Landesbehördenhaus Bonn: NRW will Gebäude an Friedrich-Ebert-Allee verkaufen

Gebäude steht zum Verkauf : Stadt ist Landesbehördenhaus in Bonn zu teuer

Das Landesbehördenhaus an der Friedrich-Ebert-Allee steht seit 16 Jahren leer und ist mit Schadstoff belastet. Nun bietet das Land Nordrhein-Westfalen das Geäude für bis zu 80 Millionen Euro zum Verkauf an. Die Stadt Bonn winkt ab, Politiker wollen sich aber beraten.

Seit 16 Jahren steht das ehemalige Landesbehördenhaus an der Friedrich-Ebert-Allee leer. Ideen für die Nutzung gab es viele, realisiert wurde bisher nichts. Jetzt will der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW die Immobilie, in dem einst bis zum Umzug nach Ramersdorf auch das Polizeipräsidium beheimatet war, samt dem 50.000 Quadratmeter großen Grundstück in bester Bürolage verkaufen.

Die Stadt Bonn hätte den ersten Zugriff. Doch sie winkt ab: Neben der Kaufsumme von 50 bis 80 Millionen Euro kämen Abriss- und Grundstücksentwicklungskosten dazu. Die Rede ist insgesamt von einem dreistelligen Millionenbetrag. Die Ratsmehrheit dagegen will sich in ihrer Sitzung an diesem Donnerstag noch nicht festlegen.

Altbau auf Friedrich-Ebert-Allee gilt als schwer sanierbar

Das Grundstück mit dem 1974 errichteten Landesbehördenhaus und einem später erfolgtem Anbau, in dem sich heute Institute der Bonner Universität befinden, ist eines der wichtigsten Entwicklungsareale, die in Bonn noch verfügbar sind. Der Altbau gilt als schwer sanierbar: Dort haben seit dem Wegzug des Polizeipräsidiums Spezialkommandos der GSG 9 und auch der Polizei Übungen abgehalten – unter anderem haben sie für etwaige Amokläufe trainiert, wovon zahlreiche Einschusslöcher zeugen. Auch ist die Immobilie schwer schadstoffbelastet. Letzteres schloss unter anderem die Nutzung als Notunterkunft aus, wie sie während der Flüchtlingswelle 2015/16 angedacht worden war.

Angesichts der Größenordnung sieht sich die Stadt, wie aus einer vertraulichen Vorlage für die Ratssitzung hervorgeht, personell nicht in der Lage, dort eigenständig Stadtentwicklung zu betreiben. Der Ankauf und die Entwicklung des Areals „ist auch für langjährig erfahrene Projektentwickler eine große Herausforderung“, heißt es in der Vorlage. Auch eine Stadtentwicklungsgesellschaft, „die erst der Gründung bedarf“, könne so ein Projekt nicht leisten. Allerdings könne die Stadt Bonn mit ihren kommunalpolitischen und planungsrechtlichen Steuerungsmöglichkeiten Einfluss auf die Grundstücksentwicklung und spätere Nutzung nehmen, so die Verwaltung.

Auch Investoren könnten das Landesbehördenhaus kaufen

Ob diese Steuerungsmöglichkeiten indes greifen, wenn das Land das Areal an den Meistbietenden verkauft? Politiker sind skeptisch. „Wenn ein Investor einen hohen Preis zahlt, will er das Grundstück auch möglichst wirtschaftlich nutzen“, so der Wirtschaftsexperte der CDU-Ratsfraktion und Landtagsabgeordnete  Guido Déus. Das A und O sei, dass die städtischen Interessen gewahrt würden, ist er sich mit den Bündnispartnern der Grünen und FDP einig. Dazu gehöre eine Mischung aus Wohnen und Arbeit. „Wir haben noch viele Fragen und werden die in den zuständigen Fachausschüssen beraten.“ Aus der Landesregierung habe er das Signal, dass der Stadt bezüglich des Verkaufs auch nicht die „Pistole auf die Brust“ gesetzt werden solle. „Das Gebäude steht wahrlich schon lange genug leer.“

Für Helmut Redeker (SPD) ist das Kaufangebot an die Stadt der ideale Anlass, jetzt die seit langem geplante Stadtentwicklungsgesellschaft zu gründen. Er sehe eine solche Gesellschaft durchaus als fähig an, das Projekt zu stemmen, sagte er. Die Linksfraktion kann die Bedenken der Verwaltung nicht nachvollziehen, wie Ratsherr Holger Schmidt betonte. Seine Fraktion sehe die große Chance, dort dem dringenden Bedarf an geförderten Wohnungen Rechnung zu tragen.

Die Verwaltung bringt die Möglichkeit ins Gespräch, im Zusammenhang mit den Plänen für Sanierung oder Neubau des Stadthauses durch einen Investor auf dem Areal eventuell auch eine temporäre Unterkunft für die Bediensteten errichten zu lassen.

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