Linie 66 in Bonn: Neue Fahrer sollen für weniger Ausfälle im Nahverkehr sorgen

Nach Kritik an Linie 66 : Neue Fahrer sollen für weniger Ausfälle sorgen

Nach der Kritik am Bonner Nahverkehr hoffen die Stadtwerke auf Besserung. Die Geschäftsführung spricht bereits von einem Rückgang der Ausfallquote. Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis hatten zuvor ein Ultimatum gestellt.

Nach monatelangen Klagen und Beschwerden über Unpünktlichkeit bis hin zu Totalausfällen bei Bus und Bahn, insbesondere bei der Linie 66 gab es jetzt von höchster Stelle wieder Lob für die Stadtwerke Bonn (SWB). Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster (beide CDU) würdigten die von SWB-Technikern entwickelte Lüftungs- und Klimatisierungsanlagen für die alten Stadtbahnen am Dienstag bei einer Präsentation der neuen Technik im Betriebshof Beuel.

Die Lüftungsanlagen sollen jetzt nach und nach in die alten Stadtbahnwagen der SWB eingebaut werden, die im Zuge des sogenannten Zweiterstellungsprojekts bereits instandgesetzt wurden oder noch werden. Vorige Woche noch hatten die Stadt Bonn und der Kreis die SWB über eine gemeinsame Presseerklärung wegen der „nicht mehr akzeptablen Betriebssituation“ auf der Linie 66 heftig kritisiert. Grünen-Kreistagsfraktionssprecher Ingo Steiner hatte, wie berichtet, gar die Gründung einer neuen Betreibergesellschaft für die Linie 66 gefordert. Doch das, so betonte Landrat Schuster noch einmal am Dienstag am Rande der Präsentation, sei nicht zuletzt aus vertraglichen Gründen kaum realisierbar. In ihrer gemeinsamen Erklärung hatten die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis die SWB allerdings aufgefordert, bis spätestens zur gemeinsamen Sitzung der Planungsausschüsse der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises am 3. Dezember Lösungsvorschläge für eine deutliche Verbesserung der Linie 66 vorzulegen.

Wie diese Vorschläge aussehen werden, will Anja Wenmakers, Geschäftsführerin von SWB Bus und Bahn, vorab nicht sagen. Beim Termin in Beuel sagte sie nur so viel: „Die Ausfallquote bei unseren Bussen und Bahnen hat sich seit den Herbstferien insgesamt auf 2,5 Prozent reduziert.“ Zum Vergleich: Die Linie 66 absolviert in einer Zeitspanne von zwölf Stunden rund 150 Fahrten.

Wenmakers verwies außerdem darauf, dass ab Dezember weitere 15 Fahrer eingesetzt werden können, die ihre Ausbildung als Bahnfahrer erfolgreich abgeschlossen hätten. Zur Frage, wie viele von ihnen zusätzlich auf der Linie 66 eingesetzt würden, sagte sie: „Keine Fahrerinnen und Fahrer werden explizit nur auf eine oder zwei Linien eingesetzt – egal ob Bus oder Bahn.“ Durch die Neuzugänge werde aber nachhaltig auch die Linie 66 gestärkt.

Die SWB haben nicht zuletzt den Mangel an geeigneten Fahrerinnen und Fahrern als einen Grund für die Probleme auf Bussen und Bahnen aufgeführt. Nach einer Bewerbungsoffensive haben die SWB Wenmakers zufolge seit Anfang 2018 insgesamt 180 neue Fahrerinnen und Fahrer einstellen können. Auf der anderen Seite haben seither aber auch 80 Fahrer das Unternehmen  wieder verlassen.

Zur Präsentation im Betriebshof geladen waren auch Gabi Mayer (SPD) und Rolf Beu (Grüne). Beide gehören dem Aufsichtsrat SWB Bus und Bahn an und lobten ebenfalls nicht nur die neu entwickelten Lüftungs- und Klimatisierungsanlage für die Stadtbahnwagen, sondern auch die Fortsetzung des Projekts „Zweiterstellung“ mit 15 weiteren alten Bahnen der SWB. Bis 2023 sollen alle 25 Stadtbahnwagen der Baujahre 1974 bis 1977 rundum erneuert und mit der neuen Lüftungsanlage ausgestattet sein. 16 davon sind bereits wieder in Betrieb. Anschließend folgen 15 Bahnen der Baujahre 1983/84, deren Zweiterstellung 2030 abgeschlossen sein soll, erklärte Projektleiter Alexander Wingen. bis 2023 22 neue  Stadtbahnwagen angeschafft werden.