Verwirrung in Bonn: Kritik an neuer Verkehrsführung in der Kaiserstraße

Verwirrung in Bonn : Kritik an neuer Verkehrsführung in der Kaiserstraße

Es herrscht jede Menge Unverständnis über die Pläne der Stadt für die Kaiserstraße in Bonn und den erweiterten Cityring. Es melden sich Anwohner und Händler, die bei der neuen Verkehrsführung nur noch den Kopf schütteln.

Die Verwirrung ist spürbar: Die Betreiber der Geschäfte an der Kaiserstraße sind sich einig in ihrem Unverständnis über die Pläne der Stadt, die Straße fahrradfreundlicher zu gestalten und einen erweiterten Cityring am Hofgarten entlangzuführen.

Das Ehepaar Monika und Dirk Weber betreibt an der Kaiserstraße seit 40 Jahren ein Geschäft für Kunstbedarf. Die geplante Umleitung für stadteinwärts fahrende Autos von der Kaiserstraße über die Nassestraße halten sie für eine „völlig verrückte Verkehrsführung“.

„Hat sich schon mal jemand überlegt, dass wir beliefert werden müssen, zum Teil mit größeren Lkw?“, empört sich das Ehepaar. Die Umleitung bedeute eine vollständige Überlastung für die kleinen Straßen. Und wie die tonnenschweren Lastwagen an der Kreuzung Nasse- und Lennéstraße überhaupt um die Ecke kommen sollen, ist ihnen schleierhaft.

Von einer Ausnahme der Teilsperrung für Lieferfahrzeuge wissen sie nichts, und auch von der Stadt gab es dazu am Montag keine Stellungnahme. Nach bisherigem Stand soll den Anliegern die Durchfahrt ermöglicht werden, dazu müssten auch die Anlieferer der Händler gehören. Doch wirklich gesprochen hat mit ihnen noch keiner.

Händler schlägt autofreie Innenstadt vor

„Ja, das mit der Anlieferung könnte problematisch werden“, meint auch Michael Tag vom Fahrradladen Rückenwind. Sein Vorschlag als Händler: Eine ausnahmslos autofreie Innenstadt. Man brauche in Innenstädten keine Autos, müsse sich aber Gedanken über Alternativen für Pendler machen. In einem Punkt befürwortet er jedoch die neue Regelung, und das ist die Erweiterung des Fahrradweges um eine Umweltspur.

„Das ist alles viel zu eng hier, da verstehe ich, wenn Leute sich nicht sicher fühlen und das Rad lieber zu Hause lassen.“ Ein großer Verfechter des Radverkehrs ist auch Holger Schwab, Inhaber des Buchladens 46 in der Kaiserstraße. Bekannt ist er nicht zuletzt aufgrund seines Fahrradlieferservices mit einem Lastenrad. Er, der sich selbst vor Kurzem eine Schulterverletzung durch einen Sturz mit dem Fahrrad zugezogen hat, sieht die Einführung der Umweltspur jedoch kritisch.

Verkehrsregelung von September bis März

Vom 1. September bis 31. März soll testweise die Kaiserstraße für Autofahrer nur noch stadteinwärts bis zur Nassestraße befahrbar sein. Parallel wird der erweiterte Cityring ausprobiert. Die Fahrbahnspur stadtauswärts wird zur Umweltspur, auf der nur Radler und Busse Richtung Süden fahren können.

Der Radverkehr zur Stadt hin verbleibt auf dem jetzigen Radweg an der Bahnseite. Aufgrund des Linksverkehrs für Radler werden dann englische Verhältnisse bestehen. Eben diese hält Schwab für gefährlich. Das sei für die deutschen Radfahrer einfach zu ungewohnt. „Vor allem an den Kreuzungen wird das Probleme geben.“ Seine abschließende Meinung zu den Plänen für Kaiserstraße und erweiterten Cityring: „Totaler Schwachsinn.“

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