Vereinsjubiläum Salsa in Bonn: Lateinamerika am Rhein

Vereinsjubiläum Salsa in Bonn : Lateinamerika am Rhein

Der Verein Salsa in Bonn feiert sein 15-jähriges Bestehen. Bei großen Veranstaltungen kommen bis zu 1000 Salseros.

Ein flotter Viervierteltakt lässt Daniela und Dominik auf der Tanzfläche aufleben. Zu den fröhlichen Melodien lateinamerikanischer Popmusik bewegen sie Füße, Hüfte, Arme, Hände – mal in lässiger Distanz, mal eng umschlungen genießt das Paar den Rhythmus. Steife Formalität sucht der Betrachter vergeblich, die Kleidung ist bequem, das Lächeln ungezwungen. „Salsa ist Freiheit“, erklären die beiden später bei einem Bier in der Sitzecke der „Tanzbar“ am Bertha-von-Suttner-Platz, eine der lokalen Adressen für die regelmäßige Salsadosis.

Die Szene blickt mit freudiger Erwartung auf den kommenden Samstag: Dann feiert der Verein Salsa in Bonn sein 15-jähriges Bestehen. Die Gründung im Oktober 2001 war eine Herzensangelegenheit von 22 Tanzliebhabern, erinnert sich Christine Tschirren, Tanzbar-Inhaberin und erste Vorsitzende des Vereins, der auf rund 170 Mitglieder angewachsen ist. „Wir wollten weniger Konkurrenzdenken und mehr Gemeinschaftsgefühl.“ Sie berichtet vom Projekt Mesa Redonda (spanisch für runder Tisch), von dem die Szene profitiert habe: Koordination von Terminen, Vermittlung bei Konflikten, gemeinsames Auftreten bei Problemen. „Das hat viel gebracht“, sagt Tschirren und erntet ein zustimmendes Nicken der anwesenden Salsafreunde.

Aber auch den gelegentlichen Rückschlag muss die Szene verkraften, das juristisch verordnete Ende der beliebten Partyreihe im Anno an der Kölnstraße liegt vielen noch schwer im Magen. „Früher konnte man in Bonn an sechs Tagen in der Woche Salsa tanzen“, beschreibt Vereins-DJ Dirk Thiedmann die goldene Zeit des Salsafiebers. Heute sei das aus Mangel an Räumen schwer zu realisieren, man müsse dafür den Kölner Raum und das Ruhrgebiet mit einbeziehen.

Genau hier setze der Verein an, erklärt Tschirren: „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Veranstaltungsorten, auch damit wir nicht zu abhängig von einer der Tanzschulen werden.“ Neben den regulären Workshops, Partys und Konzerten zähle das Salsa-Boot zu den besonderen Highlights des Jahres – zu Beginn mit 180 Plätzen auf der Moby Dick, inzwischen mit 350 auf der MS Beethoven. „Die Karten sind immer ausverkauft, zu den größten Terminen kommen bis zu 1000 Gäste“, sagt die Vorsitzende freudestrahlend.

Die Popularität, die der exotische Gesellschaftstanz in Deutschland seit den Achtzigerjahren genießt, ist den aktiven Salseros und Salseras kein Rätsel. Die Tanzhaltung sei nicht so steif wie im Standard, einstudierte Figurenfolgen gebe es nicht. „Der Herr führt, die Dame kann und muss sich fallen lassen, sonst funktioniert es nicht. Die Überraschung ist für mich ein besonderer Reiz“, verrät Daniela Winterscheidt. Die gebürtige Bonnerin hatte schon Erfahrung mit spanischem Tanz, als sie über Partyeinladungen die Szene für sich entdeckte. Wie die anderen weiß sie die stets lockere Atmosphäre zu schätzen. Der Verein bietet auch familienfreundliche Veranstaltungen wie den Salsabrunch an, die für viele attraktiv seien, ergänzt Tschirren.

Dominik Stiller ist zum Studium nach Bonn gekommen und seit drei Jahren aktiv; auch er wurde im Bekanntenkreis darauf aufmerksam. Die anderen erzählen ähnliche Geschichten – kein Zufall, meint Tschirren: „Die Szene ist wie eine Familie. Wir haben Tänzer von 20 bis 80, feste Partner sind nicht üblich, jeder tanzt mit jedem. Im Ausland kann ich einfach in eine Salsabar gehen und finde dort Anschluss.“ Die Geschlechter seien relativ ausgewogen verteilt, weil viele Frauen sich inzwischen, etwa im Zumba, auch ohne männlichen Partner betätigen könnten, vermutet sie. „Jeder kann Salsa lernen“, sind die Tanzfreunde sich einig, ein Mindestmaß an Disziplin sei jedoch erforderlich. „So richtig lässig sieht es erst mit einigem Training aus“, weiß Dominik aus eigener Erfahrung.

Nach der Getränkepause geht es wieder auf die Tanzfläche, die Vorfreude auf das Jubiläum steht vielen ins Gesicht geschrieben. Es gibt allen Grund zum Feiern: „Durch unser Engagement ist die Bonner Salsafamilie näher zusammengewachsen“, sagt Tschirren und nimmt ihren Salsageschwistern damit das Wort aus dem Mund.