Gemeinsames Lernen: Künftig drei Förderkinder pro Klasse

Gemeinsames Lernen : Künftig drei Förderkinder pro Klasse

Mit Lob für die "vorbildliche Arbeit" der Gesamtschulen im Bereich Gemeinsames Lernen reagiert die Schulaufsicht der Bezirksregierung auf den Brandbrief der Elternvertreter aller fünf Bonner Gesamtschulen.

Wie berichtet, hatten die Eltern davor gewarnt, diesem Schultyp neben den Hauptschulen im kommenden Schuljahr fast die gesamte Verantwortung für Inklusion in weiterführenden Schulen zu übertragen, ohne das Personal zu verstärken. Sie befürchten statt derzeit zwei im nächsten Schuljahr drei Förderkinder pro Klasse zugeteilt zu bekommen.

Freia Johannsen, Pressesprecherin der Bezirksregierung, erklärt nun auf GA-Anfrage, die Plätze für Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf würden im Regierungsbezirk Köln immer einvernehmlich in sogenannten "Inklusionsrunden" verteilt. "Dabei wird innerhalb der gesetzlichen Vorgaben versucht, dem Elternwillen zu entsprechen, der durch die Anmeldung an der jeweiligen Schule -beziehungsweise Schulform dokumentiert wird."

Das Platzangebot für Kinder im Gemeinsamen Lernen (GL) werde unter Beteiligung aller Schulformen dem steigenden Bedarf angepasst, so Johannsen auf den Vorwurf, Gymnasien seien nicht eingespannt. "Aktuell sind rechnerisch durchschnittlich 2,1 Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf pro Klasse in den weiterführenden Schulen des GL." Mit dieser Quote liege Bonn deutlich unter den aktuellen Werten der Schulamtsbezirke in der Rheinschiene. Johannsen fügt aber hinzu: "Zukünftig werden rechnerisch durchschnittlich etwa drei Kinder je Klasse am GL teilnehmen." Womit also die Befürchtungen der Eltern Realität würden.

Zur Forderung nach weiterer personeller Ausstattung erklärt Johannsen: "Allen weiterführenden Schulen, die das GL derzeit schrittweise aufbauen, werden entsprechend dem Zuwachs an Kindern jährlich weitere Lehrerstellen zugewiesen."

Dirk Prinz, Vorsitzender der Fachgruppe Gesamtschule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bonn, warnt jedoch davor, ohne genaue Angaben künftig auf weitere Personalstellen zu hoffen. Denn die aktuelle Personalzuweisung bei 60 Prozent aller Förderkinder laufe nicht nach der verlässlichen Schüler-Lehrer-Relation, sondern werde nur aus einem festen Budget gespeist. In den Gesamtschulen würden die Bedingungen also leider umso schlechter werden, je mehr Kinder mit Förderbedarf sie zugewiesen bekämen.

Prinz kritisiert, dass weiterhin neben den Haupt- die Gesamtschulen die Hauptverantwortung für Inklusion tragen müssten. So zu tun, als wolle die Schulaufsicht schon immer Inklusion in Gymnasien, aber niemand sei gekommen, sei "mehr als Heuchelei". Die Bonner Gymnasien fürchten wiederum, so ihre bisherigen Äußerungen in den Ausschüssen, dass Kinder, die wohl keinen Abschluss erreichen würden, in ihrer Schulform schwierig zu fördern seien.

Man unterrichte zielgleich und nicht, wie hier erforderlich, zieldifferent. Ihre neue Sprecherin Inge Stauder will sich nächste Woche dazu äußern.

Die Bonner Schulausschuss-Vorsitzende Dorothee Paß-Weingartz teilt die Sorgen der Gesamtschuleltern. "Um dem Rechtsanspruch von Kindern mit Behinderung auf einen Regelschulplatz nachzukommen, müssen sich auf Dauer alle Schulformen der zieldifferenten Förderung öffnen." Hoffentlich sei durch den Brief ein Prozess angestoßen.

Von den Leitern der fünf Gesamtschulen war bis gestern noch keine Stellungnahme zu erhalten.

Antrag der Linksfraktion im Stadtrat

Anatol Koch von der Linksfraktion im Bonner Stadtrat will beantragen, dass die Schulaufsicht gemeinsames Lernen auch in Gymnasien einrichten soll. Wenn erkannt werde, dass mit sonderpädagogischer Unterstützung zieldifferentes Lernen auch in Gymnasien möglich sei, würden auch mehr Eltern von Förderkindern diesen Schulformwunsch nennen, so Koch.