1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Rosenmontag in Bonn: Lange Samba en d'r City

Rosenmontag in Bonn : Lange Samba en d'r City

In Bonn ist der Rosenmontag schon längst nicht mehr nur für die Bonner ein Höhepunkt. Die Leute kommen von überall her, um sich das Spektakel anzusehen.

Vor allem mittendrin, in den Fußgruppen und auf den Wagen, ist es bunt. Da rufen Chinesen lauthals "Alaaf", Bolivianer schwingen die Hüften und Afrikaner zeigen einen Salto aus dem Stand. Nur die riesige Hunnenhorde ist vermutlich nicht echt, das steckt so mancher Bönnsche unter Hörnern und Fell. Mehr als 250.000 Besucher erleben bei Sonnenschein einen Zug wie aus dem Bilderbuch - voller toller Kostüme, neuer Wagen und vor allem Ideen.

[kein Linktext vorhanden]Nehmen wir das Barrierenaufräumkommando der Aktion Mensch: Die Jecken kommen in leuchtenden Warnwesten und mit roten Baustellenhelmen. Sie halten Verkehrsschilder hoch, auf dem ein Rollstuhlfahrer mit Narrenkappe abgebildet ist. Leider scheitert er an Treppen. "Wir engagieren uns dafür, dass Barrieren in der Umwelt und im Denken verschwinden", sagt die Gruppe und ihre Gebärdendolmetscherin übersetzt.

[kein Linktext vorhanden]Das Prinzenpaar tritt seine Tour durch die Stadt völlig entspannt und gelassen an. "Volksnähe war uns immer wichtig, und wie haben viel von den Leuten zurückbekommen", sagt Jürgen I. "Schon der Marsch zum Zug mit den Stadtsoldaten war klasse", sagt Bonna Nora I. und freut sich auf den Zug. "Ich strahle wie die Sonne."

Der Prinzenwagen ist natürlich der Höhepunkt am Ende. Doch es geht, rein in Metern gemessen, noch höher: Piraten ziehen auf einem riesigen Holzschiff durch die Straßen, immer eine Handbreit Asphalt unter dem Kiel. Dazu passen die Wasserwelten der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die in blauen Müllsäcken samt Fischen im Netz mitgehen. Auf einer rekordverdächtig großen Narrenkappe reiten die "KeinClownMützen". Wer die Besatzung des Pann-Huh-Wagens sehen will, muss ebenfalls die Köpfe weit nach oben recken - und blickt dann ins Pokerface der Hobbyköche, die sich die Spielhölle Las Vegas als Motto ausgesucht haben.

[kein Linktext vorhanden]Sehr schön: Der Wagen ist in alter Tradition mit bunten Kreppröschen verziert, genau wie die schnittige Limousine der aus Facebook bekannten Gruppe "FK bönnsch dropp". Der größte Hit ist der rote Doppeldeckerbus vom Beat Club Greven: Vom Sonnendeck aus spielt die Band "Hang on Sloopy" - die 60er Jahre sind zurück. Ein Heimspiel hat die Bonner Band Handmade, greift für "Alles, was ich will" in Tasten und Saiten.

[kein Linktext vorhanden]Mit "Geh Alte schau mi net so deppert an" macht sich der Fanfarrenzug Neuhof/Harz auf seinen musikalischen Weg. "Wir haben 60 Lieder im Sortiment", sagte eine Trompeterin. Doch warum gucken die niederländischen Musikanten immer so ernst? Das liegt an ihrer festgelegten Marschordnung. "Die haben Spaß und frieren auch nicht. Ehrlich", sagt Zugleiter Axel Wolf. "Ist der Drache nicht toll", sagt eine Närrin im Volk und bestaunt das grüne Ungetüm, aus dessen Nüstern Nebelschwaden wabern. Ein paar Meter weiter haben die Bönnschen Chinese noch so ein Vieh dabei - diesmal goldglänzend.

[kein Linktext vorhanden]Beachtenswert ist auch, wie Schüler, ihre Lehrer und Eltern aus ganz Bonn sich jedes Jahr ins Zeug legen und tolle Kostüme schneidern. Passend zum Sessionsmotto "Bönnsche im Jlöck - domols wie höck" marschiert die Emilie-Heyermann-Schule als vierblättrige Kleeblätter mit. Eine nicht endenwollende Ferkelei ist der Tross der Katholischen Jugendagentur Bonn, wo alle ein rosa Plüschschwein auf dem Kopf tragen. Mit dabei: Glücks- und Sparschweine - und 'ne faule Sau.

[kein Linktext vorhanden]Auf einmal reckt ein Clown vom Circus Comicus sein Hinterteil in die Menge. Das hängt voller Gummibärchentüten. Jedes Kind darf sich eine abreißen. Süß sind die kleinen Teddybären der gleichnamigen KG auf ihrem Räuber-Wald-Wagen. Politisch wird's mit den Mottowagen. Da geht's um die Bonner Kandidatenachterbahn zur OB-Wahl und die ständige Lärmdiskussion. Aber keine Sorge, im Zug muss niemand flüstern. Drei Stunden und zehn Minuten dauert es, bis alle an den Jecken vorbeigezogen sind. Ein kurzweiliges Vergnügen.