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Kultur in Bonn - Kunstrasen-Veranstalter Nötzel: "Seniorenbespaßung"

Harte Kritik vom Kunstrasen-Veranstalter : „Bonner Kultur ist Seniorenbespaßung in elitären Kreisen“

Der Kunstrasen-Veranstalter Martin J. Nötzel geht mit der Bonner Kultur hart ins Gericht. Wenn es nach ihm ginge, könnten auch Rammstein im Theater Bonn auftreten.

Bereits zum dritten Mal fand im Kleinen Theater das launige Kulissengespräch statt. Diesmal hatte Sportmoderatorin Sabine Köhne-Kayser KunstRasen-Veranstalter Martin J. Nötzel zu Gast. Das Ziel, „ein Gespräch in Wohnzimmer-Atmosphäre“ ging an diesem Vormittag voll auf, denn die passende Kulisse bestehend aus Bett, Sofa und Tisch sorgte für eine wohlige Stimmung.

Auf dem Sofa hatten es sich Köhne-Kayser und ihr Gast gemütlich gemacht. Eigentlich sollte an diesem Vormittag Ernst Ludwig Hartz neben der Moderatorin Platz nehmen. Der KunstRasen-Veranstalter hatte aber kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Sein Veranstaltungspartner Nötzel sprang ein. Wer also jetzt auf spannende Anekdoten aus dem Umfeld der Stars gehofft hatte, musste auf „ein anderes Mal“ vertröstet werden, denn Hartz und Nötzel teilen ihre Aufgaben klar auf. Hartz kümmert sich um die Künstler und Nötzel ist für die Spielstätte verantwortlich. „Wir sitzen in einem Boot, haben aber verschiedene Ruder“, erklärte Nötzel. „Hartz ist gut in der europäischen Musikszene vernetzt – er hat eine klare Idee von Musik, die er auch lebt“, so der Bonner.

Nötzel erzählte von seinen Anfängen in der Bonner Kulturszene und erklärte den Zuschauern, warum die Rheinkultur ihr Ende fand und was in der heutigen Szene schieflaufe. Auf Letzteres angesprochen, holte der Veranstalter aus: „Die Bonner Kultur ist Seniorenbespaßung für elitäre Kreise“, sagte er. „Für die jungen Menschen fehlt hier einfach das Angebot und so fahren die dann eher nach Köln.“ Das Publikum nickte zustimmend.

„Die Bonner Oper ist wunderbar, ich frage mich nur, warum dort nicht Bands wie die Ärzte, Rammstein oder die Toten Hosen spielen?“, so Nötzel. Er vermisse hier den klaren Zeitgeist von 2019. „Keiner wagt mal was – die Spielhäuser müssen sich der Gesellschaft mehr öffnen“, forderte er. „95 Prozent der Menschen gehen eher zu freien Kulturveranstaltungen wie zum KunstRasen – auch, weil wir hier Erlebbares bieten und das wird eben gut besucht.“

Ein weiteres Hindernis sieht der Veranstalter auch im Gestaltungswillen der jungen Menschen, denn der sei einfach nicht mehr vorhanden, so Nötzel. „Wir leben in einem Land wo alles fertig ist – wenn wir etwas bewegen wollen, muss etwas Altes abgerissen werden und Gelder bekommt man nur, wenn man sie Anderen wegnimmt.“ Schon während seiner Jugend habe Nötzel das Kulturprogramm selbst in die Hand genommen. „Wir haben in der Schulzeit zwei Bühnen in die Rheinaue gestellt und Bands spielen lassen – das war erstaunlich gut besucht“, erzählte er. „Der Wunsch gestalten zu wollen war da, und wir waren frech genug, um es einzufordern.“

Das die Rheinkultur ihr Ende fand, daran habe die Stadt laut Nötzel auch ihren Anteil. „Die Veranstaltung ist einfach zu groß geworden und wir hatten wegen des schlechten Wetters finanzielle Einbrüche – Daher wurde es schwer, die Auflagen zu erfüllen“, berichtete er. So habe man zeitweise 150 000 Menschen auf dem Gelände gehabt, da sei die Verantwortung enorm. Um die Sicherheit weiterhin gewährleisten zu können, hätte man mehr Zuschüsse gebraucht, die die Stadt aber nicht bezahlen wollte. Man habe versucht Gespräche über weitere Zuschüsse zu führen, wirklich zugehört hätte laut Nötzel aber niemand. „Hätte die Stadt uns geholfen, gäbe es die Rheinkultur noch heute“, so Nötzel.

Die nächsten Kulissengespräche stehen schon fest: Am 19. Januar wird die ehemalige EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies zu Gast sein. Am 16. Februar folgt ihr dann Intendant Moritz Seibert vom Jungen Theater Bonn.