Stadthaus-Garage: Kunst zwischen parkenden Autos

Stadthaus-Garage : Kunst zwischen parkenden Autos

Wer den Zebrastreifen in der Stadthaus-Garage überqueren will, zieht im letzten Moment den Fuß zurück: Auf dem Asphalt finden sich nicht die üblichen weißen Striche, sondern Bahnen aus verspieltem orangefarbenen Blümchenstoff. Darf man darauf treten?

Durch ihre Installation verbindet die Künstlerin Ulrike Oeter Gewohntes mit Ungewohntem und genau das ist das Ziel der Projektreihe "Kunstorte". 16 Künstlerinnen und Künstler unterhalten noch bis Donnerstag kleine temporäre Ateliers inmitten der dicht beparkten Stellplätze des Stadthauses. Ihre Werke treten in einen Dialog mit der schmucklosen Architektur und dem nüchternen Zweck der Umgebung. "Wir suchen uns regelmäßig ein ungewöhnliches Umfeld", sagt der Initiator, der als Künstler unter dem Pseudonym Er_ich.eS arbeitet. "Das hier ist unser elftes Projekt, aber das erste, das nicht unter freiem Himmel ist. Es vermittelt eine besondere Spannung."

"Diesen Parkplatz bitte am 16.5.14 nicht mehr nutzen" steht auf einem Schild neben dem "Atelier" von Sabine Herting. Zum Glück haben sich alle daran gehalten, sodass die Künstlerin mit dem sportlichen blonden Kurzhaarschnitt das ölbefleckte Karree tatsächlich frei gestalten kann. In knallroter Jacke, mit leicht staubiger Jeans sitzt sie am Samstagmorgen auf dem Boden und verrührt eine Mehl-Wasser-Mischung zu Kleister. "Man darf hier keine Angst haben, sich schmutzig zu machen." Sie lächelt. "Für das Publikum ist das ein ungewohnter Ort, für uns aber auch." Herting entwirft einen autoreifenartigen Kreis von zwei Metern Durchmesser, der ganz aus Reiskörnern besteht. "Es erschreckt erst mal, denn Lebensmittel gehören nicht auf den Boden. Genauso unpassend ist es aber, sie in den Tank eines Autos zu stecken, wie das beim Bio-Benzin passiert." Während sie pinselt, erlebt die Bornheimerin ganz unterschiedliche Reaktionen der Passanten: "Manche kommen neugierig herüber und suchen das Gespräch, andere haben Berührungsängste." Susanne Zielhöfer aus Köln hat schon ihr Ticket bezahlt und muss schnell zum Wagen. Aber ein paar Blicke riskiert sie doch. "Plötzlich lockert hier etwas ganz Organisches diese Beton-Optik auf - das gefällt mir gut."

Auf einem Platz für Car-Sharing-Autos hat sich Olaf Menke niedergelassen. Mit einer Feile zermahlt er Brocken heller Normandie-Kreide zu feinem Staub und überzieht den Boden im Siebdruckverfahren mit floralen Mustern. Handflächengroße Ton-Autos hat er mit den Vorderteilen so zusammengeparkt, dass auch sie eine Blumenform ergeben. "Wenn hier wieder echte Autos fahren, wird nach und nach alles verschwinden." Doch das passiert erst nach dem 22. Mai. Bis dahin setzen die Künstler auf viele spannende Zufallsbegegnungen mit ihrem Publikum. Schließlich ist das Parkhaus rund um die Uhr geöffnet.

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