Kopfpilz an Bonner Schulen: "Lästig, aber nicht gefährlich"

Kopfpilz an Bonner Schulen : "Lästig, aber nicht gefährlich"

Mittwochmorgen vor der Carl-Schurz-Schule. Ein Kamera-team filmt vor dem Gebäude an der Hirschberger Straße. Einlass finden die Reporter nicht. Schulleiterin Claudia Köse weist sie freundlich, aber bestimmt ab. Wie ihre Kollegen von der Nachmittagsbetreuung der offenen Ganztagsschule, die an dem Vormittag eine Straße weiter mit anderen Erziehungskräften der Stadt Bonn am Kita-Streik teilnehmen, will sie sich zum aktuellen Kopfpilz-Fall an ihrer Schule nicht äußern.

Zwei Mütter, die in der Nähe der Schule mit Kinderwagen unterwegs sind, haben von dem neuen Fall noch gar nichts gehört. "Wir wissen nur von den Fällen im Montessori-Kindergarten. Der war doch deswegen auch lange geschlossen", sagt eine und zieht - als wolle sie das Kind vor dem Pilz bewahren - ihrem Baby im Wagen die Kapuze über den Kopf.

Wenig später auf einer spontan einberufenen Pressekonferenz teilt die stellvertretende Leiterin des städtischen Gesundheitsamtes Susanne Engels mit, dass neben der Carl-Schurz-Schule noch an zwei weiteren Schulen in Bonn jeweils ein Kind an der gefürchteten Kopfpilzart Microsporum audouinii erkrankt ist. "Dieser Kopfpilz ist lästig, aber nicht gefährlich", sagt Engels. Allerdings ist sie nur durch eine langwierige Therapie in den Griff zu bekommen. Zudem kann er den Mensch längst befallen haben, ohne dass man etwas spürt oder etwas zu sehen ist.

Neben Engels sitzen mit sichtlich angespannten Mienen ihre Kollegin Sabine Kieth, Sabine Lukas vom Jugendamt, zuständig für die offenen Ganztagsschulen in Bonn, Schulamtsleiter Hubert Zelmanski und Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Das Interesse der Medienvertreter ist groß. Engels listet auf: "Wir haben bislang 14 Fälle mit dem Kopfpilz nachgewiesen. Darunter sind sieben Kindergartenkinder, ein Kind der Carl-Schurz-Grundschule, zwei Elternteile, ein Erwachsener, der den betroffenen Familien nicht zuzuordnen ist, ein Geschwisterkind und zwei Schüler von unterschiedlichen Schulen."

Diese beiden Fälle sind erst am Morgen bekannt geworden. Um welche Schulen es sich handelt, will Zelmanski noch nicht sagen. Weil dort außer der Schulleitung es noch niemand weiß. Lehrer und Eltern sollen aber zeitnah in Kenntnis gesetzt werden. "Wir haben vorsorglich die Abschlussfahrt einer vierten Klasse an der Carl-Schurz-Schule abgesagt", sagt Zelmanski.

Im Montessori-Kinderhaus, wo Anfang März die ersten Kopfpilz-Fälle aufgetreten waren, hat das Gesundheitsamt bei rund 280 Personen einen Bürstenabstrich gemacht, sagt Kieth. Darunter 60 Mitarbeiter, von denen aber allesamt negativ waren. Wie viele Tests an den Schulen nötig sein werden, wisse sie noch nicht. Mit der Diagnostik habe man nun ein Bonner Labor beauftragt. Es soll alle Proben testen.

Eine Schließung der Schulen, wie damals die Kita, halten sie und Engels nach Rücksprache mit Professor Martin Exner vom Hygieneinstitut der Bonner Uniklinik nicht für erforderlich, sagen sie. Es genüge, die Räume zu desinfizieren, in denen sich die betroffenen Kinder aufgehalten hätten. Personalratsvorsitzender Christoph Busch fordert dagegen die umgehende Schließung der betreffenden Schulen und kritisiert, dass er nicht umgehend über die neuen Kopfpilz-Fälle informiert worden sei.

Herkunft und Behandlung

Der hochinfektiöse Kopfpilz (Microsporum audouinii) befällt vorwiegend Kinder, daher wird er auch "Kinderkopfschänder" genannt. Auf dem Kopf juckt und brennt es stark. Dann brechen die Haare ab und wachsen nicht mehr, wenn der Pilz nicht behandelt wird. In den sechziger Jahren war der Pilz auch in Deutschland weit verbreitet, galt aber bis vor einigen Jahren als ausgerottet.

Experten, wie der Labordirektor an der Münchner Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Martin Köberle, vermuten, dass der Pilz durch Personen wieder neu eingeschleppt worden ist, die sich in Ländern der dritten Welt, vor allem in Afrika aufgehalten haben. Wie lange die Inkubationszeit ist, ist kaum zu sagen, weil der Pilz auch lange unerkannt bleiben kann, weiß Vize-Gesundheitsamtschefin Susanne Engels.

Nach dem Test dauert es bis zu drei Wochen, bis ein Ergebnis vorliegt. Dazu werden Kulturen angelegt. Heute können auch Kinder medikamentös gut behandelt werden. Allerdings dauert die Therapie viele Wochen. Geeignet ist Engels zufolge das Medikament Griseofulvin, das es in Tabletten- und in Saftform gibt. Hinzu sollte das Haar mit einem speziellen Shampoo gewaschen werden.