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Kraniche in Bonn: Zugvögel kehren zurück

Zugvögel über Bonn : Kraniche kehren aus ihren Winterquartieren zurück

Es ist noch früh im Jahr und doch hören Bonner bereits das charakteristische „Trompeten“ vom Himmel: Die ersten Kranichschwärme können schon jetzt in nordöstlicher Flugrichtung beobachtet werden. Die Vögel müssen unterwegs mit einigen Überraschungen rechnen.

Als große Silhouetten sind sie über dem Himmel zu sehen: Rund 100 bis 250 Kraniche pro Schwarm, erkennbar an ihrem charakteristischen „Trompeten“, schweben bereits über den Bonner Himmel. Damit sind sie in diesem Jahr gut ein bis zwei Wochen früher dran als üblich, meint Peter Meyer vom Naturschutzbund (Nabu) Bonn. „Sie müssen unterwegs mit einigen Überraschungen, wie zum Beispiel Schneefällen, rechnen“, sagt Meyer.

Der Nabu berichtet auf seiner Homepage über aktuelle Informationen zum Kranichzug 2020. Letzte Woche nahm der Kranichzug an Intensität zu. Die Tiere sammelten sich im französischen Seengebiet Lac du Der-Chantecoq bei Saint-Dizier und zogen über das Saarland, Rheinland-Pfalz und auch Nordrhein-Westfalen.

Bisher stärkster Rückkehrtag zum Sturmtief „Sabine“

Obwohl Sturmtief „Sabine“ über das Land zog, hielt der Kranichzug über Hessen und NRW auch am Wochenende an. Der Sonntag gilt sogar als bisher stärkster Rückkehrtag. Im Lahntal bei Marburg wurden 8400 Kraniche gezählt. „Kraniche gehören zu den sogenannten Tagziehern. Dennoch sind auch nachts einige Schwärme unterwegs, die wir nicht mitbekommen und die Zählung erschweren“, sagt Meyer. Am Montagvormittag verzeichnet die Zählung des Nabu nur wenige Beobachtungen auf der hessischen Route im Großraum Frankfurt. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um die Vögel, die den Sturm zu einer Zwischenrast in Rheinhessen oder Südhessen verbracht haben.

Nahrungsreiche Westroute und gefährliche Ostroute

Die Schwärme, die über Bonn zu sehen sind, sind die Vögel, die die westliche Route nehmen. Sie führt über die Mosel in der Voreifel in die Feuchtgebiete Frankreichs oder ins warme Spanien. Einige Kraniche ziehen dann aber noch weiter: Über Spanien und Gibraltar hinaus bis nach Nordafrika. Die Korkeichenwälder in Spanien böten den Vögeln ein reichhaltiges Nahrungsangebot, das jedoch dadurch gefährdet sei, dass immer mehr Wälder mit Steineichen gepflanzt würden, erklärt Meyer. Wer Wein trinkt, sollte darauf achten, dass die Flasche mit echtem Kork verschlossen ist. Damit sichere man die Korkeichenbestände für die Zugvögel.

Die Kraniche, die aus dem nördlichen Russland kommen, fliegen die Ostroute gen Süden. Sie führt über den Bosporus über das Mittelmeer bis nach Nordafrika und ist für die Tiere viel gefährlicher als die Westroute, weil sie durch trockenere Gebiete führt und damit für die Vögel ein geringeres Nahrungsangebot bereithält. Ein weiterer Gefahrenfaktor sind illegale Abschüsse. Besonders kritisch sei die Situation im Mittelmeergebiet: „Dort kann sich jeder eine Waffe nehmen und zum Spaß die Vögel aus den Schwärmen abschießen. Neben den Kranichen sind auch die Störche betroffen. Sie sammeln sich vor Abflug und kreisen oft an einer Stelle. So wird einer nach dem anderen abgeschossen. Am Bosporus werden die Vögel tatsächlich noch eingefangen und aufgegessen, aber auf Zypern und Malta ist es eine Männerdomäne, die Vögel einfach nur zum Spaß abzuknallen“, sagt Meyer.

Felder und Feuchtgebiete helfen bei der Nahrungssuche

Auf der Westroute von Frankreich aus kommend, machen die Vögel, ihre erste Rast im Großen Torfmoor in Niedersachsen. Dort suchen sie auf Äckern und Feldern nach Nahrung. „Vor ihrer Brutzeit ernähren sich die Kraniche vegetarisch und finden auf Äckern Blätter und Rübenreste“, sagt der Nabu-Sprecher. Zur Brutzeit im April seien die Tiere meist an ihrem Ziel angelangt und fräßen „alles, was sie kriegen können“. Die Sumpfgebiete rund um Bremen oder auch in Mecklenburg-Vorpommern bieten den Vögeln ein reichhaltiges Nahrungsangebot an Fröschen, Fischen und größeren Insekten. Einige Kraniche ziehen aber auch noch nördlicher in die Seegebiete Skandinaviens.

Foto: dpa

Hier kann man die Zugvögel am besten sehen

Wer die Zugvögel beobachten möchte, schaut am besten von markanten Punkten aus in den Bonner Himmel, wie zum Beispiel auf den Rheinbrücken. Aber auch das flache Rheinufer oder die weitläufigen Rheinauen bieten Schauplätze für Vogelbeobachtungen, auch unabhängig von Zugvogelschwärmen. Wer die Kranichschwärme nicht verpassen möchte, hält sich am besten ab rund 15 Uhr bereit: „Meist erscheinen die Vögel hier in Bonn am Nachmittag. Das hängt ein bisschen davon ab, wann genau sie an ihrem Abflugort gestartet sind. Sie fliegen bei Sonnenaufgang los“, sagt Meyer.

Eigene Kranichbeobachtungen online melden

Der Nabu sammelt Daten zur Kranichbeobachtung und lädt im Internet unter www.nabu.de dazu ein, Kranichzähler zu werden. Die Zählungen dienen dazu, Entwicklung der Kranichbestände und auch mögliche Veränderungen der Zugrouten zu dokumentieren sowie aktive Schutzmaßnahmen an den Aufenthaltsorten für die Tiere ergreifen zu können. Unter www.naturgucker.de finden sich zudem umfangreiche Informationen zum aktuellen Zuggeschehen sowie Bilder und Auswertungen speziell für NRW, aber auch bundesweit.