Straßenfest in Poppelsdorf: Lebensmittelpunkt hinterm Schloss

Straßenfest in Poppelsdorf : Lebensmittelpunkt hinterm Schloss

An diesem Samstag wird es garantiert richtig voll auf der Clemens-August-Straße: Um 11 Uhr beginnt das 33. Poppelsdorfer Straßenfest und bietet, wie immer, jede Menge Aktionen und Livemusik. Die Veranstalter rechnen mit rund 20 000 Besuchern.

Die "Oben ohne"-Saison auf der Cabriolet-Allee neigt sich ihrem Ende zu. An den merklich kühleren Abenden bleiben die Dächer der vorbeifahrenden Autos geschlossen und auch immer mehr Plätze vor den Lokalen der Clemens-August-Straße leer. Die von den Kellnern angebotenen Decken werden von vielen Gästen gerne genommen. Sehen und gesehen werden: Das gehört zur Clemens-Ausgust-Straße wie die Bundesliga zum Wochenende - die die Fans in Scharen an den Fernsehern vor den Kneipen verfolgen.

Gesunder Mix aus Geschäften, Bars und Restaurants

Da stellt sich Peter Weingarten abends gern mal auf einen Poller und schaut über die Menschenmenge. "Das ist der Wahnsinn", sagt der Ortsbundvorsitzende, der mit sechs Leuten im Vorstand zurzeit eine Menge vorzubereiten hat. Rund 70 Stände wird es geben. Neben den Händlern und Wirten sind wieder viele Ortsvereine dabei und die Kolpingjugend mit ihrem Entenangeln. "Man trifft hier immer Bekannte", sagt Weingarten und lobt die familiäre Stimmung.

Das Eis, Nudeln und Pizza kommen von Italienern, das Steak vom Argentinier und ein scharfer Curry vom Inder. Die Tibetbude ist immer rappelvoll, obwohl man nie so ganz weiß, wann sie auf oder geschlossen hat. "Wir haben hier auf kleinem Raum hochwertige Gas-tronomie", sagt Lenka Rink vom Ortsbund, zugleich Wirtin im Gesindehaus. Die zählt die weiteren Nationen und damit kulinarischen Stationen auf: Spanien, Mexiko, Libanon, Türkei, Griechenland sowie Vertreter der asiatischen Küche. Und natürlich auch Deutschland. "Diese Straße funktioniert durch den gesunden Mix", sagt Rink und meint neben den Geschäften auch die Bars und Cafés.

"Das ist der schönste Stadtteil Bonns"

Ihr Kellner Carlos Perez schwärmt von Poppelsdorf: "Als Spanier ist das für mich das Beste. Hier ist abends sogar noch mehr los als in der Innenstadt." Natürlich vor allem im Sommer und beim Autokorso nach gewonnenen WM-Spielen. Der 29-Jährige bringt Simon Gassen gerade ein Bier, der die letzten Sonnenstrahlen genießt. "Ich war eigentlich auf dem Weg nach Hause..." Jetzt surft der 37-Jährige mit seinem Tablet noch ein bisschen im Internet, bis gleich seine Freundin kommt. "Das ist der schönste Stadtteil Bonns", findet der gebürtige Poppelsdorfer.

Aus dem Ort kommt auch Johannes Langel (70). "Die Straße war schon in den 50er Jahren ein Treffpunkt." Damals trafen sich die Vereine im Bönnsch, wo es auch einen Saal gab. Genau wie im "Stief Eck", wo die ersten Karnevalssitzungen gefeiert wurden. Heute befindet sich dort das Bekleidungshaus Rühlmann. In den 50ern fuhren auf der Clemens-August-Straße Straßenbahnen, später O-Busse. Wochentags trifft sich Langel immer mit vier Freunden bei Kamps. "Zum Klönen." Ilva Mix (58) wohnt auf dem Venusberg, kommt aber regelmäßig zum Einkaufen nach Poppelsdorf.

Einmal pro Woche auch zum Essen, diesmal bei Meyers. Heute sollen es Schweinemedaillons sein, während Tochter Katharina sich für die Ofenkartoffel entscheidet. Gern geht sie morgens ins "Extra Dry", wo oft die Bierbänke an der Straße voll besetzt sind. "Man kriegt alles mit, was so los ist", sagt die 28-Jährige. Heute ist ihr Freund Marcus Warmbier (31) aus Düsseldorf dabei, freut sich, noch einmal draußen essen zu können - das Wiener Schnitzel ist schon bestellt.

"Poppelsdorf ist das Schwabing von Bonn"

Zum Nachtisch vielleicht ein Eis auf dem Poppelsdorfer Platz oder bei Aurelio Lazzarin am Botanischen Garten? Wenn der am Samstag offen hat, kommen die meisten auf ein paar Bällchen vorbei. "Im Trend neben den klassischen Sorten sind weiße Schokolade, Joghurt-Waldfrucht und Cookies", sagt Lazzarin. Renate Zierke hat sich für den Walnuss-Becher entschieden.

"Poppelsdorf ist das Schwabing von Bonn", schwärmt die 79-Jährige. Schon als sie 15 war, hat sie ihr Eis an der Clemens-August-Straße gekauft. An solche Zeiten erinnert die Aufschrift "Soravia" auf Lazzarins Stromkasten. So hieß noch vor "Talamini" einer seiner Vorgänger.

Mehr von GA BONN