Bonner Köpfe: Lieblingsrollen und Lebensentscheidungen

Bonner Köpfe : Lieblingsrollen und Lebensentscheidungen

Der 18-jährige Justus Einig aus Endenich spielt erfolgreich Theater. Als Beruf ist ihm die Schauspielerei indes zu unsicher: Er will Psychologie studieren.

Er ist beeindruckend eloquent. Er lacht viel, kann gut tanzen, und unter dem Schlabber-T-Shirt spannt sich der Bizeps. Während der Reporter sich zum Interview gnadenlos verspätet – der Verkehr in Bonn, Sie wissen schon – setzt sich Justus Einig mit einem Freund vom Theater entspannt nicht vor den Fernseher oder PC, sondern ans heimische Klavier.

Doch der 18-jährige Sunnyboy – braungebrannt ist er natürlich ebenfalls – hat auch eine andere Seite. Da ist er undurchschaubar, prollig, man könnte sogar sagen: fragwürdig. Im Jungen Theater in Beuel kann man ihm so begegnen. In der Tragikomödie „Tschick“ spielt Einig seit dreieinhalb Jahren eben nicht den spießbürgerlichen Mike, sondern das Milieu-Kid Tschick.

„An keiner Rolle haben wir so lange gearbeitet“, sagt der Endenicher. Es bestand der Spagat, den Jungen aus prekären Verhältnissen ohne Klischees zu spielen und dann auch noch glaubwürdig seinen weichen Kern durchblicken zu lassen. „Im Grunde ist Tschick ja ein richtig netter Kerl“, nimmt der Darsteller seine Rolle liebevoll in Schutz. Die lange Zeit schweißt zusammen. 2018 soll es ebenfalls noch Vorstellungen geben.

Schwierige Rollen übernimmt Justus Einig schon länger – seit er mit seinem Großvater 2011 die Kindersitzung Papperlapapp in der Harmonie besuchte. Spontan beschlossen beide, dort mitzuspielen. Bei den Proben hörte Einig auch von einem Casting des Jungen Theaters und ging hin. Tatsächlich wurde er für eine kleine Rolle in „Peter Pan“ gesetzt. In den Folgejahren spielte er Olaf, den Anführer der „Vorstadtkrokodile“ oder den „tiefbegabten“ Rico in „Rico, Oscar und die Tieferschatten“. Den wesentlich jüngeren Rico mit seinen Denkverzögerungen zu spielen, war für den Teenager ebenfalls herausfordernd. Er sagt: „Seitdem habe ich großen Respekt vor Erwachsenen, die im Theater Kinderrollen übernehmen. Pippi Langstrumpf zu spielen muss ein Wahnsinn sein.“

Einig war auch in der Schultheatergruppe aktiv

Seine Erfahrung hat Einig zuletzt als Juror für das Schultheater-Festival Spotlight eingebracht. Dass er selbst in der Schultheatergruppe des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums aktiv war, ist natürlich Ehrensache. Und mit seinem Großvater Karl-Heinz Potthoff, der bis 2007 Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Lennep war, spielte er in der Trinitatiskirche mehrfach zu Weihnachten gemeinsam die Predigt als Kurzdrama.

Eben erst volljährig, hat der junge Mann sogar einen Eintrag in der International Movie Database (IMDB) auf der Habenseite. Von 2013 bis 2015 stand er nämlich für Steffen Schmidts Kurzfilm-Trilogie „Mit Bobby an meiner Seite“ vor der Kamera. Auch fürs Fernsehen war er schon aktiv, zuletzt für eine Sat1-Serie, die im Herbst ausgestrahlt werden soll.

Das wäre überhaupt sein Traum: Ein paar Aufträge für Film und Fernsehen und ansonsten Rollen am Theater. „Wenn ich sagen müsste, was mir im Leben wichtig ist, käme zuerst das Theater – und dann lange nichts, abgesehen von Familie und Freunden natürlich“, sagt Einig nachdenklich. Den Traum allerdings hat er sich vorerst verboten und sich nach dem Abitur gerade an verschiedenen Hochschulen für ein Psychologie-Studium beworben. „Ich möchte gerne wissen, wie Menschen funktionieren, alleine oder in Gruppen, was sie bewegt, belastet“, hat der Endenicher auch dafür eine gute Begründung. Darüber denke er ohnehin viel nach. Eine Zusage für Wirtschaftspsychologie an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg hat er schon. Aber vielleicht geht er auch weg aus der Region.

„Ich habe gesehen, wie schwer es viele Berufsschauspieler haben. Statt auf der Bühne stehen selbst gute Leute oft vor dem Arbeitsamt“, sagt Einig. Und ein Leben mit ewigen Sorgen mag er sich nicht ausmalen. Man kann förmlich zusehen, wie es in seinem Kopf unter dem modischen Haarschnitt arbeitet. „Vielleicht überlege ich es mir später doch noch anders“, ringt er mit seiner Entscheidung. Den Segen der Eltern hätte Justus Einig wohl auch: „Die sehen ja mit Freude, wie glücklich mich das Schauspiel macht.“

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