort ging die Anzahl der Dieselautos der Abgasnorm vier oder weniger zwischen August und Dezember 2017 um fast zehn Prozent zurück. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 verminderte sich die Anzahl der Dieselautos mit diesen Abgasnormen im gleichen Zeitraum nur um drei Prozent.

Während sich Autokäufer durch die Prämie über einen zum Teil deutlich reduzierten Neuwagen freuen, erschwert diese die Arbeit für Gebrauchtwagenhändler. "Am Anfang gab es über die Umweltprämie bei den Gebrauchtwagenhändlern viel Entrüstung, denn sie hat die Märkte verschoben", sagt Ansgar Klein, geschäftsführender Vorstand beim Bundesverband freier Kfz-Händler.

Inzwischen habe sich die Lage zwar wieder entspannt, dennoch spricht Klein für die vergangenen Monate von einem Verkaufsrückgang zwischen zehn und 30 Prozent. Vor allem betroffen: gebrauchte Dieselfahrzeuge. "Die Diskussion um Fahrverbote hat den Wert dieser Autos vernichtet", beklagt Klein.

Kritische Töne zur Umweltprämie kommen auch von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). "Ausgerechnet für die schmutzigsten Fahrzeuge gibt es hier die größten Prämien", sagt Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Gemeint sind SUVs, bei denen die Hersteller einen besonders hohen Nachlass gewähren.

Einen Vorteil für die Umwelt kann Resch auch aus einem anderen Grund nicht erkennen: "Vielfach werden derzeit Euro-4-Diesel verschrottet, die nach Untersuchungen aber einen geringeren Stickoxidausstoß haben als etwa Euro-5-Fahrzeuge." Deshalb plädiere die DUH für technische Nachrüstungen. "Diese müssen aber die Hersteller bezahlen und nicht die Verbraucher."