Moschee an der Viktoriabrücke: Leuchtendes Minarett

Moschee an der Viktoriabrücke : Leuchtendes Minarett

Nachts wird der Turm der neuen Moschee an der Viktoriabrücke angestrahlt. In den nächsten Monaten geht es mit dem Innenausbau weiter.

Die Ditib-Moschee an der Viktoriabrücke nimmt immer mehr Gestalt an und gibt der Bonner Nordstadt mit ihrem 19 Meter hohen Minarett ein neues Wahrzeichen. Mag der weiße Turm bei Tag noch ein wenig unscheinbar sein, kommt er ab Einbruch der Dunkelheit so richtig zur Geltung. Dann tauchen acht kreisförmig angeordnete Lampen das Minarett in hellgrünes Licht - die Farbe des Propheten Mohammeds und damit die des Islams. Der nächtliche Leuchtturm ist von Weitem zu sehen und zeigt so auch, dass die Ditib-Gemeindemitglieder stolz auf ihre Moschee sind, mit deren Bau sie 2011 begonnen hatten.

"Wir versuchen herauszufinden, wie es am besten wirkt", sagt Mehmet Aksar von Ditib. Es werde wohl auch eine indirekte Beleuchtung des Minaretts geben, auf das gerade die Grundierung aufgetragen wird. Deshalb ist der Turm noch eingerüstet. Allen Gläubigen signalisiert er, dass es dort eine Gebetsmöglichkeit gibt.

Derzeit hält Vorbeter Muhsin Saylan die Gebete noch in dem Altbau ab, in dem sich früher der Malteser Hilfsdienst befand. Dorthin war die Gemeinde vor ein paar Jahren gezogen, hatte den alten Standort An der Esche, ein normales Wohnhaus, aufgegeben. Der Bau der Moschee dauert deshalb schon einige Jahre, weil die Gemeinde nach Auskunft von Vorstandsmitglied Eyüp Akman beschlossen hatte, ohne Kredite auszukommen. "Wir wollten uns nicht verschulden." So wird alles nach und nach über Mitgliedsbeiträge und Spenden - auch von anderen Moscheen - finanziert oder durch die Einnahmen beim Imbiss nach dem Freitagsgebet, wo es türkische Pizza und Getränke gibt.

Es stand aber auch Geld nach dem Verkauf des alten Domizils in Bonn-Castell zur Verfügung. Aksar und Akman schätzen, dass Ditib am Ende 1,8 Millionen Euro investiert haben wird. Rund 300 000 Euro entfallen dabei auf die Renovierung der bestehenden Gebäude, zudem jeweils 750 000 Euro auf den Roh- und den Innenausbau der neuen Moschee. Einiges wurde in Eigenleistung unter Regie von Bauleiter Ekrem Kavakli gestemmt. Der Stuckateur rückte für vieles mit seinen Mitarbeitern an. "Da konnten wir viel Geld sparen", sagt Aksar.

Am Minarett befinden sich die Tiefgarageneinfahrt und ein Nebeneingang. Die große Freitreppe an den Waschräumen erreicht man über den Innenhof, wo derzeit ein Banner hängt: "Lasst uns Hand in Hand für die neue Moschee arbeiten", lautet sinngemäß die Übersetzung der Aufschrift. Die Mosche besteht aus drei Geschossen. Über der Garage stehen derzeit Gerüste im 350 Quadratmeter großen Gebetsraum für die Männer. An den Stellen, wo es keine Fenster gibt, sollen durchscheinende Mosaikscheiben angebracht werden, die von hinten beleuchtet werden und später den Raum heller machen. Zur Straße hin schließen sich 250 Quadratmeter Konferenzräume an, darüber in ähnlicher Größe Klassen- und Seminarräume. Im zweiten Obergeschoss erstreckt sich auch über drei Seiten die Empore für die Frauen rund um den Gebetsraum, der in einer Kuppel mündet.

1000 Quadratmeter umfasst der Neubau, in dem beim Freitagsgebet 400 Menschen Platz haben. Im Gebetsraum wird später ein hochwertiger, feuerfester Teppich ausgelegt. Alles wird barrierefrei, der Aufzug ist schon eingebaut. Auf dem Dach stehen Solarkollektoren, es gibt Fußbodenheizung. "Wir machen nicht nur etwas für uns, sondern auch für die Folgegeneration", sagt Akman. 2016 soll alles fertig sein.

Die Gemeinde gibt sich offen und engagiert sich in der Nordstadt, etwa beim Mackeviertelfest. Einmal im Monat trifft sich die Initiative Muslime und Christen (MuChri). Sie lädt für Sonntag, 23. August, von 15 Bis 18 Uhr zum Sommerfest in Sankt Marien, Adolfstraße, ein. Das MuChri-Gebet der Religionen mit dem Thema "Veränderung" wird am Samstag, 12. September, von 17 bis 20 Uhr im Gemeindeforum Auerberg, Helsinkistraße 4, abgehalten.

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