Suchtambulanz in der Bonner Altstadt: Lösung für Drogenkranke nach Schließung gesucht

Suchtambulanz in der Bonner Altstadt : Lösung für Drogenkranke nach Schließung gesucht

Nach 15 Jahren wird die Substitutionsambulanz für Drogenabhängige an der Heerstraße in Bonn-Nord voraussichtlich Mitte 2019 geschlossen. Als Grund nannten die Träger unter anderem die überraschende Kündigung der Räume durch den Eigentümer.

Die Substitutionsambulanz an der Heerstraße in der Bonner Nordstadt wird voraussichtlich Mitte nächsten Jahres schließen. Das teilten die Träger der Ambulanten Suchthilfeeinrichtung, die Caritas und Diakonie sowie die LVR-Klinik Bonn, am Montag nach einer außerordentlichen Sitzung mit. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagten unisono Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Hamacher, Caritas-Direktor Jean-Pierre Schneider und Markus Banger, ärztlicher Direktor der LVR-Klinik Bonn.

Grund für die bevorstehende Schließung sei nicht nur eine überraschende Kündigung des Mietvertrages durch den neuen Eigentümer, der andere Pläne für die Ambulanzräume im Erdgeschoss des Gebäudes habe. Es gebe auch einen akuten Mangel an Fachärzten, die ausschließlich substituieren wollen. Dies in der Summe habe zur schnellen Entscheidung geführt, die Einrichtung an der Heerstraße zügig zu schließen, hieß es auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz am Montagmittag. Da hatten die Träger die rund 100 betroffenen Patienten bereits über das Aus der Einrichtung informiert.

Einrichtungsleiterin Linde Wüllenweber berichtete von „großer Betroffenheit“ unter den Patienten. „Einige waren sogar regelrecht schockiert“, sagte Wüllenweber. Schließlich ermögliche die Substitutionsambulanz inklusive der psychosozialen Betreuung den seit vielen Jahren drogenabhängigen Menschen, ein relativ normales Leben führen zu können. Einige könnten sogar wieder einer Erwerbstätigkeit nachgehen, erläuterte Achim Schaefer, Bereichsleiter der von Caritas und Diakonie gemeinsam betriebenen Ambulanten Suchthilfe.

LVR-Klinik will Patienten weiter betreuen

„Gut 15 Jahre haben wir bisher schwerstkranken Menschen an dieser Stelle zur Seite gestanden. Umso mehr bedauern wir, das Angebot einstellen zu müssen“, sagte Caritas-Chef Schneider. Er erinnerte an den vergeblichen Versuch, die Substitutionsambulanz mit der Diamorphinambulanz auf dem Areal der ehemaligen Poliklinik an der Wilhelmstraße zusammenzulegen. Der Plan scheiterte letztendlich am Baurecht (der GA berichtete). Auch hatten Anwohner massiv gegen diese Pläne protestiert. „Eine vertane Chance, um schwerstkranken Menschen effektiv helfen zu können“, ist sich Banger mit allen am Projekt Beteiligten einig. Denn das Angebot helfe nicht nur den Kranken, sondern habe auch für die gesamte Gesellschaft viele Vorteile.

Unter anderem trage es zur Reduzierung der Drogenkriminalität bei, sagte Diakonie-Chef Hamacher. Die Kombination aus medizinischer Betreuung und psychosozialer Beratung hob er als eine Besonderheit der Einrichtung hervor. „Wir hatten in 2017 120 Patienten, mit denen wir 5721 Mal in Kontakt getreten sind.“ Überlegungen, das Angebot an anderer Stelle fortzuführen, habe es trotz der erwähnten Schwierigkeiten, genügend Fachärzte zu finden, auch gegeben. „Doch da sind wir überall auf große Widerstände und Gegenwehr gestoßen.“

Und wie geht es nun weiter? Die Stadt Bonn, die die psychosoziale Beratung in den Ambulanzen mit rund 750 000 Euro im Jahr finanziell unterstützt hat und dieses Geld auch weiterhin für diesen Zweck und die Hilfe der Patienten zur Verfügung stellen will, werde sich mit Caritas, Diakonie und LVR-Klinik um eine tragfähige Lösung bemühen, die den Bedürfnissen der Drogenabhängigen in ähnlich hoher Qualität Rechnung tragen solle, versprach Sozialdezernentin Carolin Krause. Dazu würden unter anderem Gespräche mit Arztpraxen mit Substitutionsangeboten geführt.

Die LVR-Klinik will etwa die Hälfte der Patienten in ihren Räumen weiterhin betreuen, versprach Banger. Dazu zählten vor allem Drogenabhängige mit Kindern und/oder mit zusätzlichen schweren psychischen Erkrankungen. Die Beratung soll nach der Schließung schwerpunktmäßig bei der Abteilung Fachambulanz in Poppelsdorf angesiedelt werden. Das A und O für ein gutes Gelingen unter den geänderten Rahmenbedingungen sei die Kooperationsfähigkeit aller, waren sich die Vertreter von Stadt, Caritas, Diakonie und LVR-Klinik einig.

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