Bürgerversammlung im Ratssaal: Kritik am Bonner Konzept für Klärschlamm

Bürgerversammlung im Ratssaal : Kritik am Bonner Konzept für Klärschlamm

Rund 50 Teilnehmer kamen zur Bürgerversammlung im Ratssaal. Diskutiert wurde, was zukünftig mit dem Klärschlamm in Bonn passieren soll.

Längst überfällig war die öffentliche Information der Stadt, was mit dem Bonner Klärschlamm – rund 8000 Tonnen pro Jahr – künftig passieren soll: so die einhellige Kritik aus den Reihen der rund 50 Teilnehmer der Bürgerversammlung im Ratssaal.

Tiefbauamtsleiter Peter Esch meinte bei der Versammlung, dass die Analysen der Gutachter sehr viel Zeit in Anspruch genommen hätten, „schließlich handelt es sich um komplizierte Sachverhalte, die weit in die Zukunft greifen“. So soll laut Gesetz aus Klärschlamm ab 2029 der Wertstoff Phosphat zurückgewonnen werden. Dazu dürfen die getrockneten Fäkalien aber nicht, wie bislang, mit anderen Stoffen im Brennofen vermischt werden.

Im Kern geht es in den 900 Seiten Gutachten, die vom Tiefbauamt in Auftrag gegeben wurden, um die Relationen von Technologie, Wirtschaftlichkeit – auch mit Blick auf die Gebührenentwicklung – und den Emissionen einer Klärschlammverbrennungsanlage an drei möglichen Standorten.

Mehrere Optionen sind offen

Der Klärschlammofen am Salierweg in der Regie des Tiefbauamtes „ist in die Jahre gekommen und arbeitet zudem nicht wirtschaftlich“, so Esch. Die Neuinvestition von geschätzten 30 Millionen Euro müsste die Stadt allein schultern – für ihn keine gute Lösung.

Zweite Option ist eine Kooperation mit vier kommunalen Entsorgern, unter anderem den Kölner Entwässerungsbetrieben, die mit 300.000 Tonnen Klärschlamm kalkulieren und einer Investition von bis zu 100 Millionen Euro in eine neue Anlage an einem noch nicht festgelegten Standort. Bonn wäre mit gut elf Prozent beteiligt.

Bei der dritten Option würde ein Klärschlammofen auf dem Gelände der Müllverwertungsanlage (MVA) in der Weststadt in Regie der städtischen Tochter Stadtwerke Bonn für circa 40 Millionen Euro (22 Prozent von der Stadt) in einer Realisierungszeit von fünf Jahren gebaut.

Im Verbund mit MVA und Heizblockkraftwerk könnten Synergien genutzt werden, so die Argumentation. Der Ofen müsste aus Gründen der Wirtschaftlichkeit auf 350.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt sein, Kooperationspartner aus der Region würden zuliefern. Dieses Konzept wird von der Stadt klar favorisiert – und beworben.

Stadtrat entscheidet sich im Juli

Das Plädoyer für die Kooperationslösung hielt Heinz Brandenburg, Hauptabteilungsleiter bei den Städtischen Entwässerungsbetrieben Köln (StEB): „Je größer die Anlage, desto wirtschaftlicher.“ Er könne sich wegen der Handlungssicherheit nur eine öffentlich-rechtliche Partnerschaft vorstellen. In Frage kämen für die Anlage verschiedene Standorte, unter anderem Düren, die aber noch geprüft werden müssen.

Dazu sollen die Partner so schnell wie möglich eine Vorvereinbarung unterschreiben, damit der Zeitplan mit Stichjahr 2029 eingehalten werden kann. „In Köln gibt es bereits jetzt Versorgungsengpässe“, so Brandenburg. „Wir brauchen jetzt ein Signal aus Bonn.“ Der Stadtrat entscheidet am 10. Juli, dann haben auch die anderen Partner ihren Entschluss gefasst.

„Zeitdruck ist aber Wissensmangel“, hielt einer der Bürger Brandenburg entgegen. „Wir hätten die Bonner gern im Boot. Wenn nicht“, Brandenburg zuckte mit den Achseln, „wird es jemand anders sein.“

Thema für die MVA-Anwohner sind die Emissionen und der zusätzliche Verkehr, der mit der Verbrennunsganlage entsteht. Manfred Becker, Geschäftsführer der MVA, rechnet mit 30 Fahrzeugen pro Tag mehr. „Die zusätzliche Belastung durch Emissionen läge bei zehn Prozent.“ Aber man denke über den Einsatz von E-Lastern nach.

Die Anwohner insistierten: Derzeit würde der Schlamm aus Bad Godesberg und Beuel über Rohre geleitet, das sei doch viel günstiger. Schließlich wollte ein Bürger vom Vertreter des Umweltbundesamtes wissen, was er favorisiere. „Klärschlammverbrennung auf dem MVA-Gelände, wegen der Energieeffizienz.“ Dem Gemurmel nach zu urteilen, wollten die Anwohner das nicht hören.

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