Bonner Außenstelle des Bundesamts für Migration: Kritik am Bamf reißt nicht ab

Bonner Außenstelle des Bundesamts für Migration : Kritik am Bamf reißt nicht ab

Die Beschwerden über die Bonner Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) reißen nicht ab. Im Gegenteil: Flüchtlinge, die dort zu einem Interviewtermin geladen waren, um später einen Asylantrag stellen zu können, beschreiben chaotische Zustände in der Behörde.

Ein 27-jähriger Afghane, der Anfang des Jahres aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist, hatte voller Hoffnung auf den Termin gewartet. Sein Resümee im Anschluss: „Es war eine äußerst beklemmende Situation.“

Mit Namen will er nicht in der Zeitung stehen, denn er muss ein zweites Mal zum Bamf. Und das ist schon ein Teil seiner Erlebnisse. Nachdem er von 7.30 bis 17 Uhr vergeblich auf seine Anhörung gewartet hatte, wurde er mit einem Schreiben weggeschickt, das dem General-Anzeiger vorliegt. Inhalt: „Aufgrund besonderer Umstände konnte Ihre Antragstellung nicht fertiggestellt werden.“ Für einen Termin am 2. September folge eine weitere Einladung. Dem von der Stadt Bonn untergebrachten Flüchtling zufolge sei es schätzungsweise rund 25 der mehr als hundert geladenen Flüchtlinge so ergangen; darunter sei eine Hochschwangere gewesen.

Er ist nicht der Einzige, der seinen Besuch so darstellt. Ute Manthey, ehrenamtliche Helferin in der Flüchtlingsunterkunft der früheren Poliklinik, sagt, dass von drei Syrern, die sie betreut, nur einer zum Interview aufgerufen wurde. Die beiden anderen hätten den erwähnten Zettel mit einem Ersatztermin in die Hand gedrückt bekommen. „Ich verstehe nicht, wie man mit Menschen so umgehen kann. Das ist respektlos“, ärgert sich Manthey. Jegliche Systematik bei den Abläufen im Bamf vermissen der 27-jährige Afghane und seine Bonner Freundin Anna Bahadori. „Niemand hat mit uns geredet. Alle saßen in einem kleinen Raum und mussten sich den Gang an die frische Luft bei der Security erbetteln. Man fühlt sich hilflos“, übersetzt Bahadori für ihren Freund.

Es habe nicht genügend Übersetzer gegeben, bloß einen für Farsi und einen für Dari. Obwohl im Einladungsschreiben ausdrücklich gestanden habe, dass für Essen und Trinken gesorgt sei, habe es an dem warmen Tag bis 13 Uhr keinen Schluck Wasser gegeben. Der junge Mann empfindet, wie er sagt, einen riesigen Druck vor dem nächsten Termin. „Dieses Interview ist für viele von uns enorm wichtig und wir machen uns vorab riesige Gedanken darüber.“ Auch Ute Manthey erklärt, es seien laut Schilderungen kaum Übersetzer anwesend gewesen.

Sie versteht noch einen weiteren Aspekt nicht. Die drei Syrer hatten sie gebeten, als Vertrauensperson mitzukommen. Vor der Tür war für sie aber Endstation. Die Security verwies darauf, dass sie einen entsprechenden Antrag hätte stellen müssen. „In dem Schreiben ist davon gar nicht die Rede und auf der Internetseite der Bamf kein solches Formular zu finden.“

Ein solcher Beistand ist laut Bernd Mesovic, Vize-Geschäftsführer von Pro Asyl, erlaubt. „Am besten teilt man das dem Bundesamt mit Namen der Vertrauensperson per Fax mit“, rät er. Eine Kopie sollte man am Tag vorzeigen können. Die Pressestelle des Bamf antwortete am Mittwoch nicht auf eine umfangreiche Anfrage des GA. In der Vergangenheit hatte die Behörde allerdings Engpässe bei den Anhörungen eingeräumt, einen Mangel an Dolmetschern aber bis auf einen Fall bestritten.

Am Dienstag haben Verwaltungsmitarbeiter aus Bonn, der Landrat und alle Bürgermeister aus dem Rhein-Sieg-Kreis das Bamf unter Ausschluss der Öffentlichkeit besucht. Die Stadt Bonn teilte mit, dass seit etwa zwei Wochen auch Bonner Flüchtlinge dort Termine bekommen. „Aus unserer Sicht läuft das reibungslos“, so Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Im Kreis wurden die langen Wartezeiten immer wieder kritisiert.

„Es war ein sehr gutes Gespräch“, resümierte Stefan Raetz aus Rheinbach, Sprecher der 19 Bürgermeister im Rhein-Sieg-Kreis. Bis zum 30. September sollen alle Flüchtlinge aus der Region registriert sein, habe es vonseiten des Bamf geheißen. „Die Bamf-Vertreter haben uns eine stärkere Verlässlichkeit bei den Terminen zugesagt und auch eine zügigere Bearbeitung“, erklärte Raetz. Als „Wermutstropfen“ bezeichnet Landrat Sebastian Schuster, dass die Flüchtlinge aus dem rechtsrheinischen Kreis weiterhin zur Außenstelle nach Burbach sollen. Man suche mit der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg nach einer Lösung.