Neuer Kripo-Chef in Bonn: Kriminalist durch und durch

Neuer Kripo-Chef in Bonn : Kriminalist durch und durch

Norbert Wagner kehrt als Kripo-Chef zurück nach Bonn. Das Thema Salafismus ist einer der Schwerpunkte.

Seit er als Kripo-Chef nach Bonn (zurück-)gekommen ist, hat Norbert Wagner jeden Tag zwei Stunden mehr Zeit. Der gebürtige Niederzissener, der mit seiner Familie auch heute noch in seinem Heimatort im nördlichen Rheinland-Pfalz lebt, pendelt jeden Tag ins Polizeipräsidium in Ramersdorf.

Fahrzeit für Hin- und Rückfahrt: ungefähr eineinhalb Stunden, schätzt Wagner. Und damit zwei Stunden weniger, als von seiner alten Wirkungsstätte in Köln, wo er an der Spitze der dortigen Kripo stand.

Der 58-Jährige ist Kriminalist durch und durch – und das seit 40 Jahren. Bereits von 1983 bis 1987 war er in Bonn tätig, unter anderem ermittelte er im Bereich der Kfz-Kriminalität und in der Mordkommission. Dann ging es zum Studium an die Deutsche Hochschule der Polizei in Hiltrup. „Eigentlich wollte ich damals nur für drei Jahre weg“, erinnert sich Wagner. Daraus wurden allerdings deutlich mehr.

Denn mit dem Studienabschluss in der Tasche ging es nach Köln, wo er insgesamt 21 Jahre tätig war – mit einer fünfjährigen Unterbrechung. Von 2002 bis 2007 verschlug es den 58-Jährigen zum Landeskriminalamt. Zuständigkeitsbereich: schwere und organisierte Kriminalität. Dann ging es zurück nach Köln. Achteinhalb Jahre leitete er dort die Geschicke der Kripo. „Eine super Zeit, eine spannende Sache“, fasst Wagner zusammen.

Lobende Worte für den neuen Arbeitsplatz

Die Entscheidung, Köln zu verlassen und an seine alte Bonner Wirkungsstätte zurückzukehren, sei vor den Ereignissen an Silvester gefallen, betont Wagner, der seit 36 Jahren verheiratet ist, drei Kinder und zwei Enkel hat. Ausschlaggebend seien private Gründe gewesen. Schon jetzt habe sich gezeigt, „dass es eine sehr gute Entscheidung gewesen ist. Es ist eine neue, reizvolle Herausforderung. Ich fühle mich sehr wohl.“

Was wohl auch daran liegt, dass er etliche der Kollegen – die Kripo umfasst mehr als 300 – noch von früher kennt. Tolles Umfeld, motivierte Mitarbeiter in den Kommissariaten, gute Rahmenbedingungen – Wagner findet nur lobende Worte für seinen neuen Arbeitsplatz. Und das, obwohl man mit dem demografischen Wandel zu kämpfen habe.

Die Kombination aus Stadt und ländlichen Bereichen sei es, die die Arbeit in der Bonner Behörde, die für das Stadtgebiet, Bad Honnef, Königswinter und den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis zuständig ist, so reizvoll mache. Dabei sieht Wagner – neben vielen anderen – vor allem zwei Schwerpunktthemen: Wohnungseinbruch und Salafismus. „Bei der Bekämpfung der Einbruchsdelikte hat sich Bonn toll entwickelt.“ Dass das so bleibt, dafür will er sich einsetzen. Und was radikale Muslime angehe, „bietet Bonn eine besondere Herausforderung“.

Kein Vergleich zu Tatort und Co.

Neben der Arbeit aber gibt es auch den privaten Kriminalbeamten, der am liebsten Zeit mit seiner Familie verbringt, klassische Musik hört, historische Romane liest und sich in Niederzissen engagiert. Zum Beispiel im Synagogenverein, als Schiedsmann oder im Pfarrgemeinderat. Sportive, spirituelle und religiöse Gründe hat sein derzeitiges Projekt: Der 58-Jährige ist auf dem Jakobsweg unterwegs. Los ging es in Seant-Jean-Pied-de- Port, Endpunkt ist – natürlich – Santiago de Compostela.

Danach geht es wieder an die Arbeit zurück, die ganz anders abläuft als in Tatort und Co., sagt Wagner. Krimis sind deswegen gar nichts für ihn, auch nicht im Fernsehen: „Das ist alles zu unrealistisch.“ Vielleicht liege seine Abneigung aber auch in dem Bild, das die Kripochefs in den Filmen abgeben, überlegt Wagner und schmunzelt. So wolle er nämlich nicht sein. „Ich will nicht die Arbeit behindern und niemandem im Weg stehen sondern dafür sorgen, dass wir alle gemeinsam die Kriminalität bekämpfen.“

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